Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Trotz Rekordvorräten

Die Wirtschaft läuft schlecht. Der Ölbedarf sinkt. Den Banken geht es besser. Der Ölpreis steigt. Die Beschwörungen, aus der Krise gelernt zu haben, drohen eine Luftnummer zu werden. Zu den Überlebenden der letzten 12 Monate zählt mit Sicherheit der Glaube, aus Geld mehr Wohlstand zu erzielen als aus realer Wirtschaftsleistung. Der Hang zur Spekulation lebt ungebrochen fort. Das zeigt sich aktuell am Aktienmarkt und das zeigt sich am Ölmarkt. Trotz dramatisch fallender Verbrauchsprognosen stieg der Ölpreis seit seinem Tief im Dezember um 46 Prozent. Es handelt sich um den Zeitraum, in dem einige Banken hervorragende Geschäfte machten. Ironie der Geschichte ist es, dass Regierungen sich um einen erneuten Anstieg der Ölpreise sorgen, diesen aber durch ihre milliardenschweren Rettungspakete für die Banken provozieren.

Wie ernst die Bedrohung der Ölpreise durch spekulatives Kapital ist, zeigt eine Untersuchung der Deutschen Bank, die 1000 Hedgefonds galt. Diese repräsentieren gut ein Drittel des gesamten Kapitals, das von solchen Fonds verwaltet wird. Den Untersuchten stehen derzeit knapp 300 Mrd. Dollar an liquiden Mitteln zur Verfügung. Diese sollen nach dem Willen der Fondsmanager in den kommenden sechs Monaten angelegt werden. Warenterminmärkte, zu denen der Ölmarkt zählt, gelten dabei als zweitbeste Anlageadresse. Sollte es tatsächlich zu einem wachsenden Engagement im Ölmarkt kommen, wäre ein Ölpreisanstieg unvermeidbar. Die Krise hat offensichtlich nichts an der Tatsache geändert, dass tendenziell mehr Kapital zur Spekulation als zur Investition in Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung steht. Damit droht ein Jojoeffekt, der die Wirtschaft am langen Ende noch tiefer stürzen lässt als bisher absehbar ist. Und absehbar ist, wie einige Wirtschaftsinstitute mitteilen, nur noch herzlich wenig. Die Lage ist außerordentlich.

Der gestrige Handelstag lieferte eine Demonstration für die Realität der skizzierten Sorgen. Die Daten über die US-Vorräte fielen außerordentlich gut aus. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) nannten ähnlich lautende Zahlen für die Zunahme der Bestände. Es ist fast 20 Jahre her, dass diese auf einem derart hohen Niveau waren. Man ist geneigt gute Zeiten für Verbraucher und schlechte Zeiten für Hochpreisspekulanten zu diagnostizieren. Aber die Diagnose ist nicht zutreffend. Die Preise fielen nicht. Sie legten bis zum Handelsschluss zu. Die Vorratsdaten lauten wie folgt:

Rohöl: +5,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,5 (DOE) bzw. 6,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist weiter gesunken. Sie beträgt nur noch 80 Prozent. Der Wert ist miserabel aber ausreichend, um den Bedarf zu decken.

Analysten nannten ein Überspringen der positiven Stimmung an den Aktienmärkten als ursächlich für die anziehenden Ölpreise. Das mag sein. Fakt ist aber, dass ein bullischer Grundton angesichts der Wirtschaftsaussichten weder am Aktien- noch am Ölmarkt angebracht wäre. Die Tatsache, dass dieser existiert, ist einzig auf Massen spekulativen Kapitals zurückzuführen, dass auf Biegen und Brechen angelegt werden will.

Heute Morgen halten sich die Preise auf relativ hohem Niveau. Ob der bullische Tenor der letzten Wochen tatsächlich erhalten bleibt, ist noch nicht erkennbar. Die Tonne Gasöl kostet 449,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 49,80 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,84 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Der Weltmarkt zwingt sie dazu. Trotz oder gerade wegen der widersprüchlichen Signale, die der Markt aussendet, halten wir einsteilen an der Prognose fest, dass sich die Preise seitwärts bewegen. Und trotz der Gefahr spekulationsgetriebener Preissteigerungen sagen wir noch keine neuen Preisspitzen vorher. Das Gegenteil, nämlich neue Tiefpreise, sind in naher Zukunft allerdings ebenso wenig vorstellbar. Wer Heizöl benötigt, sollte nicht zögern zu kaufen. Es lohnt sich nicht, das Risiko eines Leerstands einzugehen. Hier noch der übliche Hinweis auf die Notwendigkeit zum Energiesparen. Wir unterstützen es mit unserem kostenlosen Analysetool www.esytrol.com.

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