Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Sprunghafte Preise

An Bewegungsmangel leiden die Ölpreise nicht. Nachdem sie am Vortag wegen wetterbedingter Lieferschwierigkeiten in Alaska in die Höhe schnellten, wurden sie gestern erneut abwärts gedrückt. Grund: Die US-Bestandsdaten übertrafen die Erwartungen. In den kommenden Tagen sollte sich die Preisbewegung aber doch beruhigen. In den USA wird Thankgiving gefeiert. Der Parketthandel an den Börsen wird von Donnerstag bis Sonntag ausgesetzt. Der Dollar rauschte nach schlechten US-Konjunkturdaten ebenfalls abwärts. Er ist nun auf Tuchfühlung mit der unteren Begrenzungslinie seines seit Mai bestehenden Seitwärtstrends.

Die reduzierten Lieferungen aus Alaska konnten kein echtes Problem für die Versorgung darstellen. Dazu sind die Vorräte zu üppig und die Fehlmengen zu gering. Die Störung wurde durch Wetterturbulenzen hervorgerufen. Ihre Dauer war begrenzt. Inzwischen ist sie teilweise aufgehoben. Noch heute soll sie komplett überwunden sein. Damit ist ein bullischer Aspekt beseitigt.

Quasi im Gegenzug wurde ein bärischer Überraschungsimpuls gesetzt. Die Daten über die US-Vorräte signalisieren einen unerwarteten Aufbau. Wie so oft sind sich DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) in ihren Erhebungen aber nicht einig. Hier die Werte:

Rohöl: +5,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,3 (DOE) bzw. ein Abbau von 3,9 (API) Mio. Barrel. Der Widerspruch löst sich auf, wenn man die Daten der Vorwoche hinzuzieht. Als Summe aus beiden Wochen ergibt sich ein Aufbau 0,3 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,9 (API) Mio. Barrel. Große Zahlen, kleine Wirkung. Zum Anschieben der Preisbewegung eignen sie sich eigentlich nicht. Und das wird vermutlich auch die Quintessenz für die kurzfristige Zukunft sein. Da die Vorräte wenig Veränderung zeigen, ist von dieser Seite kein nachhaltiger Einfluss für steigende oder fallen Preise zu erwarten.

Ein weiterer Grund, die gestrige starke Abwärtsbewegung erneut als korrekturbedürftig anzusehen, ist die Tatsache, dass die Heizölvorräte ihre ausgesprochen komfortable Höhe eingebüßt haben. Sie sind nicht mehr wie in den Wochen zuvor auf einem jahreszeitlichen Maximum der letzten sechs Jahre. Überhaupt steht ihre Veränderung im Widerspruch zu den Wetterbedingungen. Diese werden als besonders mild angegeben. Dennoch zeigten die Heizölbestände in den letzten Wochen einen extrem scharfen Rückgang.

Als weitere Angaben zu den aktuellen Bestandsinformationen wurden die Importe und Raffinerieverfügbarkeit genannt. Die Importe liegen etwas über den Zahlen der Vorwoche und des Vorjahres. Die Raffinerieverfügbarkeit steht nach wie vor bei lausigen 87 Prozent. Dieser Wert birgt bullisches Potenzial.

Weiterhin kontrovers mit leicht bärischem Grundtenor werden die Kürzungsfähigkeit der OPEC und die abkühlende US-Konjunktur diskutiert. Der Gesamteindruck aus Charttechnik und fundamentalen Umständen ergibt für die kommenden Wochen eine Preiserwartung, die zwischen seitwärts und schwach abwärts liegt.

Heute Morgen erholt sich der Gasölpreis bereits wieder. Den kompletten gestrigen Rückgang wird er kaum halten können. Die Tonne kostet 528,75 $.

Unsere Heizölpreise sind nach dem Anstieg vom Vortag wieder auf die Linie der letzten Tage gerückt. Und die verläuft sehr schwach fallend. Für die nahe Zukunft erwarten wir keine nennenswerte Veränderung der Preise. Nach unserer Einschätzung sind die Marktkräfte recht ausgeglichen. Die Nachfrage im Inland ist für die Jahreszeit normal bis mäßig. Die Lieferzeiten sind weitgehend normal. Wir weisen erneut darauf hin, dass die MwSt.-Erhöhung zum Zeitpunkt der Lieferung und nicht zum Zeitpunkt der Bestellung greift. Daher wird sie bereits im Dezember in die Heizölpreise eingehen. Denn Lieferungen dauern um die Feiertage am Jahresende zwei bis drei Wochen.

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