Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Umverteilen

Aktien und Ölnotierungen haben Aufwind. Die Stimmung an den Börsen ist erstaunlich normal. Panik war gestern. Heute gilt es, Chancen zu nutzen, die sich aus der Panik ergeben. Warum die Börse gestern das Verderben lieferte und heute Chancen bietet, lässt sich mit keiner fundamentalen Beschreibung der Finanz- und Wirtschaftswirklichkeit erklären. Denn diese zeigt sich vor, während und nach der Panik unverändert. Schon schießen Verdächtigungen ins Kraut, dass die Nummer mit dem angedeuteten Börsencrash eine Inszenierung besonders durchtriebener Finanzjongleure war. Verbraucher können damit gut leben, da nicht sie, sondern diejenigen, die einen Kapitalstock aufzuweisen haben, die Leidtragenden waren. Und doch fällt die Sache auf Verbraucher zurück, deren Altersversicherung einen kapitalgedeckten Anteil hat. Der wurde dezimiert. Die betreffenden Verbraucher müssen auf die sich nun bietende Chance hoffen.

Die US-Regierung ist nicht amüsiert. Sie schickt Prüfer zur Ratingagentur Standard & Poor’s, um ihr Insidergeschäfte im Zusammenhang mit der Herabstufung ihres Landes nachzuweisen. Das dürfte kaum gelingen. Offensichtlich ist indes einmal mehr, dass das Ringen um die Finanzsysteme ein Machtkampf zwischen Politik und Finanzindustrie ist. In Europa ist noch deutlicher als in den USA zu erkennen, wer bei dieser Auseinandersetzung Herr und wer Knecht ist. Die Politik lässt sich seit Jahren die Themen von der Finanzindustrie diktieren. Dabei ist sie so sehr ins Tagesgeschäft verstrickt, dass ihr der Blick für die Entwicklung von Möglichkeiten verwehrt ist.

Es gibt durchaus die Möglichkeit, das Schuldendrama zu beenden. Diese besteht in einer groß angelegten Umverteilung. Dabei müssen die gewaltigen Finanzguthaben einer Minderheit zugunsten des Schuldenabbaus der Mehrheit abgeschmolzen werden. Für so etwas kennt die Geschichte diverse Beispiele. Ein bekannter Fall ist der New Deal, mit dem die USA eine noch gravierendere Schuldensituation als heute überwinden konnten. Im Verlauf der Umverteilung von Vermögen kam es zu Spitzensteuersätzen für Reiche von 91 Prozent. Mit dem Ergebnis des Prozesses erlebten die USA eine der erfolgreichsten Phasen ihrer Wirtschaftsgeschichte. Ausgelöst wurde sie durch die Möglichkeit, breite Bevölkerungsschichten am Wohlstand teilhaben zu lassen. Vorraussetzung für das Gelingen war damals allerdings der ungehinderte Zugang zu billigem Öl, das die Wirtschaftsleistung mit seiner freigesetzten Energie potenzierte. Dieses Öl gibt es heute nicht mehr. Es wäre auch kontraproduktiv, reines Mengenwachstum für die Wirtschaft zu fordern. Heute wird eine gerechte Verteilung des Vermögens für die Energiewende benötigt, für die Vermarktung von Produkten, die es uns erlauben, unsere Energieintensität dramatisch zu reduzieren. Umverteilung würde mit Sicherheit eine dynamische Wirtschaftsperiode zum Wohl großer Bevölkerungsschichten schaffen.

Umverteilung ist an keine sozialistische oder kommunistische Ideologie gebunden. Umverteilung ist ein Akt der Marktwirtschaft, der extreme Unverträglichkeiten zum Wohl der Marktteilnehmer beseitigen soll. Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Entwicklung der Verteilung von Finanzvermögen einer gedeihlichen Gesellschaftsentwicklung im Weg steht. Insofern ist Umverteilung eine gewichtige Möglichkeit der Politik, das gegenwärtige Drama zu beenden.

Ein Problem bei der Durchsetzung von Umverteilung ist die Konkurrenzsituation, in die sich Politik durch die unterschiedliche steuerliche Ausgestaltung der Staaten selbst bringt. Diese Konkurrenzsituation wird von der Finanzindustrie trefflich zur Durchsetzung eigener Interessen genutzt. Trotz des Wettbewerbs, in dem die Finanzmarktteilnehmer stehen, ist es ihnen gelungen, gegenüber der Politik geschlossen zu agieren. Dieser unschätzbare Vorteil verleiht ihnen Macht. Damit Politik gestalterische Macht zurückgewinnt, muss sie zu Geschlossenheit und zu neuem Denken gezwungen werden. Der notwendige Zwang kann nur von den Bürgern der jeweiligen Gesellschaften aufgebracht werden. Unter ihnen muss so etwas wie eine internationale Solidarität herrschen. Das ist heute eine gerade zu utopisch klingende Vorraussetzung. Zweifel sind berechtigt, dass diese in absehbarer Zeit erfüllt wird.

Wird sie es nicht, werden wir uns weiterhin mit immer hektischeren tagespolitischen Aktionen konfrontiert sehen, die von interessengebunden Tönen bankangestellter Volkswirte begleitet werden. Dass diese Berufsgruppe einer Umverteilung ablehnend gegenübersteht, ist so selbstverständlich wie das Gottesbekenntnis eines Kirchenmanns. Ihre Ablehnung mindert nicht die Chance der Maßnahme.

Für die Tagesentwicklung der Ölpreise sind die Überlegungen irrelevant, da sie mit keiner politischen Kraft unterfüttert sind. Und so wird weiterhin Aussichtslosigkeit als Chance und Krise gehandelt. Heute Morgen kommt wieder ein wenig Krise auf. Aktien- und Ölnotierungen sinken. Die Tonne Gasöl kostet 942,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 86,67 und in London zu 108,70 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,60 Eurocent.

Unsere Heizölpreise zappeln seitwärts. Auf den möglichen Abgang darf man noch warten. Dieses Warten könnte sich in einigen Monaten schlimmstenfalls als aussichtslos herausstellen. Denn eine Garantie, dass die Märkte vernünftig handeln, gibt es nicht. Und was vernünftig ist, wird bekanntlich von verschiedenen Menschen unterschiedlich eingeschätzt. Dessen ungeachtet halten wir einen Abgang derzeit wieder für denkbar. Das reicht vielen Verbrauchern aus, um die reine Hoffnung durch Aussitzen zu zelebrieren. Man muss sich Aussitzen aber durch einen gewissen Heizölvorrat leisten können. Kann man das nicht, bleibt nur der Kauf. Der kann gegebenenfalls in einem extrem ungünstigen Moment notwendig werden. Das Nutzen von Chancen sollte beim Heizöl also über einen längeren Zeitraum in Betracht gezogen werden, nicht erst wenn es keine Chancen mehr gibt. Und es sollte berücksichtigen, dass die Zahl der Käufer rasant steigen wird, wenn der Handel über längere Zeit zu wenig Heizöl verkaufen konnte. Dann kann eine vermeintliche Chance schnell platzen, weil Preise wegen zu hoher Nachfrage nicht die erwartete Richtung nehmen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen