Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Starker Einbruch

Das Suchen hat ein Ende. Der Ölpreis hat seine nächste Richtung gefunden. Die heißt Abwärts. Ende letzter Woche konnte man bereits ahnen, dass der Ölpreis eine neue Tendenz einschlagen wird. Seitwärts schwang er immer weniger. Kurz vor dem Stillstand brach er schließlich nach unten aus. Charttechnisch wäre die entgegen gesetzte Richtung ebenfalls möglich gewesen, Börsenpsychologisch auch. Aber die Realwirtschaft setzte sich durch. Die Preisentwicklung ist nun wieder ein Abbild der konjunkturellen Erwartungen. Der Dollar bleibt auf Gegenkurs dazu. Dass er bereits seit Tagen deutlich zulegt, liegt nicht allein an der nun gefundenen Richtung. Hier spiegelt sich auch das Missfallen der Marktteilnehmer über die Politik der EZB (Europäische Zentralbank) wider.

Der Gleichtakt von Preis und Konjunktur erlaubt es, klare Erklärungsmuster zu benennen. Der jüngsten Entwicklung an den Aktienmärkten zum Trotz steckt die Wirtschaft weltweit in Schwierigkeiten. Die Erholung der Kurse war Ausdruck des alten Spiels vom großen Geld in der Hand weniger Spekulanten. Mit einer Erholung der Realwirtschaft zum Wohle Aller hatte das nichts zu tun. Volkswirten und Politikern bleibt es nicht erspart, auf die anhaltenden Schwierigkeiten der Wirtschaft hinzuweisen. Die Rettung liegt noch fern. Nahe liegt hingegen, dass die schwache Wirtschaft eine schwache Nachfrage nach Öl bedingt. Die Verbrauchsprognosen werden laufend reduziert. Die Öllager laufen als Folge realer Verbrauchsrückgänge immer voller. Liefereinschränkungen der OPEC, die restriktiver durchgesetzt werden, als man das erwarten konnte, reichen nicht aus, um das Angebot auf die neue Nachfragesituation einzustellen. Und so kann die aktuelle Lage mit dem Begriff Ölschwemme charakterisiert werden, ein Begriff, an den die Menschheit bis vor Kurzem nicht mehr zu glauben wagte.

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass eine Ölschwemme während einer Rezession ein normales Ereignis ist. Daraus sollte nicht der Schluss gezogen werden, dass Öl dauerhaft in Hülle und Fülle vorhanden wäre. Solange die Wirtschaft lahmt, darf man aber immerhin mit einer angemessenen Preisanpassung kalkulieren. Die hat nach Ansicht der Deutschen Bank noch deutlichen Spielraum nach unten, ohne die Ölförderung als Ganzes in Frage zu stellen. Für eine gewisse Zeit wäre sogar ein Preis von 20 Dollar pro Barrel für Nicht-OPEC-Öl möglich. Mit diesem Preis lebten wir allerdings von der Substanz. Neue Förderprojekte wären dabei kaum noch zu realisieren. Langfristig hätte das eine erhebliche Reduktion des Angebots zur Folge. Ohne einen energetischen Umbau unserer Wirtschaft wäre die wirtschaftliche Erholung damit dauerhaft in Frage gestellt. Konkret würde bei 20 Dollar pro Barrel der Aufbau von rund 3,5 Mio. Barrel täglicher Förderleitung in die Verlustzone geraten, was das Aus für diese Projekte bedeuten würde. Der natürliche Schwund beschleunigt sich bei rückläufigen Ölpreisen erfahrungsgemäß. Er wird jedes Jahr auf gut eine Mio. Barrel pro Tag anwachsen. Nach heutigen Renditevorstellungen wird ein Ölpreis von 60 bis 68 Dollar pro Barrel benötigt, um die Förderung in Regionen mit Wachstumspotenzial tatsächlich zu realisieren. Diese Grenzpreise sind geringer als vor einem Jahr. Sie sind aber nennenswert höher als die aktuellen Marktpreise.

Sehr deutlich ist die Krise bei der Entwicklung von Fördermaßnahmen in der Nordsee zu spüren. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind die Bohraktivitäten 41 Prozent geringer als im entsprechenden Quartal 2008. Auf das ganze Jahr hochgerechnet könnten sie sogar um 66 Prozent sinken. Das wird Folgen für die Ölwirtschaft als Ganzes haben. Noch stärkere Folgen wird es für Großbritannien haben. Statt wie bisher angenommen weitere 20 bis 30 Jahre vom Öl profitieren zu können, könnten es nur noch 15 Jahre sein. Der britische Fiskus muss bereits ab 2010 mit deutlich geringeren Einnahmen aus dem Nordseeöl rechnen.

Geringer sollte auch in den nächsten Tagen der Ölpreis ausfallen. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 421 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 45,44 Dollar. Der technisch ungerechtfertigte Abstand zur Sorte Brent steigt wieder. Brent kostet 49,74 Dollar. Der US-Dollar wird zu 77,33 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben nach. Die Bewegung verläuft deutlich verhaltener als am Weltmarkt. Der Dollar dämpft den Ölpreisrückgang. Wir gehen davon aus, dass die im März markierte Preisspanne in den kommenden Wochen ausgenutzt wird. Dass dabei bereits neue Tiefpreise herauskommen, sehen wir noch nicht. Insofern darf die erwartete Preisbewegung für den Binnenmarkt immer noch mit Seitwärts betitelt werden. Abschließend kommt noch der übliche Hinweis auf die Notwendigkeit zum Energiesparen. Wir helfen dabei mit unserem kostenlosen Analysetool www.esytrol.com.

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