Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Staat gibt wieder Hilfe zur Selbsthilfe

Die Ölpreise benehmen sich merkwürdig und widersprüchlich. Das Gros der Notierungen folgt einem klaren Aufwärtstrend. Die Preisrückgänge in den letzten Tagen waren marginal. Sie stellen den Trend nicht infrage. Der einstige Schrittmacher von Preisentwicklungen, das texanische Rohöl WTI, scheint dagegen gerade in einen Abwärtstrend einzubiegen. Sein Abstand zum Bruder aus der Nordsee, der Marke Brent, wächst und wächst. Aktuell beträgt er rund minus neun Dollar. Normal wäre ein Plus von zwei Dollar.

Einen derartig eklatanten Abstand gab es zuletzt vor zwei Jahren. Es war der Moment, als der rasante Preisrückgang während des Höhepunkts der Finanzkrise seinen unteren Umkehrpunkt hatte. Von dem Moment an wurde Öl wieder teurer. Bis heute gewann WTI 150 Prozent an Wert. Mit dieser Feststellung soll keineswegs der Eindruck erweckt werden, dass die untypische Preisdifferenz ein Indiz für einen bevorstehenden Preisanstieg ist. Es gibt keine Determinismen im Börsengeschehen. Es ist durchaus möglich, dass dieses Mal das Gegenteil eintritt, nämlich ein Preiseinbruch.

Für sehr wahrscheinlich halten wir den allerdings nicht. Die Begründung für die Einstellung lautet wie folgt: Die Finanzszene ist außerordentlich stark in WTI investiert. Die Positionierung ist so bullisch wie selten zuvor. Im Gegensatz zu der Zeit vor der Finanzkrise gibt es heute einen Gleichtakt zwischen Wirtschaftswachstum, steigenden Aktienkursen und steigenden Ölnotierungen. Das Investment in Öl ist somit keine Flucht aus unlukrativen Anlagen. Es ist eine Ergänzung. Eine Überhitzung der Entwicklung ist noch nicht auszumachen. Neben diesen Beobachtungen, die auf konsistente Verhältnisse innerhalb der Finanzszene hindeuten, kommen nun auch Nachfragedaten zutage, die steigende Ölnotierungen als reales Marktresultat rechtfertigen. Über die Höhe der Preise lässt sich dabei trefflich streiten. Sie sind aus unserer Sicht mit einem nennenswerten Spekulationsfaktor beaufschlagt. Zur Richtung der Preisentwicklung gibt es keine ernsthaften Widersprüche. Sie folgt dem Grundsatz, auf absehbare Zeit ist zwar genug Öl da, die Förderung dieses Öls wird aber immer teurer.

BP sieht den fossilen Energieverbrauch in den kommenden Jahren so stark wachsen, dass die Einhaltung des Ziels von maximal 2 Grad Erderwärmung unhaltbar ist. Die mit gewaltigen Fördermitteln installierten regenerativen Projekte zur Deckung des Energiebedarfs werden den fossilen Anteil im Jahr 2035 gerade mal von 81 auf 73 Prozent senken. Diese Senkung bleibt laut IEA (Internationale Energie Agentur) wegen des allgemeinen Nachfragewachstums nach Energie folgenlos. Vertreter der Industrie leiten aus diesem misslichen Umstand Forderungen nach noch mehr öffentlicher Förderung regenerativer Energietechnologie ab.

Förderung wird nicht nur die Industrie erfahren. Gefördert werden auch private Hausbesitzer. Es versteht sich im gegenwärtigen politischen Umfeld von selbst, dass die Förderung des Privaten erheblich geringer ausfällt. Immerhin kann man konstatieren, dass die Ausrichtung der geförderten Maßnahmen zielführender ist als im Fall der Industrie, weil sie klar auf eine Reduzierung der Nachfrage setzt. Der Ausbau der regenerativen Energien ist lediglich eine Umlenkung des Angebots. Dieser Ausbau wird als Rettung des überkommenen Wachstumsparadigmas verkauft.

Ab dem 1. März gibt es von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) wieder Geld für Einzelmaßnahmen zur energetischen Modernisierung von Wohneigentum. Das Programm lässt die schrittweise Sanierung, erst das Dach, dann Wände, Fenster, Boden und schließlich die Heizung, zu. Das ist aufgrund limitierter Investitionsmöglichkeiten in Privathaushalten sinnvoll. Die energetische Sanierung von Wohnraum ist der einzig sichere Schutz vor davon galoppierenden Energiekosten. Auf temporär fallende Preise zu setzen, kann zwar funktionieren. Sehr wahrscheinlich ist ein Erfolg angesichts der skizzierten Aussichten nicht. Der Ausbau der regenerativen Energieversorgung ist allemal kein Schutz. Das zeigt sich in den seit Jahren steigenden Strompreisen, die in erster Linie mit dem Zubau von Solarzellen begründet werden.

Heute Morgen bewegen sich die Ölnotierungen auf leicht reduziertem Niveau. Einzige Ausnahme stellt Rohöl der Sorte WTI dar. Es ist deutlich billiger. Die Tonne Gasöl kostet 834,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York (WTI) zu 87,61 Dollar und in London (Brent) zu 96,55 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,30 Eurocent.

Unsere Heizölpreise befinden sich in einem moderaten Abwärtstrend. Der ist eindeutig auf die Dollarentwicklung zurückzuführen. Die sieht derzeit recht stabil aus. Sie macht vor dem Hintergrund der Unsicherheiten in den Haushalten der EU-Länder und der USA Sinn. Gleichwohl ist sie keine sichere Bank. Die Finanzszene zeigte in den letzen Monaten mehrfach irrationales Verhalten am Devisenmarkt. Sollte die Bewegung halten, darf mit der Fortsetzung des aktuellen Trends für Heizöl gerechnet werden. Den von vielen Verbrauchern prognostizierten großen Preiseinbruch wagen wir aufgrund der Nachfrageentwicklung und der Lage der Finanzindustrie nicht vorherzusagen. Aber auch hier ist Irrationales jederzeit möglich. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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