Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Trend scheint unschlagbar

Eine Konsolidierung ist ein Nachgeben der Kurse nach einem zuvor starken Anstieg. Sie bewirkt einen Kursrückgang oder wenigstens eine Seitwärtsbewegung. Davon kann am Ölmarkt keine Rede sein. Die bescheidene Erwartung, dass es mit dem Preisauftrieb nun einmal genug sei, hat sich erneut zerschlagen. Die Jagt auf höhere Preise geht weiter. Sie wird mit Beiläufigem aus den News-Tickern der Agenturen garniert. Atomstreit mit dem Iran, Terror in Nigeria, Konjunkturhoffnungen in den USA. Wesentlich ist, dass die weltweite Nachfrage steigt und das Angebot kaum folgen kann. Noch wesentlicher ist, dass alle großen Teilnehmer am Ölmarkt dicke Gewinne wittern. Mineralölgesellschaften, Banken und Investmentfonds fahren diese Gewinne tatsächlich ein. Und sie sichern diese Gewinne, indem sie ihr Kapital in Wetten auf weiter steigende Preise setzen. Diese Wetten sind relativ risikolos, da die Verknappung der Ressourcen sicher ist. Dass diese Ressourcen knapper werden, ist nicht zuletzt auf die Tatsache zurückzuführen, dass Geld nicht in die Behebung des Mangels gesteckt wird sondern in die Wette, dass der Mangel erhalten bleibt.

Beispielhaft für die Einstellung, mit der sich Mineralölgesellschaften der Thematik stellen, ist eine Zahl von ConocoPhillips. Die Gesellschaft steigerte ihren Quartalsgewinn auf 4,1 Mrd. Dollar. Die Mittel für die Suche nach erneuerbaren Energieträgern hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in den letzten drei Jahren verdoppelt. Sie betragen 150 Mio. Dollar pro Jahr. Das sind 0,9 Prozent vom Gewinn. Der Löwenanteil des Gewinns wird in Aktienrückkäufe und die Ausschüttung von Dividenden gesteckt. Auf mildernde Umstände bei der (belanglosen) Urteilsfindung der Verbraucher können derartige Ölgesellschaften allenfalls mit dem Argument plädieren, dass sie nicht mehr an interessante Lagerstätten herankommen, weil sich diese weltweit zu 90 Prozent in den Händen von Staatsgesellschaften befinden. Um so stärker wiegt aber die Forderung, dass sich derartig gut betuchte Gesellschaften um ein neues Verständnis zum Energieverbrauch kümmern müssen. Wenn es auf der Angebotsseite nicht mehr viel gibt, muss der zukünftige Gewinn logischerweise in intelligenten Lösungen auf der Nachfrageseite liegen. Volkswirtschaftlich ist die Investition in Effizienz mit dem Ziel, allgemeinen Wohlstand zu erhalten, sinnvoller als die Investition in Wetten auf steigende Preise. Bei diesen zweifelhaften Wettinvestments werden die Kunden langfristig auf der Strecke bleiben.

Dass Wohlstand und geringer Verbrauch vereinbar sind, lässt folgende Zahl aus einem ebenfalls unter Knappheit leidenden Terrain, dem Wasserverbrauch, erahnen. Der deutsche Prokopfverbrauch ist in den letzten zwanzig Jahren deutlich gesunken. Im weltweiten Vergleich ist er unterdurchschnittlich. Nun wird niemand behaupten, dass irgendjemand in Deutschland an Wassermangel litte. Der Prokopfverbrauch ist immer noch ca. sechsmal so hoch wie in einem Entwicklungsland. Der Ölverbrauch ist allerdings ca. fünfzehnmal so hoch.

So heil wie die Welt der steigenden Ölpreise derzeit aussieht, muss sie längerfristig nicht bleiben. Gierigen Ölmanagern und Bankern droht durchaus Ungemach. Der chinesische Wirtschaftsaufschwung als Mutter der Preisbewegung ist möglicherweise weniger verlässlich, als er sich gibt. Die Dynamik des Außenhandels lässt nach. Das ist u.a. eine Folge der US-Schwäche. Die Lebensmittelpreise steigen rasant. Gleiches gilt für die Inflation. Sie lag im März mit 8,9 Prozent doppelt so hoch wie von der Regierung als Jahresdurchschnittswert angestrebt. Wenn sich die Tendenz fortsetzt, wird der Binnenmarkt die zugesprochene Auffangfunktion gegen ausbleibende Absatzmöglichkeiten in die USA nicht übernehmen können. Wenn schließlich die chinesische Nachfragesteigerung nach Öl abreißen sollte, wird der Ölpreis einbrechen. Das ist derzeit noch hypothetisch und es sollte hierzulande niemanden davon abhalten, die Hausaufgaben in Sachen Verbrauchsminimierung zu machen.

Nicht hypothetisch ist der aktuelle Ölpreis. Der zeigt sich auch heute Morgen steigerungswillig. Die Tonne Gasöl kostet 1.101,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 120,03 Dollar.

Unsere Heizölpreise ziehen erneut deutlich an. Sie folgen dem Weltmarkt. Vom Dollar kommt wenig Gegendruck. Der Preisanstieg ist in diesem Jahr noch stärker als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Er straft die Prognosen von Banken und Mineralölgesellschaften wie so oft Lügen. Im Augenblick stehen andere Energieträger preislich besser da als Öl. Das dürfte sich in Kürze ändern. Öl macht vor, was andere nachmachen werden. Weil das so ist, lohnt es sich nicht, über die Wahl des Energieträgers zu debattieren. Es lohnt sich nur, den Verbrauch zu senken.

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