Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Steigende Preise derzeit unvorstellbar

Der Winter ist da. Na und. Das war die gestrige Reaktion der Börse. Man handelte eher das nicht verbrauchte Öl der warmen Winterperiode als das zu verbrauchende Öl der kalten Tage. Lange soll die Kältewelle nach heutiger Erkenntnis ohnehin nicht andauern. So drehte die kurz und sogar heftig steigende Preisbewegung schnell wieder bei. Der Abwärtstrend steht. Er ist kurzfristig allenfalls neutralisiert. Neutralisiert ist auch die Dollarbewegung. Am Devisenmarkt wartet man auf Wirtschaftsdaten.

An den Märkten gibt es nichts Neues. Das ist die kurze Zusammenfassung der letzten Woche. Einfluss auf den Handel haben die Vorräte, das Wetter und die OPEC. Geopolitische Einflussfaktoren sind uninteressant geworden, weil es an Mangel mangelt. Die Unsicherheit einzelner Versorgungsländer erhält nur Gewicht, wenn die Gesamtversorgung ?auf Kante genäht? ist. Ist sie aber nicht. Die Tanklager sind weltweit prall gefüllt. Die OPEC ist zur Mengenregulierung unfähig. So bleibt auch der Preis unreguliert. Und das Wetter ist unfähig, einen veritablen Winter hervorzubringen. Also bleibt der Preisdruck erhalten. Angesichts dieser Umstände darf man hoffen, dass die Preise weitere Tiefstände erreichen.

Die großen Spekulanten glauben einerseits, sie könnten im Öl eine Menge Geld verdienen. Die Engagements in diesem Markt steigen und steigen. Andererseits fehlt den sogenannten Investoren eine Idee, wohin die Preisreise gehen könnte. Sie kommen aus einer neutralen Einstellung nicht recht heraus. Diese Erkenntnis ergibt sich aus der Verteilung der Kontrakte auf steigende und auf fallende Kurse. Sie ist ausgeglichen.

Charttechnisch war der Preisanstieg zum Ende der letzten Woche mehr als überfällig. Die lange und vor allen Dingen heftige Abwärtsbewegung verlangte nach einer entspannenden Gegenreaktion. Die konnte, dem Wetter sei Dank, endlich losbrechen. Wirklich entspannend war sie noch nicht. Der Abwärtstrend hält sich weiterhin nahe einer Überhitzung.

Momentan ist es schwer vorstellbar, dass die Ölpreise im Jahresverlauf zum langjährigen Aufwärtstrend zurückfinden können. Der Markt ist jetzt gut versorgt. Und der Markt wird in naher Zukunft gut versorgt sein. Dafür will nicht zuletzt Russland sorgen. Das mag vor dem Hintergrund des kurzen Lieferstopps über die Drushba-Pipeline zwar widersinnig erscheinen. Folgt man den Zahlen, ist es das aber nicht. Bis 2010 sollen die Ölexporte um 8 Prozent gesteigert werden. Die medienwirksamen Rufe nach Versorgungssicherheit aus Brüssel und aus Berlin in Richtung Moskau waren reine Show. Sie taugen allenfalls, um den Mangel an Klarheit in der eigenen Energiepolitik zu kaschieren. Sie werden der Frage nach Verlässlichkeit aber nicht gerecht. Weder die Verlässlichkeit noch die Versorgung standen in den wenigen Tagen der geschlossenen Pipeline in Frage. Im Fall einer technischen Störung, die durchaus länger dauern kann, hätte die Öffentlichkeit diese nicht einmal wahr genommen. Und die Politik wäre wortlos geblieben.

Den deutlich interessanteren Beitrag zum Thema hat der Bundesbauminister geliefert. Sein Haus ist sich der Bedeutung von Energiesparmaßnahmen an Gebäuden bewusst und will diese vorantreiben. Auf Grundlage der Brüsseler Richtlinien zur Energieeffizienz ist eine Reduzierung des Gesamtverbrauchs um 10 Prozent kurzfristig möglich. Im Bereich der Raumheizungen ist sogar eine Senkung um 50 Prozent erreichbar. An die möchte sich Minister Tiefensee heranmachen. Was sich wirtschaftlich rechnet, soll per Verordnung durchgesetzt werden. Er ließ vorrechnen, dass heute 20 Prozent höhere Energieeffizienz bei Gebäuden eine positive Kostenbilanz ergeben. Eine Hausisolierung mit 15 cm starkem Dämmstoff bringt es bei den aktuellen Ölpreisen auf mehr Einsparung als Kosten. Beim Gas dürften sich sogar eine mehr als 20 cm starke Isolierungen rechnen.

Die aktuelle Preisentwicklung scheint die wirtschaftliche Stärke von Isolierungen eher zu reduzieren. Das sollte allerdings niemanden davon abhalten, langfristig zu denken. Gute Ölpreise gibt es heute und morgen. Gebäudeeinsparungen werden über einen längeren Zeitraum erzielt und helfen sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Unabhängigkeit zu steigern. Denn den Bedarf zu reduzieren ist unsere intelligenteste Antwort auf uneinschätzbare und unliebsame Marktgeschehnisse.

Heute Morgen finden wir den Gasölpreis schon wieder unter den gestrigen Tagesnotierungen. Die Tonne kostet 475,50 $.

Unsere Heizölpreise sind gestiegen. Die Steigerung scheint aber bereits beendet zu sein. Auf die kurzfristig kalten Temperaturen reagiert der Weltmarkt gelassen. Der Binnenmarkt hat ohnehin kaum etwas bei der Preisbildung zu melden. Hier ist die Nachfrage gering und die Lager sind extrem voll. Der Heizölpreis steht weiterhin unerwartet tief. Beste Käuferbedingungen.

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