Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Trotz Terrorangst

Es war kein Tag für schwache Nerven. Die Bombe in Istanbul schickte ihre Schockwellen bis in die Handelssäle rund um den Globus. Zeitweise stieg der Ölpreis kerzengerade aufwärts. Der Fehlalarm im Weißen Haus half ihm dabei. Doch bis zum Handelsschluss entwickelte schließlich ein Kurs, der den ersehnten Abwärtsgang für Öl erahnen lässt.

Ein Selbstläufer ist der fällige Preisrückgang freilich nicht. Zu tief sitzt momentan die Verunsicherung durch die Terrorwelle. Zwar sprechen sowohl die fundamentalen Umstände als auch die Charttechnik für den Weg nach unten. Aber die Emotionen, die der Terror hervorruft, können den Märkten durchaus Impulse geben, die denen vor dem Irakkrieg nahe kommen. Die Preise können dabei fast unkontrollierbar ansteigen.

Dass Öl bei nüchterner Betrachtung der Lage zu teuer ist, wird u.a. deutlich, wenn man den Preis vom 24. September, dem Tag der OPEC-Entscheidung über die Lieferkürzung, mit dem heutigen Preis vergleicht. Aktuell liegt er weit mehr als 10% über dem Septemberwert. Die Ölvorräte in den Lagern sind aber seither angestiegen.

Zu den hinlänglich bekannten fundamentalen Gründen für einen Preisrückgang, das Wetter, die Vorräte, die Importe, etc. gesellt sich ein weiterer Aspekt. Für das notorische Sorgenkind Venezuela verkündigt der Ölminister einen deutlich erhöhten Ausstoß. Erlaubt sind dem Land laut OPEC-Quote 2,8 Mio. Barrel pro Tag. Geschafft hat man auf Grund großer Probleme mit Volk und Technik nur 2,6 Mio. Barrel pro Tag. Doch nun sei alles wieder gerichtet und Venezuela soll die Welt nach den Worten von Ramirez mit 3,2 Mio. Barrel täglich beglücken. Die Überziehung der Quote nimmt man sich heraus, weil in den Monaten zuvor unter den Quoten produziert wurde.

Aber damit nicht genug, Venezuela wird gewaltige Summen in die Ölförderung investieren. Angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landes könnte diese Aussage nur eine Ente sein, wenn es nicht die Ölgesellschaft Total gäbe. Die erklärt nämlich Venezuela für ein weitaus interessanteres Land als Russland als Investitionsziel. Während von den Vorkommen in Russland keine positiven Überraschungen mehr zu erwarten sind, sieht die Total in Venezuela gewaltige Möglichkeiten unter der Erde. Zusammen mit den Schwerölvorkommen, die im Boden schlummern, könnten die Reserven sogar diejenigen in Saudi Arabien übersteigen. So könnte sich das Land vom Saulus zum Paulus des Öls wenden.

Aber das ist Zukunftsmusik. Aktuell wird Angst gehandelt. Und das tut der Preisentwicklung nicht gut. Allerdings könnte sich für uns Europäer daraus unter bestimmten Umständen ein kleiner Vorteil ergeben. Wenn der Ölpreis nämlich die überfällige Abwärtsrichtung nähme und der Dollar die ebenfalls fällige Aufwärtsbewegung auf Grund der Unsicherheit in die Weltlage ausließe, fiele der ganze Ölpreisabschlag zu unseren Gunsten aus. Das ist eine Möglichkeit, die wir bisher nicht ins Auge gefasst hatten.

Heute Morgen gibt der Gasölpreis nach, nachdem er bereits gestern Federn ließ. Die Tonne kostet aktuell 269,25$.

Unsere Heizölpreise üben den Rückwärtsgang. Die Terrorwelle könnte diese Übung schnell beenden. Ohne sie sollte der Weg ziemlich sicher abwärts führen. Der weitere Verlauf wird also zu einer Stimmungsfrage. Wer Spaß am spekulativen Kauf findet, sollte jetzt eng am Ball bleiben.

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