Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Tadellose Rohölvorräte

Tiefe Sorgen über die Versorgungslage werden einstweilen auf Eis gelegt. Den US-Vorratsdaten sei Dank. Sie weisen in allen Belangen positive Zahlen aus. Das drückt die Rohölpreise um gut einen Dollar. Heizöl und Benzin verbilligen sich ebenfalls. Der Dollar tendiert seitwärts.

Die Schätzungen sahen wenig verheißungsvoll aus. Um so erfreulicher wurde das Plus aufgenommen, das beide berichtenden Institutionen über die Entwicklung in den US-Öllagern vermelden konnten. Die Daten von API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) i.E.:

Rohöl: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)

In Summe beträgt der Aufbau 3,1 (DOE) bzw. 5,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe und die Raffinerieverfügbarkeit legten wieder zu. Sie befinden sich auf Vorjahresniveau. Die Bestände sind deutlich besser als vor einem Jahr. Sogar Heizöl, das lange bedenklich niedrig bevorratet wurde, hat den Anschluss inzwischen geschafft. Vor drei Jahren war die Gesamtbevorratung ähnlich wie heute, allerdings bei erheblich höherer Heizölmenge. Vor fünf Jahren sah die Lage deutlich schlechter aus. Damals befanden sich die Preise in einem rasanten Steigflug.

Die in der Börsianerpsyche fest verwurzelte Sorge über Versorgungsknappheit im vierten Quartal wird durch die Lagerdaten konterkariert. Kurzfristig lassen sich die Marktteilnehmer auf die lockernde Erkenntnis ein und sorgen für fallende Preise. Die sich abzeichnende Übertreibung wird eliminiert. Unterstützung für den Preisabbau erhalten sie aus China. Das Land verschiebt sein Vorhaben, die strategischen Ölreserven deutlich zu erhöhen, weil die Preise dadurch zum aktuellen Zeitpunkt über Gebühr aufgetrieben werden.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Nach diesem Motto wird vermutlich mittel- und langfristig mit den Sorgen verfahren. Ein Hurrikan, ein Streik, ein Terroranschlag oder andere Umstände können die kollektive Angstvorstellung jederzeit reaktivieren und neuen Preisauftrieb verursachen. Allein der Umstand, dass China bei tieferen Preisen das Vorhaben ?strategischer Vorrat? fortsetzt, wird deutliche Preisverluste unterbinden.

Trotz des entspannenden Zwischenspiels stehen die Zeichen im Jahresverlauf für teureres Öl. Die in den letzten Tagen kolportieren Preiseskapaden von 100$ pro Barrel halten wir allerdings für maßlos übertrieben. Wo die Schmerzgrenze der Konjunktur wirklich liegt, vermag niemand zu sagen. Aber 100$ ist sicher weit darüber. Der Wert wäre ein absoluter Konjunkturblocker.

Grundsätzlich muss man über Jahre mit steigenden Öl- und Energiepreisen rechnen, weil das weltweite Nachfragewachstum die Steigerungsmöglichkeiten der Verarbeitung übertrifft. Leider wird die Energie nicht nur sinnvoll für gesundes Wirtschaftswachstum eingesetzt. Häufig wird sie ineffizient verwendet und verschwendet. Insofern und ausschließlich unter diesem Aspekt ist der Preisauftrieb zu begrüßen. Er stellt derzeit das einzige Korrektiv gegen andauernde Verschwendung dar. Er wird dafür sorgen, das sich Effizienz langfristig durchsetzt.

Deutsche Verbraucher sind diesbezüglich recht gut aufgestellt. Dennoch gibt es Nachholbedarf. Das beste Mittel gegen hohe Energiekosten sind ein gut gedämmtes Haus und eine moderne Ölheizung. Wenn der Verbrauch um 50% sinkt, tut der höhere Preis für den Brennstoff nur noch halb so weh.

Heute Morgen ist übrigens keine Fortsetzung des Preisrückgangs zu beobachten. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 512$. Der Wert liegt innerhalb der gestrigen Handelsspanne.

Unsere Heizölpreise haben sich ein wenig erholt. Es ist durchaus möglich, dass der Preisrückgang noch andauert. Da die Preissteigerung grundsätzlich dominiert, sollte man aber aufpassen, dass man einen den Umständen entsprechenden, guten Kaufmoment nicht durch Überspekulation verpasst.

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