Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


US-Vorratsdaten stimmen nicht fröhlich

Die Preise zogen gestern weiter an. Börsianer stellen die ausreichende Benzinversorgung der USA in Frage. Mit dem Thema haben sie das Pendant zum milden Wetter gefunden. Damit stabilisieren sie den Seitwärtstrend der Preise. Die US-Vorratsdaten fallen unspektakulär mit leicht negativem Beigeschmack aus. Der Dollar bleibt seinem Seitwärtstrend treu.

Angesichts der seit Wochen anhaltenden milden Temperaturen in den US-Heizölregionen sollten die Heizölvorräte deutlich steigen und die Preise fallen. Den aktuellen Vorratsdaten ist zu entnehmen, dass diese Einschätzung nicht zutrifft. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) präsentierten gestern Werte, die sowohl die Heizöl- als auch die Benzinversorgung nicht ganz gut aussehen lassen. Damit geraten die Raffineriekapazitäten erneut in die Kritik. Die Werte i.E.:

Rohöl: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,0 (DOE) bzw. 2,6 (API) Mio. Barrel. Die Rohölimporte sind gegenüber der Vorwoche und dem Vorjahr gestiegen. Die Heizölimporte blieben konstant. Die Raffinerieverfügbarkeit ist etwas besser als vor einer Woche. Mit einem Wert von 91 Prozent zeigt sie aber immer noch zu hohe Ausfälle.

Die Heizölvorräte sind nicht mehr Spitze. Im jahreszeitlichen Vergleich sind sie nur noch Mittelmaß. In den Jahren 2003 und 2001 waren sie deutlich besser als heute. Da der Verbrauch auf Grund der Temperaturen gering war, könnte man das als unfreundliches Zeichen interpretieren. Mehr als dieser Umstand sorgt aber die Lage beim Benzin für Stimmung. Im Großen und Ganzen liegt sie zwar auf Linie mit den Vorjahren. Aber mit schöner Regelmäßigkeit sorgte der vermeintlich zu knappe Vorrat zum Frühjahr für Preisauftrieb, weil Versorgungsengpässe für den Sommer vorhergesagt wurden. Die blieben bisher zwar aus. Da die Raffineriekapazitäten aber notorisch knapp sind, sind sie immerhin nicht ganz unmöglich. Die Ähnlichkeit zu den Vorjahren veranlasst Börsianer nun dazu, das in einigen Monaten kommende Geschehen preislich zu antizipieren. Sie verleihen den Preisen eine deutliche Aufwärtskomponente.

Etwas Auftrieb kommt auch aus der Diskussion innerhalb der OPEC über die Liefermengen. Saudi Arabien möchte zwar gerne am eingeschlagenen Kurs mit hoher Förderung festhalten. Aber einige andere Staaten unter Führung des Iran sehen das anders. Sie wollen drosseln. Im Zweifelsfall wird jedes Land machen, was es für richtig hält. Zu wenig Rohöl wird es dabei kaum im Markt geben. Die Diskussion allein genügt aber, um die bullischen Kräfte an den Börsen zu inspirieren.

Aus den Reihen der Nicht-OPEC-Länder gibt es zu berichten, dass Russland die Lieferungen steigern wird. Das ist mit der OPEC abgestimmt. Brasilien hat riesige Mengen Öl vor der Küste gefunden, die das Land bald zum Nettoexporteur machen könnte.

Das Aufspüren von Öl war seit Jahren dürftig. Dass die Reichweite der förderbaren Reserven lange nicht mehr gewachsen ist, wird u.a. als Grund für den langfristigen Aufwärtstrend der Preise angegeben. Die Ursache für diesen Umstand lässt sich nicht einfach klären. Eine weit verbreitete Meinung ist schlicht die, dass die Reserven zu Ende gehen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob überhaupt ausreichend gesucht wurde. Die Ölindustrie blickt auf viele verlustreiche Geschäftsjahre in der Zeit vor 2000 zurück, was heute kaum vorstellbar ist. Damals wurden u.a. die Investitionen in Explorationsmaßnahmen drastisch gekürzt. Es könnte sein, dass dieser Mangel für die unbefriedigende Reichweitenentwicklung gesorgt hat. Eventuell wird er sich mit den vielen Geld, was nun zur Verfügung steht, bald beheben lassen. Also doch keine Knappheit der Ressourcen? Selbst wenn das zuträfe, wäre das Streben nach Effizienz und alternativen Energieträgern immer noch richtig. Die weltweite Nachfrage wird schließlich wachsen.

Zum Jahresausklang werden sich die Preise nicht mehr großartig bewegen. Der Gasölpreis liegt heute Morgen auf dem Niveau von gestern. Die Tonne kostet 508,50 $.

Unsere Heizölpreise steigen wieder. Die Hoffnungen auf ein neues Kurzzeittief zum Jahresende haben sich zerschlagen. Unsere mittelfristigen Erwartungen werden durch die Preisentwicklung recht gut getroffen. Die Preise schwingen um das aktuelle Niveau mit moderaten Ausschlägen. Wir wünschen allen Ölheizern einen Guten Rutsch (aber nicht auf der Straße).

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