Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


US-Rohöl am Allzeithoch

In New York schlossen die Preise für die Rohölfutures gestern auf einem Allzeithoch. Lediglich die Spitze im Tagesverlauf kann noch getoppt werden. Sie stand 1990 kurzzeitig höher. Niemand bezweifelt, dass auch dieser letzte Rekord im Laufe der Aufwärtsbewegung überwunden wird. Es gibt z.Z. keine prognostizierbare obere Grenze der Preisentwicklung. Die fundamentalen Umstände haben eine selten gekannte Schubkraft.

Das breite Fundament, auf dem der Aufwärtstrend baut, liefert China mit seiner ungeheuren Bedarfssteigerung. Der Wirtschaftsboom entwickelt einen unersättlichen Öldurst. Die IEA (Internationale Energie Agentur) sah sich nicht zuletzt deshalb veranlasst, ihre Bedarfsprognose erneut anzuheben. Der Zuwachs steigt momentan stärker als in den letzten 16 Jahren. Der Verbrauch wird im Jahr 2004 auf 80,6 Mio. Barrel pro Tag angesetzt. China ist mit der sechstgrößten Wirtschaft der Welt zum zweitgrößten Ölverbraucher aufgestiegen. Das ist ein Zeichen für übertriebene Verschwendung. Sie wird u.a. durch das vollkommen unzureichende elektrische Netz hervorgerufen. Es zwingt Fabriken wegen häufiger Ausfälle dazu, dieselfressende Notstromaggregate zu betreiben.

Der weltgrößte Ölverbraucher steht ebenfalls als Verschwender am Pranger. Die US-Bevölkerung liebt es, benzinfressende Monster zu fahren. Diese drohen der Benzinversorgung des Landes in diesem Sommer einen Blackout zu verschaffen. Um das zu vermeiden, kaufen die Ölgesellschaften in der ganzen Welt das Benzin vom Markt. Sie treiben damit auch hierzulande die Benzinpreise auf Rekordhöhen. Eine Besserung der Lage ist dennoch nicht in Sicht. Die Vorräte steigen vor der großen Sommernachfrage nicht an. Sie liegen immer noch 5,2 Mio. Barrel unter dem Vorjahreswert und das bei höherer Verbrauchserwartung.

Gestern lieferten API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) Zahlen über die Vorratslage. Sie sind schlecht. Der erwartete Bestandsaufbau findet nicht statt.

Rohöl: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)

In Summe werden Verluste von 0,1 bzw. 2,7 Mio. Barrel ausgewiesen. Die Importe und die Raffinerieauslastungen sind mittelmäßig. Das ist zu wenig, um ein Polster für die kommenden Monaten aufzubauen.

Beim Rohöl, dass am stärksten mit der geopolitischen Lage verwoben ist, sieht es z.Z. noch dunkler aus. Die USA und Großbritannien haben ihre Legitimation für den Irakfeldzug vor der Weltöffentlichkeit verspielt. Sie legen einen nie da gewesenen Nährboden für Hass, Gewalt und Terror in der arabischen Welt, die über die größten Ölreserven der Erde verfügt. Mit der Misshandlung fundamentaler Menschenrechte sinkt die Möglichkeit, an die benötigten Bodenschätze heranzukommen. Die Gefahr, dass selbst laufende Quellen dem Terror zum Opfer fallen, wird immer größer. Aus der Idee eines kurzen Befreiungskrieges mit der Hoffnung auf billiges Öl vor einem Jahr wurde die Realität einer Unterdrückungsmaschine, die an den Eigentümern der Bodenschätze zu scheitern droht. Es ist nicht zuletzt diese sich ausbreitende Hoffnungs- und Ausweglosigkeit, die die Preise unaufhaltsam in die Höhe treibt.

Charttechnisch ist eine Gegenreaktion auf den Preisanstieg längst überfällig. Aber die fundamentalen Umstände wiegen derzeit so schwer, dass sie die Charttechnik aushebeln. Die Fonds lagen und liegen offensichtlich auf der richtigen Seite. Ihr Kaufinteresse an Kontrakten auf höhere Preise ist ungebrochen. Wen wundert es.

Der Dollar spielt in diesen Tagen keine wichtige Rolle. Er ist mit täglich wechselnden Richtungen auf der Suche nach einer übergeordneten Bewegung.

Der Gasölpreis setzt seinen Höhenflug heute Morgen fort. Die Tonne kostet mittlerweile 334$.

Unsere Heizölpreise steigen weiter mit dem Weltmarkt. Die erdrückende Faktenlage lässt keine andere Bewegungsrichtung zu. Ein oberes Ende der Preisentwicklung ist nicht absehbar, ein zeitliches Ende ebenso wenig. Daher halten wir es für sinnvoll, jetzt nicht auf das scheinbar Unmögliche - nämlich fallende Preise - zu hoffen, sondern durch den Kauf einer Teilmenge weiter steigenden Preisen vorzubeugen und sich damit gleichzeitig die Option auf Zukauf bei besseren Preisen zu einem späteren Zeitpunkt offen zu halten.

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