Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


US-Bestandsdaten enttäuschen

Die Wahrscheinlichkeit für einen Aufwärtstrend der Ölpreise steigt. Einige fundamentale Erkenntnisse unterstützen die im wesentlichen charttechnisch begründete Entwicklung. Hierzu zählen u.a. ein wachsender Rohölbedarf und eine aktuell unbefriedigende Veränderung der US-Bestände. Der Dollar stieg in den letzten Tagen steil an. Gestern hat er die Richtung der als übertrieben einzustufenden Bewegung gewechselt.

Die Versorgung ist auskömmlich. An dieser Tatsache gibt es keinen Zweifel. Mit Blick auf den wachsenden weltweiten Bedarf fordert die IEA (Internationale Energie Agentur) allerdings eine Steigerung der OPEC-Mengen. Das Kartell winkt mit der Begründung gut gefüllter Rohöllager ab. Zu einem Beschluss in dieser Sache wird es erst im September kommen.

Die gestern erschienen US-Bestandsdaten stellen die Auskömmlichkeit der Versorgung in keiner Weise in Zweifel. Der erwartete bärische Preiseinfluss der Daten blieb aber aus. Die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) enttäuschten. Sie unterstützen die durch die OPEC-Replik ausgelöste bullische Tendenz. Die Bestände veränderten sich zur Vorwoche wie folgt:

Rohöl: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,4 (DOE) bzw. ein Abbau von 4,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit fällt erneut auf 89 Prozent. Dieser Wert ist als weiterer bullischer Faktor anzusehen. Man erhoffte sich nach dem Abschluss vieler geplanter Revisionen einen Anstieg der Verfügbarkeit. Angesichts überalterter Technik überrascht es nicht, dass dieser nicht eintritt.

Trotz der zuletzt mehrfach schlechteren API-Zahlen schätzt das Institut die Gesamtbestände um 1,4 Prozent höher ein als das DOE. Gegenüber dem Vorjahr sind die Lager um 2,8 Prozent geringer gefüllt. Vor fünf Jahren waren sie annähernd gleich voll. Der einzige Wert, der den langjährigen Durchschnitt unterschreitet, ist Benzin. Dennoch hat das Produkt die über Monate anhaltende bullische Kraft verloren. Die schlechten Zahlen sorgten zwar für einen Anstieg der Benzinkurse. Am mittlerweile eingetretenen Abwärtstrend konnten sie aber nicht rütteln.

Die bullischen Preistendenzen gehen inzwischen von Heizöl und Rohöl aus. Für die Rohölpreise ist die Zurückhaltung der OPEC bei der Aufstockung der Liefermengen und der Atomstreit mit dem Iran besonders relevant. Die aktuelle Preisbewegung passt bei kurzfristiger Darstellung zwar noch in einen seitwärtsgerichteten Trendkanal. Eine auf einem längeren Zeitraum von beispielsweise drei Monaten fußende Analyse zeigt aber einen schwachen bullischen Charakter. Dieser, so die Befürchtung, wird in den kommenden Wochen ausgebaut.

Heute Morgen halten sich die Gasölpreise auf dem gestern erreichten Niveau von 608,50 $ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise befinden sich an der Oberkante eines seitwärts gerichteten Preisbands. Dort wurden sie sowohl durch die jüngste Entwicklung am internationalen Öl- als auch am Devisenmarkt hingetrieben. Wenn die Inlandspreise wegen der extrem schwachen Binnennachfrage weniger stark unter Margenverlust stünden, hätten sie das Seitwärtsband bereits nach oben überschritten. Das Minus der Binnennachfrage für die ersten fünf Monate des Jahres beträgt nach den neusten Zahlen des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) „lediglich“ 44 Prozent. Die uns vorliegende Schätzung von 55 Prozent (am 12.06. veröffentlicht) war zu hoch.

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