Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


US-Bestand sinkt

Die Preisentwicklung ist tiefer gelegt. Nichts kann die verbraucherfreundliche Stimmung zum Jahresende trüben. Selbst drastisch gesunkene US-Rohölbestände gehen ohne Reaktion der Börse durch. Gleiches war in den letzten Tagen bereits im Zusammenhang mit den neuen politischen Turbulenzen um das iranische Atomprogramm zu beobachten. Der Dollar gibt moderat nach. Die Bewegung wurde nach guten Daten über den US-Häusermarkt und dadurch aufgewerteten Dollar erwartet. Der Euroraum hat bessere Konjunkturdaten zu bieten. Das stärkt die Gemeinschaftswährung.

Als Grund für die bärische Stimmungslage werden die milden Temperaturen in den USA genannt. Die Heizölverkäufe seien bis zu 30 Prozent zurückgegangen. In den Bestandsdaten schlagen sich die schwachen Verkäufe allerdings wenig eindrucksvoll nieder. Aktuell beobachten wir lediglich einen Stopp der über Monate aufgelaufenen Verluste. Dennoch, die Börse goutiert den Stopp in einer vom Wetter bestimmten Periode außerordentlich deutlich.

Mit klarer Ignoranz wurde gestern der von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gemeldete Rohölabbau aufgenommen. Nach den jüngsten Verlusten befindet sich die Bevorratung nicht mehr im Plus gegenüber dem Vorjahr. Dass die Börse dennoch bärisch gestimmt ist, mag u.a. an der nach wie vor guten Vorratslage im Dreijahresvergleich liegen. Bei langfristiger Betrachtung ergibt sich ein allenfalls durchschnittliches Bild der aktuellen US-Bevorratung. Die Bestandsdaten i.E.:

Rohöl: -8,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,6 (DOE) bzw. ein Aufbau von 1,9 (API) Mio. Barrel. Widersprüche in den Meldungen sind durchaus üblich. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Bei Rohöl sind sie erneut besonders schwach. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt 90 Prozent. Der Wert ist gerade noch auskömmlich.

Der gelassene Umgang mit den Rohöldaten hat weitere Ursachen. So wird die Versorgungslage trotz der Gefahren, die aus den Sanktionen gegen den Iran auf Grund des Atomprogramms folgen, eher positiv beurteilt. Teheran kann sich keinen Boykott von Öllieferungen leisten. Das Land verdient jetzt bereits zu wenig Geld mit Öl. Das schlägt auf die Stimmung beim Volk. Der politisch knallharte Präsident Ahmadinedschad kassierte bereits eine Wahlniederlage für nicht eingehaltene Wohlfahrtsversprechen.

Was heute bärisch gesehen wird, kann morgen bereits für bullische Stimmung sorgen. Denn der Iran wird als Lieferant immer schwächer. Das ist politisch ungewollt. Es ist eine Folge zu geringer Investitionen in die Ölinfrastruktur. Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, würde in fünf Jahren weniger als die Hälfte der heutigen Menge produziert. Und die liegt bereits unter der OPEC-Quote. Diese beträgt 4 Mio. Barrel pro Tag. Produziert werden 3,7 Mio. Barrel. Gegensteuern ließe sich nur über eine Öffnung des Landes für Auslandsinvestitionen ins Ölgeschäft.

Der Preistrend war zuletzt leicht bullisch. Er dreht aktuell ins Bärische. Ein länger anhaltender Abwärtstrend ist allerdings wenig wahrscheinlich. Die momentan gute Rohölversorgung bietet auf längere Sicht zu viele Unsicherheiten. Viele Versorgerländer sind politisch instabil. Die Wahrscheinlichkeit für weitere Ausfälle ist hoch.

Heute Morgen steht der Gasölpreis recht gut da. Die Tonne kostet 517 $. Das ist etwas weniger als gestern Früh und im Jahresvergleich fast ganz unten.

Unsere Heizölpreise bleiben trotz MwSt.-Erhöhung in der Nähe der Jahrestiefststände. Die Entwicklung verläuft erneut besser als erwartet. Daraus leitet sich fast eine Gewohnheitsprognose ab. Angesichts der Gefahren, die es für die Versorgung gibt, bleiben wir aber skeptisch bezüglich weiterer, deutlich spürbarer Preisrückgänge. Das aktuelle Preisniveau erachten wir als niedrig. Möge es im Neuen Jahre lange halten.

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