Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Steigen die Preise wieder oder schwingen sie nur?

Mit 48,38$ ging der New Yorker Rohölkontrakt am Freitag aus dem Handel. In den letzen Tagen wurde er durch bullische Impulse ziemlich dynamisch in die Höhe getrieben. Dass sich die Bewegung zu einer neuen Hausse entwickeln wird, ist aber eher unwahrscheinlich. Zwar gibt es Argumente für hohe Preise. Aber bei 50$ für das Barrel US-Rohöl sind sie ausgereizt. Der Dollar erstaunt die Fachwelt weiterhin mit seiner wieder gefundenen Stärke. Die traut man ihm auf Dauer nicht zu.

In den US-Heizölregionen und anderswo auf der Welt ist es nun tatsächlich kalt geworden. Die letzten Stürme haben in der Nordsee Förderprobleme hinterlassen. Die gibt es auch im Golf von Mexiko und in Nigeria. Das drosselt den Rohölstrom vorübergehend. Die Reduktion der Irakischen Förderung durch anhaltenden Terror dürfte hingegen nicht so schnell überwunden werden. All das treibt die Preise.

Die deutlichsten Impulse bezieht der Rohölpreis aber von Spekulationen über eine Fördereinschränkung der OPEC. Sie könnte am 30. Januar beschlossen werden. Die Nähe des aktuellen Preises zur 50-Dollar-Marke hält die Wahrscheinlich für einen entsprechenden Schritt aber gering. Daher wäre ein Szenario, dass den Preis bis Ende Januar über die 50$ hievt und ihn danach wieder einbrechen lässt, weil die OPEC die Förderung nicht verändert, naheliegend.

Der aktuelle Preisauftrieb geht wieder einmal vom Rohöl aus. Der Heizölpreis wird lediglich hinterher geschleppt. Das ist ein Signal dafür, dass die Sorge vor einer Verknappung im Winter schwindet. Sollte die Kälte sich verschärfen und länger andauern, könnte es allerdings zu einer Verstärkung der preistreibenden Tendenzen kommen.

Charttechnisch passt die Bewegung bis knapp über die 50$ immer noch in ein seitwärts gerichtetes Band mit einer Schwingungsbreite um die 10$. Sie passt aber auch in einen deutlich schmaleren, aufsteigenden Trendkanal, der seien Ursprung im September 2003 hat. Die geringe Sorge vor explodierenden Preisen liegt u.a. an einem zurückgegangenen Handelsinteresse. Die spekulative Kraft, die über weitere Strecken des letzten Jahres im Markt steckte, ist z.Z. nicht zu erkennen.

Die fundamentale Preisbildung wird auf längere Sicht durch die Förderung und die Verarbeitung unterschiedliche Impulse bekommen. Die immer noch steigenden Ressourcen lassen keinen Zweifel daran, dass auf absehbare Zeit genug Öl gefördert werden kann. Allerdings wird die Förderung immer teurer werden, da die Bedingungen, an Rohöl oder vergleichbare Stoffe zu kommen, schwieriger werden. Auf der Verarbeitungsseite herrscht dagegen Knappheit. China und einige OPEC-Länder handeln inzwischen. Das kann man von den USA als weltgrößter Verbraucher nicht sagen. Die inzwischen begonnenen Raffinerieneubauten werden in der zweiten Hälfte dieser Dekade zur Verfügung stehen. Sie könnten bei moderatem Wirtschaftswachstum für Entspannung sorgen und helfen, Preisübertreibungen abzubauen.

Die Abhängigkeit von OPEC-Öl wird zunehmen. Russland als derzeit größter Lieferant wird seine Wachstumsraten nicht durchhalten können. Wenn es nicht zu harmonischeren Beziehungen mit den OPEC-Staaten kommt, als das heute der Fall ist, bleibt die Wahrscheinlichkeit für temporäre Preiskapriolen allerdings hoch.

Heute werden die Preise ohne die USA ausgehandelt. Dort ist Feiertag. Üblicherweise beruhigt eine Pause in New York die Fieberkurve der Preise. Gasöl wird heute Morgen nahe den Schlusskursen vom Freitag mit 398$ pro Tonne gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten vor dem Wochenende noch einmal zu. Sie pendeln sich im Durchschnitt für die 3000 Liter-Partie zwischen 0,40 und 0,45 EUR ein. Das könnte durchaus das längerfristige Mittel werden. Bis Ende 2003 lag dieses Mittel noch bei 0,30 bis 0,35 EUR. Aus heutiger Sicht gilt die Spanne als zu billig. Sie bildet die neue Lage am Weltmarkt nicht mehr ab. Trotz des vermutlich nachhaltigen Preisanstiegs ist Heizöl immer noch ein günstiger Brennstoff. Der Preisvorteil gegenüber Erdgas liegt bei knapp 25% laut der Fachzeitschrift ?Brennstoffspiegel?.

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