Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


US-Vorratsdaten ohne Preiseffekt

Die Aufwärtstrends aller Ölpapiere sind intakt. Gestern hielten sie sich ungestört über ihren mittleren Anstiegslinien. Die US-Vorratsdaten blieben weitgehend einflusslos auf die Preisbildung. Lediglich Benzin bekam einen zusätzlichen Impuls. Der Dollar hielt sich auf dem Niveau des Vortags. Der vorausgegangene Einbruch auf Grund der Zinssenkung muss sich setzen.

Die US-Vorratslage ist passabel. Die jüngste Veränderung wird allerdings genutzt, um die Situation schlecht zu reden. Seit Juni nehmen die Rohöl- und die Gesamtvorräte ab. Letztere sind sieben Prozent geringer als vor einem Jahr. Andererseits sind sie sieben Prozent höher als vor drei Jahren und vier Prozent höher als vor fünf Jahren. Für Rohöl sieht die Vorratsstatistik noch besser aus. Es gibt also kein ernsthaftes Problem.

Weniger beruhigend steht es um die Heizölbevorratung. Vor einem Jahr waren die Lager 13 Prozent voller. In den Jahren davor waren sie etwas geringer befüllt als heute. In Kombination mit der unbefriedigenden Raffineriesituation in den USA werden vor dem bevorstehenden Winter Knappheitsphantasien entworfen. Spekulanten machten Heizöl zuletzt zum Hauptpreistreiber des Ölmarkts.

Die gestern von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gemeldeten Daten über die US-Vorräte brachten keine neue Erkenntnis. Rohöl ist weiterhin rückläufig. Gleiches gilt für Benzin. Und der Heizölaufbau ist schwach. Die Zahlen in Einzelnen:

Rohöl: -3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,9 (DOE) bzw. 3,5 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind deutlich höher als vor einer Woche und etwas geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit fiel auf 90%. Der Wert befördert ihren latent bullischen Einfluss.

Die fundamentale Situation ist eindeutig bullisch. Sie rechtfertigt aber kaum einen so rasanten Preisanstieg, wie er seit einem Monat zu beobachten ist. Dieser wird maßgeblich von technisch orientierten Spekulanten mitbestimmt. Zu den langfristig wirkenden bullischen Fundamentals gehören die Sorge vor dem Erreichen der maximal möglichen Förderung und vor einem ungebremsten Nachfrageanstieg Chinas und anderer wirtschaftlich aufstrebender Staaten. Die kurzfristigen bullischen Aspekte sind Unterstützung der US-Wirtschaft durch die Zinspolitik der FED, Hurrikanängste, der bevorstehende Winter, die schlechte US-Raffinerieverfügbarkeit und diverse geopolitische Unruheherde in Afrika und Nahost.

Als langfristig bärisch wirkende Kraft dürften sich früher oder später Erfolge der Effizienzdebatte einstellen. Kurzfristig wird es Preisdruck geben, wenn sich die aktuell entstehende Preisblase entlädt. Ab welchem Preisniveau die Entladung einsetzt ist ein beliebtes Spekulationsthema.

Heute Morgen kann etwas Entspannung der Preise festgestellt werden. Die Tonne Gasöl kostet 703,50 $.

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Ölpreis- und Dollarbewegungen am Weltmarkt neutralisieren sich. Eine Gegenreaktion auf den starken Preisanstieg ist nach unserer Einschätzung fällig. Ein Ende des Aufwärtstrends sehen wir aber noch nicht. Wer vor dem Winter Heizöl benötigt, sollte umgehend eine Teilmenge ordern. Ein nennenswerter Preisrückgang wird nach aktueller Lage der Dinge erst im Winter zu erwarten sein.

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