Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Sturm und Drang sind passé

Die USA erleben eine Ölschwemme. Sie wird durch die starke Zunahme der Eigenförderung ausgelöst. Die sinkende Binnennachfrage spielt hingegen keine gewichtige Rolle, da sie durch steigende Produktenexporte kompensiert wird. Die aktuellen Bestandsdaten entsprechen der allgemeinen Lagebeschreibung. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) melden unterschiedliche Ausprägungen des Sachverhalts. Sie sorgten gestern erneut für heftige Preisschwankungen. Die erhobenen Zahlen zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: +3,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +7,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,2 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 87 Prozent gestiegen. Die Gesamtbestände liegen knapp unter Vorjahresniveau. Angesichts des Nachfragerückgangs in den USA kommt dieser Sachverhalt einem Bestandsaufbau gleich. Die Rohölvorräte befinden sich auf dem höchsten Stand seit 22 Jahren. Neben der formidablen Eigenversorgung trägt das hohe OPEC-Angebot dazu bei. Der Benzindurst amerikanischer Autofahrer liegt 6,1 Prozent unter dem des Vorjahres.

Die Wirtschaft des Landes läuft eher recht als schlecht. Gleichwohl geht es den Bürgern eher schlecht als recht. Nach wie vor schmerzen die Wunden der Finanzkrise. Das gilt auch für weite Teile Europas. Die Zukunft wurde weitgehend in der Vergangenheit konsumiert. Nun ist es schwer neue Anreize und vor allen Dingen neues Geld für weiteren Konsum bereitzustellen. Man kann es zwar drucken. Die Probleme werden dadurch aber nicht gelöst. Allenfalls wird der Wert alter Schulden gesenkt. Es kommen aber postwendend neue hinzu. Und die vergrößern den Abstand zwischen Arm und Reich noch weiter. Ohne eine Neuordnung der Vermögensverhältnisse innerhalb der Gesellschaftsgruppen lässt sich die Konjunktur nicht so ankurbeln, wie Volkswirte und Politiker das gemeinhin wünschen. Mit dem Ankurbeln wird es allerdings auch nicht besser, solange Konjunktur als ressourcenverschlingendes Handeln praktiziert wird. Denn wenn das bei wenigen Menschen angesammelte Geldvermögen der breiten Masse zum Konsum bereitgestellt werden würde, stellte sich schnell heraus, dass es auf der Erde nicht genug Ressourcen gäbe, um all die Waren zu produzieren, die mit all dem Geld gekauft werden könnten. Die Preise der Ressourcen würden explodieren.

Derzeit explodieren sie nicht, weil der Verbrauch zwar üppig aber doch gedeckelt ist. Die breite Masse verfügt eben nicht über die Mittel, unbegrenzt konsumieren zu können. Das führt dazu, dass selbst in China, wo konjunkturelles Wachstum im zweistelligen Bereich als Normalzustand aufgefasst wird, kleinere Zahlen zu Tage treten. Im- und Exporte fallen aktuell deutlich geringer aus als erwartet wurde. Die Öleinfuhren sind lediglich um 3,3 Prozent höher als im Vorjahr. Ohne Zweifel wird der Ölkonsum der aufstrebenden Industrienationen weiter steigen. Dass er in Kürze die Möglichkeit des Angebots übersteigen wird, ist aber keineswegs sicher. Finanzjongleure in ihrer auf das Tagesgeschehen optimierten Weltsicht wünschen sich dies. Politiker mit ihrem bis zur nächsten Wahl reichenden Horizont sind gewillt, ihnen zu folgen. Sollten sie feststellen, dass der Wunsch nicht Wirklichkeit werden kann, wird die Börse beben. Das wird so schnell nicht geschehen. Die Protagonisten sind darin geübt, die prinzipiellen Widersprüche ihrer Konstrukte auszublenden. Das ist eine volkstümliche Eigenschaft.

Heute Morgen nehmen die Welt und ihre Bewertung den üblichen Lauf. Die Ölnotierungen hoppeln ein wenig auf und ab. Das macht, wie schon in letzten Tagen, nicht den Eindruck, als entwickelte sich ein neuer Zustand. Die Tonne Gasöl kostet 969,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,72 Dollar und in London zu 112,99 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,19 Eurocent.

Unsere Heizölpreise ziehen wieder an. Der erste Sturm und Drang des Abgangs der Ölnotierungen ist verarbeitet. Eine zweite Welle könnte folgen. Die Begleiterscheinungen sind steigende Dollarkurse. Sie reduzieren den potenziellen Gewinn, den Verbraucher aus fallenden Ölwerten beim Heizölkauf einfahren könnten. Für spekulierende Heizölkäufer bleibt die Lage interessant, solange nicht die Hoffnung auf das kaum Mögliche Vater der Spekulation ist. Kaum möglich ist ein Preisverfall um mehr als zehn Prozent. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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