Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Technisch ausgereizt

Am Freitag verteuerte sich Öl erneut. Damit sollte die charttechnische Möglichkeit eines Preisanstiegs ausgereizt sein. Von nun an könnte es bergab gehen, wenn da nicht die schlechte Stimmung auf Grund des unsicher gewordenen Nahen Ostens wäre.

Er zog aus, um die Welt sicherer zu machen. Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt. Der Nahe Osten brennt mehr denn je. Er zog aus, um die Ölversorgung für die nächsten Jahrzehnte in den Griff zu bekommen. Aber dort wo er sich einmischte, herrscht Chaos. Vermutlich wäre die Welt ohne George Bush weniger unsicher und Öl billiger. Die Verunsicherung, die er schaffte, sorgt derzeit als dritte Kraft an den Ölmärkten für Preisauftrieb. Die Gefahr einer vorkriegsähnlichen Stimmung mit übertriebenen Reaktionen zu hohen Preisen liegt auf der Hand.

Dabei ist es eigentlich gut um die Ölversorgung bestellt. Russland macht große Fortschritte und hat sich zur Nummer 1 der Förderländer entwickelt. Saudi Arabien bleibt trotz des jüngsten Terroranschlags die stärkste Kraft. Lediglich aus Gründen der Preissteuerung hat sich das Land von Russland auf Platz 2 verdrängen lassen. Mexiko steigert die Produktion und Norwegen arbeitet sehr stabil. Teilausfälle der unsicheren Kantonisten Venezuela, Irak, Nigeria etc. wären verkraftbar.

Der bisher äußerst milde Herbst lässt die Heizölbevorratung besser aussehen als ein Jahr zuvor. Zwar werden im jüngsten Bericht der IEA (Internationale Energie Agentur) Bedarfsprognosen für das 4. Quartal 2003 und das 1. Quartal 2004 nach oben korrigiert. Aber wirklich eng sollte es um die Versorgung nicht werden. Schließlich könnte die OPEC ihre gedrosselten Hähne jederzeit wieder aufdrehen. Die fundamentalen Betrachtungen stellen aktuell die zweite Kraft an den Ölmärkten dar. Und die steht seit einiger Zeit eher für fallende Preise.

Die erste Kraft ist die Charttechnik, weil die für die Preisbewegung dominanten Fonds einen großen Teil ihrer Entscheidungen aus diesem Erkenntnissegment ziehen. Von dieser Seite sollte nun Entspannung einsetzen. Nach unserer Meinung ist der jüngste Aufwärtstrend an seinem Gipfel angekommen. Ob sich die reine Lehre aber gegen die oben zitierte Stimmung durchsetzen kann, muss sich zeigen. Leider sind Zweifel angebracht.

Uns Europäern wird der hohe Ölpreis wenigstens mit einem schwachen Dollar erträglich gemacht. Im Augenblick sieht es in den Charts so aus, als wollten sich die gegenläufigen Trends beim Öl und beim Dollar umkehren. Die Rochade brächte uns natürlich keinen Gewinn.

Der Gasölpreis kletterte am Freitag erneut aufwärts. Heute Morgen zeigt er sich stabil. Die Tonne kostet 270$.

Unsere Heizölpreise legten am Freitag wieder zu. Eigentlich sollten sie das aktuelle Niveau nicht nach oben verlassen, weil die neutralisierende Wirkung von Ölpreis und Dollarkurs anhält. Es besteht aber die Gefahr, dass die Stimmung auf Grund der kriegsähnlichen Zustände im Irak kippt und unerwartete Auftriebskräfte freisetzt. Damit könnte sich ein neuer Aufwärtstrend Bahn brechen.

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