Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Spekulantenträume taugen nicht für Verbraucher

Die Ölpreise befinden deutlich unterhalb alter Höchstwerte. Aber selbst auf diesem unexponierten Niveau sind sie in Relation zur Lage am physischen Markt zu hoch. Spekulanten halten sie dort in der Hoffnung auf eine bald anziehende Nachfrage. Die zieht selbstverständlich an. Das kann angesichts der Wachstumsraten in China, Indien und anderen Schwellenländern gar nicht anders sein. Im Kernland der Spekulation, den USA, die nebenbei auch der größte globale Ölverbraucher sind, sinkt die Nachfrage seit 2008 tendenziell. Gleiches gilt für Europa und die OECD insgesamt. Von Quartal zu Quartal hoffen Finanzjongleure auf eine andere Entwicklung. Sie kommt nicht. Im Gegenteil, die Zeit neigt dazu, den Nachfragerückgang der alten Industrienationen zu forcieren. Global wächst die Ölnachfrage deshalb nur moderat.

Gleichzeitig steigt das weltweite Ölangebot. Dieser Umstand lässt Träume von einem weitreichenden Umbau globaler Ölströme ins Kraut sprießen. Dabei sollen die USA bis 2030, gemäß einer Idee von BP, nicht nur unabhängig von Importen aus Ländern außerhalb Nordamerikas werden, sondern Saudi Arabien als größten Ölproduzenten sogar überholen. Zum Traum gehört auch, dass die Binnennachfrage der USA kräftig anzieht. Der Traum könnte sich mit Blick auf die CO2-Problematik schnell zum Albtraum entwickeln. Soweit muss man momentan aber gar nicht denken. Die Realisierung des Traums ist ohnehin höchst zweifelhaft. Fakt ist, dass die Welt im Allgemeinen und die USA im Speziellen derzeit über sehr viel Öl verfügen. Dieser Umstand muss auf die Preise drücken, es sei denn, das Ende der üppigen Versorgung ist bereits absehbar. Das ist nach unserem Wissen nicht der Fall. Also träumen wir von einem bald einsetzenden moderaten Abwärtstrend der Ölnotierungen.

Die Voraussetzung dafür wird Woche für Woche in steigenden US-Beständen vorgeführt. Sie befinden sich mittlerweile auf einem jahreszeitlichen 30-Jahres-Hoch. Auch in dieser Woche melden DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) wieder Zuflüsse. Sie fallen zwar etwas geringer als erwartet aus. Aber selbst dieser Umstand kann bärisch interpretiert werden, wenn aus einem Drosseln der Zufuhr wegen schwacher Nachfrage entstanden ist. Im Einzelnen werden folgende Veränderungen zur Vorwoche gemeldet:

Rohöl: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,6 (DOE) bzw. 3,5 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 88 Prozent. Das ist nicht gerade viel, aber es reicht für den weiteren Aufbau in wesentlichen Kategorien, wie diese Grafik zeigt.

Den Ölnotierungen verliehen die Bestandsdaten wenig substanzielle Veränderung mit Ausnahme von WTI (Texasöl). Diese Sorte wurde teurer. Dabei wog die Tatsache, dass sie mit der gerade fertig gestellten Erweiterung der Pipeline-Kapazität zu den südlichen Raffinerien nun einen größeren Absatzmarkt hat, schwerer als der schwache Vorratsabbau. Für Europas Ölpreise bleiben die WTI-Notierungen weiterhin relativ einflusslos.

Heute Morgen setzt sich die Seitwärtsbewegung der letzten Wochen in den Börsennotierungen fort. Für die Tonne Gasöl werden 953,50 Dollar bezahlt. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,14 Dollar und in London zu 109,88 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,21 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie folgen einem Abwärtstrend. Etwas Rückgang der Gasöl-Notierungen und die relativ entspannte Lage im Binnenmarkt machen das möglich. Ich gehe davon aus, dass die Tendenz fortgesetzt wird. Der Abwärtstrend sollte in den nächsten Wochen einen ordentlichen Dienst tun. Dabei sind keine großen Abstürze zu erwarten. Vielmehr tragen die Umstände, dass nach Jahren steigender Preise Ruhe ins Spiel kommt und dass Heizöl heute billiger ist als vor einem Jahr, zur Stimmungsverbesserung bei. Wer Heizöl benötigt, weil der Tank fast leer ist, macht nichts falsch, wenn er umgehend ordert. Wer auf bessere Preise wartet, könnte in einigen Wochen Zählbares sehen. Dann, am Ende des Winters, lohnt sich vielleicht sogar eine Nachbestellung, für die man bei einer aktuellen Order etwas Freiraum im Tank lässt. Es macht allemal Sinn, das Marktgeschehen eng zu verfolgen, um gute Kaufmomente nutzen zu können. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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