Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Umkehr läuft

Die USA erleben einen neuen Ölrausch. In vielen alten und einigen neuen Förderregionen wird gepumpt, was Boden und Material hergeben. Die Ausbeutung führt zu einem beachtlichen Überangebot an Rohöl. Das lagert nun unter anderem in Cushing Oklahoma, dem US-Zentrallager. Das droht angesichts der heftigen Flut überzulaufen. Um Abhilfe zu schaffen, wurde die Pumprichtung der Pipeline, die einst Rohöl von der Küste ins Landesinnere brachte, umkehrt. Seit gestern wird nun Rohöl zur Küste gepumpt. Dass der Ölüberfluss in Cushing damit abgebaut werden kann, wird schon bezweifelt. Der überschüssige Zufluss übersteigt nämlich die Kapazität der Pipeline. Immerhin sorgte die Meldung von der vollzogenen Umkehr gestern für nachgebende Ölpreise bei allen Notierungen außer WTI (Texasöl). Für diese Sorte verbessert sich die Nachfragelage.

Die US-Ölflut ist seit Ende letzten Jahres in den Bestandsdaten zu beobachten. Die Werte für Rohöl steigen unaufhaltsam an. Sie erreichten ein Allzeithoch. Selbst das wurde in den letzten Wochen stetig getoppt. Die jüngsten Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) bestätigen den Trend. In der Gesamtbeurteilung sind sie, wie so oft, unterschiedlich. Das mindert den Vertrauenswert der Zahlen. Zweifelloser Fakt ist, dass sinkende Gesamtbestände trotz des hohen Rohölangebots und einer sinkenden Binnennachfrage möglich sind, weil die USA mittlerweile mehr Produkte ex- als importieren. Die erhobenen Daten zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,7 (DOE) bzw. ein Aufbau von 2,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 88 Prozent gestiegen. Die Gesamtbestände liegen knapp unter Vorjahresniveau.

Trotz des hohen Ölangebots sind die Preise relativ hoch. Der Umstand scheint nach einem Preisverfall zu rufen. Er ruft indes nicht. Hohe Preise und hohes Angebot bedingen nämlich einander. Das Angebot ist nur dann hoch, wenn die Preise zu den Förderkosten passen. Da die Kosten unaufhaltsam ansteigen, weil die Förderbedingungen immer komplexer werden, müssen hohe Erlöse erzielt werden. Ein Preisverfall würde das Angebot dezimieren und viele Fördereinrichtungen stillsetzen. Ein erneuter Preisanstieg wäre die logische Konsequenz.

Die US-Regierung schwadroniert in dieser Lage von der Freigabe eines Teils der strategischen Reserven, um die Ölpreise stärker zu senken. Das Ansinnen gehört in die Kategorie unredlicher Wahlkampfmanöver. Es kann nur einen temporären freundlichen Effekt auf die Preise haben. Am langen Ende bezahlen Verbraucher solche Maßnahmen eher teuer. Das auf den Markt geworfene Öl könnte nicht nur kurze Preiskapriolen, sondern die eine oder andere Pleite kleiner Ölunternehmen bedingen und so für schneller steigende Preise nach dem Ende der Ausschüttung sorgen. Die Politik ist gut beraten, den Markt nicht fortwährend zu manipulieren, weder beim Öl noch im Finanzwesen. Das heißt nicht, dass Öl- und Finanzmärkte besser funktionieren, wenn sie ungeregelt sind. Das heißt nur, dass es eine klare Definition geben muss, ob diese Märkte staatlich oder frei betrieben werden. Für Freiheit spricht die höhere Effizienz. Gegen Freiheit spricht, dass Effizienz sozialer Systeme eine technokratische Eigenschaft ist, die den Kapital- und nicht den Humaninteressen dient.

Heute Morgen sieht es so aus, als sollte der gestrige Preisabgang fortgesetzt werden. Zur Marktlage und zu den konjunkturellen Marktdaten würde das passen. Die Tonne Gasöl kostet 915,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 92,00 Dollar und in London zu 106,52 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 79,01 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben wieder nach. Sie haben das letzte Tief bereits unterschritten. Die Börsennotierungen für Öl treiben den Abgang voran. Die Dollarbewegung sieht allerdings übel aus. Sie strebt steil aufwärts. Damit droht den Heizölpreisen trotz freundlicher Ölbörsen ein Nullsummenspiel. Das ist aktuell erfreulicherweise noch nicht der Fall. Der Abwärtstrend beim Heizöl ist intakt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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