Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Steilvorlage verpasst

Es besteht der Verdacht, dass unter den Bullen die Schweinegrippe ausgebrochen ist. Die verdächtigen Symptome sind Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Dieser Befund kann auch auf die Bayrische Krankheit hindeuten. Im Ergebnis laufen beide Diagnosen auf das Gleiche hinaus. Der Ball ist nicht eingelocht. Eine bessere Vorlage als die US-Bestandszahlen hätte es kaum geben können. Die wurde gestern kläglich vergeben. Statt aufwärts bewegten sich die Preise nach Veröffentlichung der Bestandsdaten abwärts. Am Umfeld kann es nicht gelegen haben. Das war bestens präpariert. Charttechnisch steht das Tor nach oben offen. Die Aktienmärkte feuerten die Bullen während des Tages an. Aber das alles half nichts. So bleibt nur die eingangs erwähnte Mutmaßung.

Alternativ wäre in Betracht zu ziehen, dass es um den stark geredeten Aufschwung doch nicht so bestellt ist, wie es den Anschein hat. Die Ölnachfrage lahmt nach wie vor. Eine Veränderung ist nicht in Sicht. Bei den Wirtschaftzahlen ist man genügsam geworden. Kleinen Verbesserungen in einem insgesamt schwachen Umfeld wird eine übertrieben große Bedeutung zugesprochen. Schließlich hat das Geschäftsmodell „Konsumieren bis zum Abwinken“ zumindest in den alten Industrieländern seinen Scharm verloren. Ein anderes Geschäftsmodell gibt es derzeit nicht. So kann es der Finanzindustrie schon mal schwer fallen, wenn sie über den eigenen Tellerrand hinausblickt, das bullische Treiben aufrecht zu erhalten. Da sich diese Industrie aber üblicherweise selbst genug ist, sind Zweifel, dass sie die Ölpreise in Kürze weiter in die Höhe tragen wird, unangebracht. Denn schließlich soll selbst die Schweinegrippe meist harmlos verlaufen. Nach wenigen Tagen der Schwäche, so hört man, befänden sich die Probanden wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte.

Zeichen für einen eher lausigen Wirtschaftverlauf lieferten die so bullisch anmutenden US-Bestandszahlen gestern übrigens schon. Die Ölimporte und die Raffinerietätigkeit, ausgedrückt in Raffinerieverfügbarkeit, sind untere Kante. Selbst im Fall kapitaler Störungen, die durch Hurrikane verursacht wurden, waren die Zahlen kaum tiefer. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass Ölprodukte derzeit nicht gebraucht und deshalb nicht importiert und produziert werden. Die Daten der berichtenden Institutionen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lauten wie folgt:

Rohöl: -3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,6 (DOE) bzw. 1,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf unter 81 gefallen. Die Gesamtbestände bleiben auf außerordentlich hohem Niveau, wobei Heizöl die tragende Säule ist. Die Bevorratung des Produkts schlägt alle früher erreichten Höhen. Die jüngsten Rückgänge ändern daran wenig.

In den Heizölpreisen findet der Überfluss keine Beachtung. Es gelingt der Finanzindustrie immer noch, den Produktenpreis durch weiteren Mittelzufluss in Heizölpapiere hoch zu halten. Dadurch stellt sich die Einstellung der Spekulanten bullisch dar.

Heute Morgen kränkeln die Bullen noch. Die Preise geben leicht nach. Die Tonne Gasöl kostet 628 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 79,79 Dollar. Der US-Dollar wird zu 67,47 gehandelt.

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Sie stehen auf höherem Niveau, als es aus reiner Marktsicht angebracht wäre. Dennoch wird dieses Niveau nach momentaner Lage der Dinge eher weiter steigen als fallen. Immerhin ist es deutlich tiefer als vor einem Jahr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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