Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Steuern geht nicht

Ölpreis und Dollarkurs legten gestern zu. Diese simpel und klar klingende Aussage sollte eine aggregierte Zustandsbeschreibung der Märkte und damit der Wirtschaft sein. Das ist der Plan. Der funktioniert allerdings nicht. Die Aussage hat keine tiefere Bedeutung. Rückschlüsse auf Markt und Wirtschaft treffen nicht zu, egal welches Interpretationsmuster man auch zurate zieht. Es gibt derzeit kein tieferes Verständnis über Lage und Steuerung der Wirtschaft und das ist im Grunde genommen vollkommen plausibel. Am Beispiel der US-Bestandsdaten lässt sich das intellektuelle Vakuum skizzieren.

Es beginnt mit den Fakten zu den US-Bestandsdaten. Diese wurden in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch und Mittwochnachmittag veröffentlicht. Damit hört das Faktische auch schon auf. Die von API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) ermittelten und publizierten Zahlen selbst sind so unterschiedlich, dass sie allenfalls als Bestätigung für Sokrates Ausspruch „ich weiß, dass ich nichts weiß“ taugen. Ähnlichkeiten zur Realität mögen in den Zahlen verborgen sein. Aber da man die Realität nicht kennt, wird man die Ähnlichkeit nicht finden. Das Zahlenwerk lautet wie folgt:

Rohöl: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,3 (DOE) bzw. 9,0 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und höher als im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 90 Prozent gestiegen. Die Vorräte auf Basis DOE-Daten befinden sich auf einem neuen historischen Hoch. Sie sind ein Beleg für die unerwartet schwache Ölnachfrage in den USA.

Aus diesem Umstand steigende Ölpreise zu entwickeln, widerspricht der Grundregel des Marktes, nämlich knappes Gut, hoher Preis und schwache Nachfrage, geringer Preis. Nun geht es an Börsen nicht um Logik, sondern um Stimmungen. Insofern muss man konstatieren, Finanzjongleure erfreuten sich gestern offensichtlich guter Stimmung. Des Weiteren geht es an Börsen um Projektionen der Zukunft. Erfreuliche Perspektiven werden gut bewertet und umgekehrt. Was ist im Fall des Ölmarkts eine erfreuliche Perspektive? Der Stoff ist definitiv endlich. Das Ende ist zwar sehr unscharf aber doch schemenhaft absehbar. Für ein Menschenleben liegt es in weiter, für die Menschheit hingegen in naher Zukunft. Vor diesem Hintergrund ist der Aufbau der US-Vorräte ein erfreuliches Ereignis. Bietet es der Menschheit doch die Perspektive, länger auf Öl als Motor des Wirtschaftslebens zugreifen zu können. Die gute Stimmung der Finanzjongleure ist also folgerichtig. Das Problem ist nur, dass sie als Element der Preisbildung nicht mit der klassischen, oben zitierten Marktregel vereinbar ist. Die Wirtschaftswissenschaft bietet uns bis heute nichts zur Auflösung des Widerspruchs an. Aus technischer Sicht ist die Wirtschaft nicht steuerbar, weil jedes Steuerungsmanöver zum gewünschten Effekt und gleichzeitig zum Gegenteil führt.

Dass die Preisbildung an den Börsen vor diesem Hintergrund vollkommen zufällig und ohne erkennbare Richtung verläuft, liegt auf der Hand. Das wird sich in absehbarer Zeit kaum ändern. Die Seitwärtsbewegung mit mehr oder weniger starken Schwankungen gibt die Wirtschaftslage am wenigsten schlecht wider. Der Umstand, dass Ölpreis und Dollar gestern in die gleiche Richtung strebten, verstärkt den Eindruck tiefer Ratlosigkeit. Eigentlich handelt es sich bei den beiden Werten um komplementäre Elemente mit spiegelverkehrter Preisbildung.

Heute Morgen ziehen die Ölpreise weiter aufwärts. Der Dollar hält derweil still. Das könnte durchaus die Richtung für den ganzen Tag sein. Die Tonne Gasöl kostet 644 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 75,88 Dollar. Der US-Dollar wird zu 78,01 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legen erwartungsgemäß zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie das auch in den kommenden Tagen tun werden, schätzen wir als hoch ein. Sie passt zum übergeordneten Seitwärtstrend. Ein Ausstieg aus diesem Trend ist nicht in Sicht, was nicht heißt, dass er unmöglich ist. Das Chaos im Wirtschaftsgefüge ist groß. Gültige Modelle zur Beschreibung und zur Steuerung gibt es nicht. Da kann ein kleines Ereignis schon mal große, unerwartete Wirkung zeigen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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