Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


US-Bestandsdaten halten Preise im Aufwärtstrend

Nach dem kräftigen Preisverfall vom Vortag zogen die Notierungen gestern wieder an. Damit bestätigten sie zunächst den Aufwärtstrend. Der erneute Rückgang der US-Vorräte wird als ursächlich für die Reaktion angegeben. Die Stimmung an den Börsen ist nach der chinesischen Bremsmaßnahme auf die Konjunktur weniger bullisch als die gestrige Preisbewegung dies ausdrückt. Der Dollar schloss den Handelstag nahe zu unverändert. Allen Greenspans negativer Einstellung zur US-Wirtschaft trat sein Nachfolger Ben Bernanke mit einer deutlich positiveren Sicht entgegen. Damit stützt er seine Währung.Nachdem der Ölmarkt wochenlang unter äußerst schwachen Einflüssen stand und man nur noch über das Wetter sprach, sind in kurzer Folge drei starke Preis bewegende Aspekte aufgetreten. Wie sie ihre Wirkung entfalten, ist noch ungewiss. Bullisch mit erheblicher Gefahr zu heftigen Preisspitzen wirkt der Atomstreit mit dem Iran, der wieder in eine heiße Phase geraten ist. Die Bereitschaft zur militärischen Auseinandersetzung ist in Teheran und Washington groß. Sollten dieser Bereitschaft Taten folgen, würde die Welt neue Höchstpreise sehen. Der Zeitpunkt, zu dem China seine Bemühungen um eine Abkühlung des Wirtschaftswachstums lanciert, könnte besser nicht sein, um die Preisentwicklung im Zaum zu halten. Der dritte Aspekt ist weniger publikumswirksam und doch wirksam für die Preisentwicklung. Die US-Raffinerien befinden sich in einem schlechten Zustand. Die Eigenversorgungsfähigkeit des größten Benzinverbrauchers der Erde ist erbärmlich. Er hängt an den Raffinerien der Welt. Daran wird sich kurz- und mittelfristig nichts ändern. Dieser Umstand ruft an der New Yorker Börse immer wieder die Bullen auf den Plan. Momentan herrscht Knappheit am physischen Benzinmarkt. Diese Tatsache gab den Preisen gestern zusätzlichen Auftrieb.Ausdruck findet die Raffineriesituation in den US-Bestandsdaten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) meldeten in befriedigender Übereinstimmung erneut Abgänge. Diese betreffen seit geraumer Zeit hauptsächlich die Produkte. Rohöl konnte hingegen zulegen.Rohöl: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)Heizöl und Diesel: -3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,5 Mio. Barrel (API)Benzin: -1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,3 (DOE) bzw. 2,3 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als vor einer Woche und vor einem Jahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist unwesentlich besser geworden. Sie beträgt schwache 86 Prozent. Der Wert ist ein klares bullisches Argument.Trotz des insgesamt milderen Winters als im vergangenen Jahr litt der Heizölvorrat erheblich. Er ist geringer als vor 12 Monaten. Auch die Rohöl- und der Gesamtbestände sind tiefer als im Vorjahr. Die Situation ist allerdings unbedenklich. Bemerkenswert ist nur, mit welcher Unbeweglichkeit das Mutterland des Öls den vor über 30 Jahren eingetretenen Verlust der Eigenversorgungsfähigkeit mit Rohöl aufnimmt. Und dass der wachsende Verlust beim Hauptprodukt Benzin auch zugelassen wird. In Westeuropa sieht die Lage im wachsenden Dieselmarkt allerdings nicht besser aus. Hier wächst die Abhängigkeit von Russland und anderen Lieferanten ebenfalls weiter.Untergeordnet für die Preisentwicklung ist mittlerweile das Wetter. Es ist immer noch kalt in den US-Heizölregionen. Es soll, so heißt es seit sechs Wochen, in Kürze wärmer werden. Gemeint ist wahrscheinlich die Aussicht auf Frühling. Die OPEC ist ebenfalls aus den Schlagzeilen geraten. Sie hat die beschlossenen Mengenkürzungen mit dürftigem Erfolg umgesetzt. Gut die Hälfte des Beschlusses sei realisiert. Das interessiert in der gegenwärtigen Marktlage niemanden mehr.Heute Morgen hält der Gasölpreis das gestern erreichte Niveau. Man rechnet mit Preisdruck. Noch ist davon nichts zu spüren. Die Tonne kostet 539,50 $.Unsere Heizölpreise zogen gestern erneut an. Die zuvor eindeutig bullische Erwartung an die Preisentwicklung reduzieren wir trotzdem. Auf Grund der gegensätzlichen Einflüsse sehen wir die Bewegung zu allen Seiten offen. Die Nachfrage im Binnenmarkt ist extrem schwach. Das wird sich wegen des milden Winters lange nicht ändern. Die Margen des Handels sind niedergeschlagen. Das nützt den Verbrauchern wenig, wie man an der jüngsten Preisentwicklung sehen kann. Die wird vom Weltmarkt dominiert.

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