Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


US-Bestandsdaten stoppen Preisrückgang

Die Gegenreaktion der Ölpreise ist beendet. Der Aufwärtstrend bleibt bis auf weiteres erhalten. Als Grund für den plötzlichen Stimmungswandel werden enttäuschende Daten aus den US-Tanklagern genannt. Sie reanimierten die bullischen Instinkte der großen Spekulanten. In New York stieg der Rohölpreis innerhalb von 24 Stunden um drei Dollar. Das entspricht gut vier Prozent. Er erreichte in der Nacht seinen Jahreshöchststand. Der Dollar konnte von der Bekanntgabe akzeptabler Preise für Hausverkäufe in den USA profitieren. Die Sorge, dass die Immobilienblase platzt, wurde zerstreut. Ihr geht nur die Luft aus. Die US-Währung setzte zu einer kräftigen Gegenbewegung zum Ausverkaufskurs der letzten Wochen an.

Die Versorgungslage ist gut. Es gibt keine Anzeichen für Lieferprobleme. Der aktuelle Ölpreis passt nicht zu dieser freundlichen Beschreibung der Marktsituation. An den Börsen sind die Blicke in die Zukunft gerichtet. Die Gegenwart spielt nur eine geringe Rolle. In Zukunft wird mehr Öl verlangt, weil die Weltwirtschaft wächst. Ob dieses Öl geliefert werden kann, ist ungewiss. Kurzfristig könnte es Lieferunterbrechungen der Ölströme aus dem Iran, aus Nigeria und aus dem Golf von Mexiko geben. Die Regierung Teherans kämpft um ihr Atomprogramm. Sie zieht damit den Zorn des Westens auf sich. Gegen die Konsequenzen wird sie sich notfalls mit der Ölwaffe zur Wehr setzen. Rebellen in Nigeria kämpfen gegen ausländische Ölgesellschaften, weil sie diese der Ausbeutung bezichtigen. Dabei werden Pipelines und Förderanlagen angegriffen und beschädigt. Temporäre Lieferausfälle sind die Folge. Durch den Golf von Mexiko werden demnächst die jahreszeittypischen Stürme ziehen. Wenn diese zu stark wüten, können ihnen Öl- und Gasanlagen zum Opfer fallen. Langfristig sieht das Marktszenario nicht besser aus. Es bestehen ernstzunehmende Zweifel, dass jemals so viel Öl und Gas gefördert werden kann, wie die Welt für das prognostizierte Wirtschaftswachstum braucht. Aus dem skizzierten Stimmungsbild speist sich der Aufwärtstrend der Energiepreise.

Gestern wurde die als gut empfundene aktuelle Versorgungslage ebenfalls infrage gestellt. Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) herausgegebenen Daten über die US-Bestände gefielen nicht, obwohl diese sowohl positiv als auch besser waren als die vorherigen Schätzungen. Bestandsdaten werden als Durchschnitt über eine Vielzahl von Tanklagern ermittelt. Einigen Tanklagern wird eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Die Lager in Cushings, Oklahoma fallen in diese Kategorie. Cushings ist das Lager, aus dem in New York gehandeltes Öl geliefert wird. DOE gibt an, dass der Rohölbestand in Cushings stärker fiel als in anderen Lagern. Diese Nachricht soll die Börsenstimmung maßgeblich beeinflusst haben. Da ihr fundamentaler Gehalt vergleichsweise unbedeutend ist, kann man nur schließen, dass er auf eine nach wie vor große Bereitschaft zur Preissteigerung trifft. Diese begründet sich aus den oben genannten Umständen. Die Zahlen von DOE und API lauten wie folgt:

Rohöl: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,2 (DOE) bzw. 5,7 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 92 Prozent gestiegen. Mit den nackten Zahlen lässt sich die gestrige Rallye kaum erklären. Zumal die Vorräte höher sind als in den meisten Jahren der jüngeren Vergangenheit. Gegenüber dem Vorjahr sind sie auf gleichem Niveau. Der kritisierte Rohölvorrat steht unwesentlich unter seinem 14-Jahres-Hoch.

Die beschriebene Lage lässt die Hypothese zu, dass der Aufwärtstrend momentan auf dünnem Eis baut. Den kurz- und mittelfristigen Ausschlag über die Preisentwicklung wird vermutlich das US-Wetter bringen. Derzeit ist kein Sturm auf den Radarschirmen zu finden. Heute Morgen ist die Preisbewegung zum Stillstand gekommen. Die Tonne Gasöl kostet 645,75 $.

Unsere Heizölpreise ziehen erwartungsgemäß an. Sie folgen damit dem Weltmarkt. Eine nennenswerte Abwärtsbewegung ist in Kürze kaum zu erwarten. Diese Einschätzung stützt sich sowohl auf die Situation am Welt- als auch am Binnenmarkt. Letzterer bietet besonders im Süden Deutschlands Aufwärtspotential, das durch den Nachfragestau entstanden ist. Das Kaufinteresse ist immer noch gering. Die 3000-Liter-Partie Heizöl kostet aktuell rund fünf Prozent weniger als vor einem Jahr.

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