Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Trotz guter US-Bestandsdaten

Der Markt ist bullisch. Gegen diese Grundeinstellung halfen gestern keine positiven US-Bestandsdaten. Statt dessen werden Rebellenaktionen in Nigeria, die zunächst ohne Einfluss auf die Versorgung bleiben, als Grund für steigende Notierungen genannt. Mittlerweile befinden sich alle Ölpapiere im Aufwärtstrend. Für Rohöl verlaufen die Trends sehr steil. Mit Ausnahme des in New York gehandelten Texasöls haben alle Werte die Vorjahrespreise überschritten. Der Dollar konnte sich dank guter US-Konjunkturdaten von seiner kürzlich erreichten Tiefe etwas erholen.

Bullische Einflüsse werden den Unruhen in Nigeria, dem Atomstreit mit dem Iran, der US-Raffinerieschwäche sowie den Sorgen vor schweren Hurrikanen im Golf von Mexiko zugeschrieben. Diese Einflüsse sind Dauerbrenner in der Börsendiskussion. Eine neue Qualität bei einem der Einflussfaktoren wurde nicht verzeichnet. Insofern ist die angebotene Begründung für den gestrigen Preisanstieg wenig stichhaltig. Dass der Markt aktuell schwer bullisch ist, wird stillere Motive haben als die Gewehrsalven einiger Rebellen. Nahe liegend ist das robuste Wirtschaftswachstum, das vor allen Dingen in der zweiten Jahreshälfte neue Spitzenwerte der globalen Nachfrage hervorbringen wird. Die IEA (Internationale Energie Agentur) warnt bereits vor möglichen Engpässen.

Die Nachfrage wird nicht sprunghaft steigen. Sie wird allenfalls in der Nachkommastelle nach oben korrigiert. Somit fehlt auch hier die neue Qualität der Lage. Entgegen den aktuellen Kommentaren der großen Ölgesellschaften zeigt die Entdeckung neuer Ölquellen trotz milliardenschwerer Investitionen nur unzureichende Resultate. D.h., dass der kalkulierbaren Nachfragesteigerung eine ebenfalls kalkulierbare Reservemenge noch im Boden befindlichen Öls gegenüber steht. Die Entwicklung dieser Relation befriedigt momentan keineswegs. Sie stagniert. Und das stärkt all jene Kritiker, die eine maximal mögliche Förderung greifbar nahe sehen. Sie liefert den Bullen die stillen aber starken Argumente.

Das prognostizierte Nachfragewachstum wird bis 2025 zu einem Plus von mindestens 35 Prozent führen. Es werden deutlich über 110 Mio. Barrel Rohöl pro Tag benötigt. Seriöse Fachleute sehen das erreichbare Fördermaximum bei ca. 95 Mio. Barrel pro Tag. Hier tut sich eine Lücke auf, die von der Angebotsseite nicht zu decken ist. Die Stellschraube kann nur auf der Nachfrageseite bewegt werden. Solange die Nachfrageseite diese Stellschraube nicht ausreichend wahrnimmt, haben die Bullen im Markt leichtes Spiel. Die Preise werden steigen. Insofern kann die vermeintlich harte Haltung der Kanzlerin beim Energiegipfel am letzten Dienstag gar nicht hoch genug gelobt werden. Die Forderung von mindestens drei Prozent jährlicher Effizienzsteigerung stellt nicht, wie die Energiebosse Glauben machen wollen, eine Gefahr für die zukünftigen Energiepreise dar. Sie ist die einzige Chance, ein unaufhaltsames Ansteigen der Preise zu verhindern.

Die so unbedeutenden Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur Vorratslage in den USA lauten übrigens wie folgt:

Rohöl: +3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. 0,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 6,1 (DOE) bzw. 2,9 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist erneut um ein Prozent auf 90 Prozent gestiegen. Das ist nach wie vor schwach. Es ist aber dennoch eine positive Veränderung, die einen Preisrückgang als Reaktion verdient hätte. Eine solche Reaktion hätte auch die Tatsache verdient, dass sich die Gesamtvorräte wieder den Spitzenwerten der letzten fünf Jahre nähern.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis am oberen Ende der gestern erreichten Notierungen. Die Tonne kostet 636,25 $. Es wäre Zeit für eine Gegenreaktion ohne dadurch den mittelfristigen Trend in Frage zu stellen. Der wird vermutlich in den kommenden Wochen bullisch bleiben.

Unsere Heizölpreise steigen im Mittel erneut leicht. Im Süden, wo sie zuletzt weit unter der normalen Relation zum Weltmarkt standen, steigen sie deutlich. Angesichts der bullischen Entwicklung am globalen Markt rechnen wir in den kommenden Wochen mit steigenden Heizölpreisen. Wenn die Nachfrage anzieht, kommt als zusätzlicher Effekt hinzu, dass der Handel die bisher verlorenen Margen zurückholen muss.

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