Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


US-Raffinerieschwäche treibt Heizölpreise

Der politische und militärische Konflikt im Nahen Osten rüttelt gewaltig an den Ölpreisen. Die Finanzszene ist bereit, sie hoch zu prügeln. Besonders durchtriebene Spieler schrecken nicht vor gezielten Falschmeldungen zurück. Beschuss und Zerstörung einer türkischen Pipeline könnte so eine Meldung sein. Die sorgte gestern für Preisauftrieb. Bis heute ist sie nicht bestätigt.

Im Zaum gehalten werden die Preise von dürftigen Konjunkturaussichten. Einige Institutionen zeichnen ein dramatisches Bild, das eher die Lust an Negativschlagzeilen als an sachlicher Faktennennung vermittelt. Finanzakteure lassen sich davon nicht abhalten, die ihnen zugesprochene Geldflut gewinnbringend oder wenigstens nicht verlusthaft ins Kasinosystem zu tragen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als an die Werthaltigkeit der Aktien- und Ölbörsen zu glauben. Irgendwann werden sie diese Haltung vermutlich mit Verlusten bezahlen. Dann stehen die Staaten erneut bereit, die Implosion ihres Systems zu verhindern.

Die globale Ölnachfrage ist von all dem unberührt. Sie steigt moderat an. In den alten Industrienationen nimmt sie ab. So benötigen die USA deutlich weniger Benzin als in der letzten Dekade. Auch Diesel und Heizöl werden geringer nachgefragt. Dennoch machen Knappheitsphantasien die Runde. Diese werden von ungenügenden Raffineriekapazitäten genährt. Ein altes, eigentlich gelöstes Problem ist zurück. Die desolaten Anlagen in den USA waren in den Jahren vor 2008 immer wieder Anlass für steigende Preise. Den Ölgesellschaften war das recht. Sie sparten an ihrer Erneuerung und kassierten an den steigenden Produktenpreisen. Weltweit wurden in den letzten Jahren neue Raffinerien in Betrieb genommen. Tendenziell gibt es nun Überkapazitäten. Sie vermögen nicht, das US-System zu knacken. Dort gibt es Ölüberschuss vor den Raffinerien und eine angespannte Mengenlage dahinter. Über ihre Dominanz bei der börslichen Preisbildung tragen die USA dieses für den physischen Markt isolierte Problem in die Welt hinaus.

Die US-Bestandsdaten verdeutlichen den Sachverhalt auch in dieser Woche. Die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Datenerhebung zuständigen Institutionen, weisen einen Zuwachs bei Rohöl und Abgänge bei Diesel und Heizöl auf. Benzin wird divergent dargestellt.

Rohöl: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -6,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,0 (DOE) bzw. 2,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist mit 87 Prozent relativ niedrig. Geplante Wartungsarbeiten und unvorhergesehene Ausfälle sind hierfür verantwortlich. Die Gesamtbevorratung liegt nur ein Prozent unter dem Vorjahr, wie diese Grafik zeigt. Angesichts der allgemeinen Nachfrageschwäche sind die Vorräte insgesamt üppig. Heizöl- und Benzinvorräte sind dagegen tatsächlich dürftig. Sie resultieren nicht aus einer starken Nachfrage, sondern aus einer schwachen Produktion.

Heute Morgen tendieren die Ölnotierungen abwärts. Das ist eine Reaktion auf die recht deutlichen Gewinne von gestern, deren Grundlage selbst für Finanzjongleure zweifelhaft ist. Der gesamte Ölkomplex bleibt trotz bullischer Attacken in einem übergeordneten Seitwärtstrend. Die Tonne Gasöl kostet 1.012,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 92,27 Dollar und in London zu 115,51 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,31 Eurocent.

Unsere Heizölpreise haben ihren Seitwärtstrend nach oben durchbrochen. Ursächlich ist eine Mischung aus steigenden Öl- und Dollarnotierungen. Der Heizölchart sieht nicht gut aus. Er lässt weiter steigende Preise erahnen. Der fundamentale Hintergrund steht allerdings dagegen. Nach meiner Einschätzung bleibt der Anstieg der Heizölpreise begrenzt. Ein Abgang ist momentan nicht in Sicht. Dieser setzt einen gravierenden Misstrauenausbruch der Finanzszene voraus. Ein solcher liegt zwar in der Luft, wird aber politisch verhindert. Wer jetzt noch nicht ausreichend Öl im Tank hat, um über die ersten Wintermonate zu kommen, sollte nicht mehr auf tiefere Heizölpreise hoffen, sondern kaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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