Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Tankinhalt bestimmt Kaufmoment

Sie weichen nicht zurück. Sie kämpfen um jeden Cent. Sie halten den Preis gegen alle Widrigkeiten des Marktes oben. Finanzjongleure sind harte Kämpfer. Verbraucher hassen sie. Politiker fürchten sie. Das Schicksal eines Julian Assange droht ihnen aber nicht. Im Gegenteil, sie werden mit neuem Geld gepampert, wenn sie kapital scheitern. Dabei ist die von ihnen ausgehende Bedrohung der staatlichen Gemeinwesen unvergleichlich viel höher als die durch den WikiLeaks-Gründer Assange. Gestern zeigten Finanzjongleure ihr Stehvermögen am Beispiel der US-Bestandsdaten.

Die weisen zwar einen deutlichen Rückgang bei den Rohölvorräten auf. Die Produktenbestände stiegen aber gegen alle Erwartungen stark an. Dieser Anstieg war ein klares Signal für einen Preisrückgang. Im Zusammenspiel mit der anstehenden Gegenbewegung zum Preisanstieg der letzten Wochen hätte eine ordentliche Abwärtsrallye erfolgen können. Die Rallye wurde tatsächlich gestartet. Doch kurz nach ihrem Beginn schmissen kämpferische Bullen frisches Geld in den Ring, um erst den Preissturz zu stoppen und dann einen Preisanstieg zu entfachen. Die Ölnotierungen beendeten den Handelstag mit einem leichten Plus. Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gelieferten Daten zur wöchentlichen Veränderung in den US-Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: -3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -7,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,2 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,8 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist um fünf Prozent auf 88 Prozent in die Höhe geschnellt. Dieser Umstand ist weniger einer Nachfragebelebung geschuldet als vielmehr steuerlichen Aspekten der Lagerhaltung zum Jahreswechsel.

Im Finanzzirkus wird wieder ganz groß gezockt. Die über viele Monate währende Stillhaltephase ist endgültig vorbei. Die Scham der ersten Stunde nach dem großen Crash vor zwei Jahren ist lange verdrängt und vergessen. Unsicherheit, ob und wie lange die Sache dieses Mal gut gehen wird, bremst den unbändigen Willen zur Geldmehrung bisweilen. Insgesamt übertrifft aber der Jagdinstinkt die reine Vernunft deutlich. Die unausgesprochene Gewissheit, dass der nächste Crash kommen wird, fördert eher Hasardeursverhalten als es zu bändigen. Dabei ist der Kreation neuer Geldvermehrungsstrategien nach wie vor keine Grenze gesetzt. Vor dem letzten Crash waren die reinen, unverständlich komplizierten Finanzprodukte die schlagkräftigsten Waffen im Kampf um die Herrschaft über das Geldsystem. Heute handelt die Finanzindustrie mit den Waren selbst. Sie betreibt Lager und Transportflotten. Sie kann Warenpreise mittlerweile nicht nur über Wertpapiere manipulieren, sondern über Mengeneingriffe in den physischen Markt. Während der ursprüngliche Warenhändler ein originäres Interesse am stetigen Fluss der Wirtschaftskreisläufe hat, ist die mit Waren handelnde Finanzindustrie an der Unterbrechung dieses Flusses interessiert, weil die die lukrativere Preisentwicklung bringt.

Die für das Gros der Bevölkerungen missliche Lage bietet trotz anders lautender Emotionen keinen Anlass, Finanzjongleure als alleinige Verursacher des Übels zu brandmarken. Ohne Zweifel handelt die Investmentbranche im Bewusstsein, Ungleichheit zu erzwingen. Das ist moralisch verwerflich. Die Tatsache, dass man sie gewähren lässt, ist Sache der Politik. Und die handelt grob fahrlässig. Ihre Verantwortungslosigkeit ist der eigentliche Kern des Übels.

Heute Morgen haben die Bullen an den Börsen weiterhin das Sagen. Aktien- und Ölnotierungen steigen. Die Tonne Gasöl kostet 761,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 89,07 Dollar und in London 91,32 Dollar. Der US-Dolllar wird zu 75,26 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise schafften so gut wie keine Gegenbewegung zum Preisanstieg der letzten Wochen. Einen nennenswerten Rückgang konnte man nicht erwarten. Gar kein Preisrückgang ist dennoch enttäuschend. Derzeit ist kein Ende des Aufwärtstrends beim Öl absehbar. Damit aber nicht genug. Der Dollar vollzieht nicht mal mehr die typische Umkehrung der Ölpreisbewegung. Er wird durch das Geschacher um einzelne drohende Staatspleiten in Europa ungebührlich gestärkt. Aktuell gibt es keine attraktiven Kaufmomente für Heizöl. Diese Momente werden ausschließlich vom Füllgrad im Tank bestimmt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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