Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


US-Bestände fallen. Preise auch.

Die Ölvorräte in den USA sind in der vergangenen Woche kräftig gesunken. Diese Meldung sollte den Aufwärtstrend der Preise weiter festigen. Sie tut es aber nicht. Die Preise geben deutlich nach. Die Diskrepanz zwischen fundamentalem Impuls und realer Kursbewegung zeigt einmal mehr, wie sehr sich die aktuelle Preisbildung vom klassischen Marktprinzip für Waren entfernt hat. Preis bestimmend ist das Verhalten von Investmenthändlern und Spekulanten. Sie haben momentan zwei Gründe, sich aus ihren Longpositionen auf Öl zu verabschieden. Zum einen werden die Rohstoff- und Aktienmärkte von einer Welle der Unsicherheit ergriffen, in deren Zentrum das US-Wirtschaftssystem steht. Werner Sinn, Leiter des ifo-Instituts, hat die Lage treffend mit den Worten beschrieben, „die Party ist vorbei“. Zum anderen suchen Spekulanten vor dem langen Osterwochenende wegen der Marktverwerfungen einen sicheren Hafen für ihr Geld. Und der ist derzeit nicht im Markt sondern auf dem Verrechnungskonto. Wie groß die Verunsicherung ist, zeigt sich nicht nur in der ungewöhnlichen Ölpreisentwicklung sondern auch am Goldpreis. Das Edelmetall gilt in unsicheren Zeiten als sicherste Burg gegen Wertverfall. Aber selbst das trifft in diesen Tagen nicht mehr zu. Der Goldpreis gibt auch nach. Erstaunlicherweise steigt dagegen die Zentralwährung der Unsicherheit, der Dollar. Mehr als eine kurze Gegenbewegung zum Abwärtstrend traut ihm aber niemand zu.

Ganz frei von fundamentalen Überlegungen ist der Ölpreisrückgang schließlich doch nicht. Mit dem Fall der US-Wirtschaft ist die Meinung verbunden, dass die Ölnachfrage rückläufig sein wird. Auf die USA bezogen ist das eventuell sogar zutreffend. Da es ohnehin die Bestrebung gibt, den Verbrauch zu senken, bleibt allerdings offen, ob es sich um eine gegebenenfalls relevante Veränderung der Nachfragesituation handeln könnte. Für die Entwicklung der weltweiten Nachfrage wird der Einfluss der USA begrenzt bleiben. Trotz der Tatsache, dass hier über 25 Prozent des Ölverbrauchs entschieden wird, muss die Veränderungsfähigkeit für die Welt als gering im Vergleich zu den Wachstumszentren China und Indien angesehen werden. Der gegenüber den alten Industrieländern größere Teil der Menschheit strebt danach, es uns wirtschaftlich gleich zu tun. Das kann nach heutigem Kenntnisstand nur unter massiver Nutzung fossiler Energie gelingen. Öl, Gas und Kohle werden in gewaltigen Mengen benötigt. Dieser Umstand wird die Nachfrage hoch halten.

Dem gegenüber stehen immer größere Probleme, eben diese Nachfrage durch die existierenden Ressourcen zu befriedigen. Heute kann man die Probleme lösen. Das geschieht vor allen Dingen mit einem beeindruckend weit entwickelten technischen Know How zur Ausbeutung der Lagerstätten. Öl und Gas zu fördern, ist mittlerweile ein Hightech-Unterfangen geworden. Das kostet seinen Preis. Der steigt Jahr für Jahr, weil die Quellen immer mehr Hightech verlangen. Und trotz der Tatsache, dass die Menschen die notwendige Intelligenz zur Steigerung von Ingenieurleistungen aufbringen, steht die langfristige Befriedigung der Nachfrage in Zweifel. Das Angebot der Erde ist endlich. Und die Endlichkeit ist mittlerweile greifbar. An dieser Stelle münden fundamentale und spekulative Überlegungen in einer gemeinsamen Preislinie. Langfristig zeigt sie aufwärts.

Dass sie kurzfristig abwärts weist, geht im Bezug auf die aktuelle Versorgungslage auch in Ordnung. Denn die ist vollkommen befriedigend. Die oben genannte Diskrepanz zwischen fundamentaler und spekulativer Sicht bezieht sich explizit auf die gestern veröffentlichten Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die US-Vorräte. Sie zeigen auf Wochenbasis einen kräftigen Verfall. In Zahlen sieht der wie folgt aus:

Rohöl: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 6,2 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,1 (API) Mio. Barrel. Der Widerspruch der Zahlen ist wie in der Vorwoche groß. Die Importe sind geringer als vor einer Woche und vor einem Jahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist abermals gesunken auf nun 83 Prozent. Der schwache langfristige Abwärtstrend der Verfügbarkeit wird damit bestätigt. Diese Tatsache ist ein immer währender bullischer Faktor, der kaum noch Beachtung findet.

Die langfristige Darstellung der Bestandsführung hat sich durch die neuen Daten verschlechtert. Sie ist aber weiterhin befriedigend.

Heute Morgen halten die Preise ihr gestern erreichtes tieferes Niveau. Die Tonnen Gasöl kostet 949,00 $.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Die Richtung gewinnt an Substanz. Einen verlässlichen Abwärtstrend wagen wir allerdings nicht anzukündigen. Dazu ist der langfristige spekulative Drang in die neue „Weltwährung“ zu groß. Als solche muss man Öl als wichtigstes Produkt der Weltwirtschaft mehr und mehr verstehen. Dennoch bieten sich immer wieder attraktive Kaufgelegenheiten. Wer über diese gut informiert bleiben möchte, aber esyoil nicht täglich besuchen will, sollte sich unseres kostenlosen Emaildienstes „Preisaktion“ bedienen.

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