Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


US-Bestandsdaten zeigen nackte Fakten

Der Beweis hätte überflüssig sein sollen, weil die Lage klar ist. Und doch war er gestern hilfreich, um die Finanzszene in die Schranken zu weisen. Die Beweisführung erfolgte wie so oft mit Hilfe der US-Bestandsdaten. Die Ölnachfrage in den USA liegt weit hinter den Erwartungen. Deshalb ist jeder Versuch, Preisauftrieb zu erzeugen, eine Aktion gegen die realen Marktbedingungen. Temporär kann sie erfolgreich sein. Auf Dauer ist sie nur durch Manipulation durchsetzbar. Ohne Zweifel gibt es Manipulation. In welchem Ausmaß sie stattfindet, ist nicht bekannt. In den letzten Tagen trieben Spekulanten die Ölpreise in der Hoffnung aufwärts, dass die in den US-Lagerbeständen manifestierte Überversorgung sinken wird. Sie ließen sich unter anderem von Versorgungsstörungen durch eine kurzzeitige Pipelineschließung und durch Wettereinfluss leiten. Außerdem halten sie an der Hoffnung fest, dass sich die US-Konjunktur schneller erholt, als die FED (US-Notenbank) das prognostiziert. Beide Hoffnungen sind aus der Luft gegriffen. Die Realität sieht anders aus. Dem wurde in den letzten zwei Tagen durch sinkende Ölnotierungen Rechnung getragen.

In vollem Umfang laufen die Ölpreise allerdings nicht mit dem Markt. Die Abwärtsrichtung wird mit angezogener Handbremse gefahren. Das mag an der heftigen Abwärtsbewegung des Dollars liegen. Diese ist die dominante Reaktion auf die miserable Beurteilung der US-Konjunktur und die durch die FED in Aussicht gestellte Behandlung des Problems. Die Zinsen werden auf absehbare Zeit nahe Null bleiben. Zusätzlich wird versucht, über Inflation Geldentwertung zu betreiben. Insbesondere die zweite Maßnahme ist ein Aufruf zur Flucht aus dem Dollar. Dem folgte die Finanzszene. Der Dollar verlor in zwei Tagen fast drei Prozent gegenüber dem Euro. Dass die Flucht auch und trotz aller schlechten Umstände in Ölpapiere führt, wundert nicht. Sie zeigen allemal mehr Stabilität als der Dollar.

Ein Vorgeschmack auf das, was die Veröffentlichung der US-Bestandsdaten bringt, wurde bereits in der Nacht auf Mittwoch durch die API-Daten (American Petroleum Institute) geliefert. Sie drückten noch ungenügend auf die Preise, weil den Daten traditionell wenig Vertrauen geschenkt wird. Die Bestätigung der Tendenz durch das DOE (Department of Energy) übte schließlich doch Handlungs- und Preisdruck aus. Die aktuellen Zahlen der berichtenden Institutionen lauten wie folgt:

Rohöl: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,9 (DOE) bzw. 7,2 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind etwas höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung steht weiterhin bei 88 Prozent. Die Lagerfüllung befindet sich nach wie vor am historischen Hoch. Ein Ende dieses Umstands ist nicht absehbar. Gleichwohl kann man davon ausgehen, dass die Finanzakteure neue Versuche unternehmen werden, die Ölpreise steigen zu sehen.

Heute Morgen und in den nächsten Tagen dürften diese Versuche gering sein. Etwas mehr Abwärts verträgt der insgesamt stabile Seitwärtstrend der Preise durchaus noch. Die Tonne Gasöl kostet 666 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,92 Dollar und in London 77,76 Dollar. In der untypischen Differenz der Rohölnotierungen kommt die Nachfrageschwäche der USA zum Ausdruck. Der US-Dollar wird zu 74,59 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben den zweiten Tag in Folge nach. Gestern war der Dollar erneut der Motor der Bewegung. Der Beitrag von den Ölbörsen war relativ schwach. Er dürfte steigen, sobald beim Dollar eine fällige Gegenbewegung zum Verfall der letzten Tage einsetzt. Die Aussicht auf eine Fortsetzung des Seitwärtstrends der Heizölpreise ist gut. Viel mehr Abgang als die unter Grenze des Trends derzeit hergibt, sollte man allerdings nicht erwarten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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