Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


US-Bestandsdaten nicht überzeugend

Gestern wurde eine Gegenreaktion auf den deutlichen Preisverfall der letzten Tage vollzogen. Sie verlief so schnell, dass deutsche Heizölverbraucher kaum Notiz davon nehmen können. Am Ende setzte sich der kurzfristige Abwärtstrend nämlich fort. Der Dollar hält sich auf seinem unerwartet hohen Niveau. Der starke Anstieg in der letzten Woche wird konsolidiert.

Grund für die Gegenreaktion, die den Ölpreis um fast 4 % über das aktuelle Niveau hievte, waren die US-Bestandsdaten. Insgesamt sind sie positiv. Der Heizölbestand lässt aber zu wünschen übrig. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben folgende Werte zu Protokoll:

Rohöl: +4,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,6 (DOE) bzw. 6,0 (API) Mio. Barrel. Die Importzahlen sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit verbessert sich langsam. Mit 85 % liegt sie aber immer noch deutlich unter dem Vorjahreswert. Die Hurrikanschäden an Raffinerien waren in diesem Jahr größer als in der letzten Saison. Damals hinterließ nur Hurrikan Ivan erhebliche Spuren.

Die aktuellen US-Bestände sind im Vergleich der letzten Jahr unterschiedlich zu werten. Der Rohölvorrat ist hoch bis spitze. Der Gesamtvorrat ist deutlich überdurchschnittlich. Der Heizölvorrat ist saisonal betrachtet unterdurchschnittlich. Trotz der milden Temperaturen gelang es nicht, ihn in den letzten Wochen zu steigern. Unter realistischer Betrachtung lassen sich aus diesem Umstand zwar keine Versorgungsängste ableiten. Bei schlechter Stimmung wird genau dies aber an den Börsen geschehen. Heizöl bietet wieder ein Argument für steigende Preise.

Momentan ist die Stimmung an den Börsen so gelöst, dass das Heizöl-Argument nicht nachhaltig greifen kann. Gestern hielt es rund zwei Stunden. Danach gaben die schnell angestiegenen Preise wieder nach. Mit der Psychologie des kurzfristigen Abwärtstrends überzeugten sich die Akteure selbst und den Trend. So lange das Wetter es zulässt, sollten die Preise weiter fallen. Eine Wetteränderung wird derzeit nicht prognostiziert.

Unterstützung bekommt der Trend von der fortschreitenden Wiederinbetriebnahme der Ölanlagen im Golf von Mexiko. Wenig Bedeutung für den Trend hat die jüngste Veröffentlichung der IEA (Internationale Energie Agentur) unter dem Namen "World Energy Outlook 2005". Die Studie könnte in den kommenden Monaten aber an Einfluss gewinnen. Die IEA vertritt die Auffassung, dass der gegenwärtig zu erwartende Nachfrageanstieg um 50 % bis zum Jahr 2030 durch die Reserven und Ressourcen gedeckt werden kann. Es seien Investitionen von 17 Billionen Dollar erforderlich, um das vorhandene Öl verfügbar zu machen. Sollten die Investitionen tatsächlich für die Energieversorgung auf Basis des Status quo fließen, würde Öl im Laufe der Zeit billiger werden. Wünschenswert, so die IEA weiter, ist das allerdings nicht. Denn der CO2-Ausstoß nähme um 52 % zu. Sollten die Investitionen in Ölanlagen ausbleiben, wird sich der Preis weiter nach oben entwickeln.

Die Entwicklungsskizzen lassen viel Spielraum für Phantasien. Diese werden in den nächsten Jahren Einfluss auf die Preisbildung an den Börsen haben. Phantasie wird auch bei der Entwicklung der Dollar-Euro-Parität eine wichtige Rolle spielen. Momentan ist der Dollar trotz der bekannten Probleme der öffentlichen und der privaten US-Haushalte im Aufwärtstrend. Die Wirtschaft auf Pump wird von der Welt und im Speziellen von den Exportstaaten finanziert. Die Ölländer und China stützen den gegenwärtigen Zustand mit hochvolumigen Dollarkäufen. Sollte sich die Politik dieser ?Geberländer? einmal ändern, wird die Wirtschaftswelt beben.

Heute Morgen denkt niemand an Beben. Der Preisrückgang für Öl wird mit moderaten Gasölpreisen bestätigt. Die Tonne kostet 524 $.

Unsere Heizölpreise legen einen Stopp ein. Der kurzfristige Abwärtstrend ist gebremst aber nicht beendet. Gleichwohl wäre es unklug, die Fortsetzung fallender Preise als eine Selbstverständlichkeit anzusehen. Die gestrigen Preisturbulenzen am Weltmarkt hätten durchaus für mehr Auftrieb sorgen können. Wer auf weiter fallende Preise spekuliert, sollte die Entwicklung unbedingt eng verfolgen. Denn hinter der wohltuenden Preisbewegung lauert ein langfristiger Aufwärtstrend als immer noch stabile Größe im Ölgeschehen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen