Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Trendwechsel

Seitwärtstrend war gestern. Abwärtstrend ist heute. Substanziell hat sich der Markt nicht geändert. Geändert hat sich lediglich die Sicht auf die Preischarts. Je nach Betrachtungszeitraum konnte man bisher einen Seitwärts- oder einen Abwärtstrend identifizieren. Mittlerweile wird die Phantasie bei der Interpretation einer Seitwärtsbewegung überfordert. Das gilt besonders für Gas Oil und Heating Oil. Die Notierungen für diese Produkte sinken. Weniger klar aber ähnlich verhält es sich mit den Rohölpreisen. In allen Fällen gilt allerdings, dass die Tiefstpreise der letzten Dezembertage 2008 noch nicht wieder erreicht sind. Deshalb ist es nicht ratsam, mit der Umfirmierung auf Abwärtstrend große Erwartungen an die Preisentwicklung zu knüpfen. Immerhin wird die entgegen gesetzte Erwartung in diesen Tagen ad acta gelegt. Große Spekulanten waren in den letzten Wochen bullisch eingestellt. Sie rechneten nach dem Tiefpunkt um die Weihnachtszeit mit steigenden Preisen und positionierten sich am Markt entsprechend. Diese Positionen werden nun wieder verlassen. Das Engagement der Großen tendiert gegen neutral.

Die Idee, dass die Preise wieder steigen werden, erscheint durchaus nahe liegend. Denn sowohl die Grenzkosten einiger Ölproduktionen als auch die notwendigen Erlöse vieler ölproduzierender Staaten sind mit den aktuellen Marktpreisen unterschritten. Damit ist eine dauerhaft sichere Produktion von Öl nicht mehr gewährleistet. Die Welt lebt derzeit von der Substanz der Infrastruktur. Seit vielen Jahren lebt sie zudem auf Kosten der Substanz ihrer Energievorräte. Das war der Grund, warum die Preise zuvor so unverschämt in die Höhe schossen. Dieser Sichtweise folgend, wäre ein schneller Anstieg der Ölpreise also logisch. Der Chef der IEA (Internationale Energie Agentur), Nobuo Tanaka, der am Gipfel der Hochpreisphase unermüdlich für den schnellen Ausbau der Ölförderung plädierte, der Verbraucher aber auch zu mehr Effizienz und zu einer Abkehr des übertriebenen Ölkonsums aufforderte, sieht das Problem der unzureichenden Versorgung im kommenden Jahr auf uns zurollen.

Ein veritables Problem wird die Ölversorgung im kommenden Jahr aber nur haben, wenn die Konjunktur die Grundlage dazu legt, das heißt, wenn sie in wenigen Monaten wieder anspringt. Man darf darüber spekulieren, ob das möglich ist. Sollte die Wirtschaft lediglich einem finanztechnischen Problem zum Opfer gefallen sein, wäre es möglich. Der Konjunktur drohte dann allerdings erneut Ungemach, weil das Öl in der Tat absehbar knapp werden würde. Sollte der konjunkturelle Niedergang allerdings auf ein vorausgegangenes Überschreiten der Grenzen des Wachstums zurückzuführen sein, wird die Ölversorgung in den kommenden Jahren kein Problem darstellen. In diesem Fall, für den Einiges spricht, wird die Menschheit viele Jahre bei sinkender Nachfrage von der Substanz leben können. Der kritische Moment des zu knappen Öls würde weit in der Zukunft liegen. Er müsste uns heute nicht beschäftigen. Ganz andere Probleme stünden auf der Agenda.

Es gibt einige Indizien, die für ein Überschreiten der Wachstumsgrenzen sprechen. Sie zeigen sich in der Veränderung der Umwelt, in einem viel zu hohen Pro-Kopf-Verbrauch von nicht erneuerbarer Energie in den reichen Ländern, in einer unreflektierten Übernahme unserer energieraubenden Lebensgewohnheiten durch die Schwellenländer, in der Bevölkerungsexplosion und in Vielem mehr. Die globale Überschreitung von Grenzen ist mit der individuellen Grenzüberschreitung im Bild einer Party vergleichbar. Nach ausuferndem Abfeiern mit zum Schluss übertriebenem Alkoholkonsum muss ein Mensch den Rausch ausschlafen, damit er seine vitalen Fähigkeiten wiedererlangt. Vom Abfeiern ist global sowohl hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs als auch in einer Lebensweise mit zügellosen Krediten und einer wundersamen Geldvermehrung die Rede. Nun nimmt sich die Weltwirtschaft ihre dringend benötigte Rekonvaleszenzphase. Sollte danach wieder Party angesagt sein, wäre der nächste Rausch mit folgendem Kater vorhersehbar. Wenn dies Bild nur ansatzweise der Weltwirklichkeit entspricht, ist jeder Versuch, auf die Party zurückzukehren und erneut Abzufeiern, das heißt, die Grenzüberschreitung erneut anzustreben, absurd.

Hinsichtlich der Verfügbarkeit von Öl müssen wir uns während der Rekonvaleszenzphase der Weltwirtschaft übrigens keine Sorgen machen, soweit diese die Vorkommen selbst betrifft. Die bekannten Reserven sind im letzten Jahr leicht gestiegen. Sie reichen bei unverändertem Verbrauch für rund 50 Jahre. Die Sorge gilt eher dem Unstand, ob wir uns das Erschließen und Fördern des in der Erde lagernden Öls leisten können. Sollten die Grenzen des Wachstums respektiert werden, wären die Sorgen vor einem Ende des Öls ohnehin überflüssig. Wir würden immer so viel verbrauchen, wie zur Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts nötig wäre.

Die hinreichende Verfügbarkeit und die schwindende Ölnachfrage in dieser Phase, in der der Wirtschaftsrausch ausgeschlafen wird, drücken auf den Ölpreis. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 391 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 36,76 Dollar. Lediglich die US-Währung befindet sich im Hype. Man kauft sie gern. Sie ist das Aspirin am Ende der Party. Damit betäubt man den Schmerz. Einen Kollaps verhindert man so nicht. Aber der muss ja nicht unbedingt kommen.

Unsere Heizölpreise nähern sich im Schneckentempo den Dezembertiefständen. Alles spricht dafür, dass sie sie erreichen und danach sogar weiter fallen. All zu große Erwartungen an einen Rückgang haben wir derzeit noch nicht. Aber wer weiß, wohin die Konjunktur in diesem Jahr fällt. Ihr Durchfall hätte mit Sicherheit Rückwirkungen auf den Heizölpreis. Derart provozierter Preisverfall würde vielen Verbrauchern wahrscheinlich nicht gefallen. Insofern dürfen die Preise jetzt geschätzt werden.

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