Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Unbändige Auftriebskräfte

?Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast? lautete das Motto des gestrigen Handelstags. Gute US-Vorratszahlen waren nicht in der Lage, dem Markt Abwärtsimpulse zu verabreichen. Händler witterten im ausgewiesenen Bestandsaufbau bei Rohöl eine Verfälschung der Tatsachen. Darin stecken die Leihgaben der US-Regierung aus den strategischen Lagern, so der einhellige Tenor. Rohöl verteuerte sich in New York um gut einen Dollar auf 54,75$ pro Barrel.

Die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) im Einzelnen:

Rohöl: +4,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)

In Summe beträgt der Bestandsaufbau 2,9 bzw. 1,3 Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Importzahlen sind deutlich angestiegen. Die Verfügbarkeit der US-Raffinerien lässt weiter zu wünschen übrig.

Neben den als geschönt empfunden Rohölzahlen waren die Angaben über die Heizöl- und Dieselvorräte Stein des Anstoßes. Sie sind seit einem Monat rückläufig. Im Historienvergleich ergibt sich ein schlechtes Bild. Letztes Jahr war der Vorrat um diese Zeit 10% höher, vor zwei und vor drei Jahren war er 5% höher, vor vier Jahren, dem Jahr der höchsten Heizölpreise in Deutschland, war der Vorrat 5% niedriger. Vor 5 Jahren schließlich war er 18% höher. Den Preistreibern spielt der Umstand in die Hände, dass die Tendenz aktuell stark rückläufig ist. Das sah im Herbst 2000 trotz niedriger Vorräte besser aus. Angesichts der bullischen Marktlage ist es nicht erstaunlich, dass die Sorge vor Heizölengpässen zum Winter die Preise weiter in die Höhe treibt. Heizöl kostet auf internationalem Parkett 35% mehr als zu den Spitzenzeiten vor vier Jahren.

Das Ausmaß des Preisunterschieds ist übertrieben. Die Zukunft wird das korrigieren. Momentan ist allerdings noch kein entsprechender Stimmungswandel zu erkennen. Charttechnisch sieht die Preissteigerung immer noch solide aus.

Von der Idee, dass George W. Bush etwas zu einem Stimmungswandel beitragen könnte, indem er die strategischen Reserven der USA teilweise freigibt, wie es Bill Clinton von vier Jahren tat, sollte man sich verabschieden. Bush hat durch seine Politik der Preissteigerung das Wasser gereicht. Er wird es nun nicht abgraben. Sein Clan und seine Steigbügelhalter in den Ölkonzernen können mit den aktuellen Preisen sehr gut leben. Die Leihgabe aus den strategischen Tanks erweckt immerhin den Anschein, er handele in diesem Punkt.

Positive Nachrichten werden vom Markt derzeit komplett ignoriert. In Nigeria wurde der Generalstreik nach vier Tagen planmäßig beendet. Von Liefereinschränkungen ist nichts bekannt. Die Ankündigung des Streiks war als Argument für Preissteigerungen gut. Die Abkündigung hilft den Preisen aber nicht wieder herunter.

Der Markt muss das Feuer, das in ihm brennt, offensichtlich mit dem Fortgang der Preisrallye abfackeln. So wünschenswert äußere Einflüsse zum Löschen dieses Feuers auch wären. Sie existieren nicht und sind nicht in Sicht. Erst wenn der Bogen total überspannt ist, wird es zur Wende kommen. Dieser Moment kann durchaus weit hinter der Marke von 60$ pro Barrel liegen.

Der Dollar zeigt sich seit geraumer Zeit einflusslos auf das Geschehen. Er bewegt sich in einem relativ schalen Kursband seitwärts.

Der Gasölpreis hat heute Morgen schon wieder ein neues Hoch markiert. Mit 509$ pro Tonne ist es nur unwesentlich höher als der gestrige Spitzenwert.

Unsere Heizölpreise steigen fast geradlinig an. Sie haben seit Anfang September um 25% zugelegt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Unerwartet kommt der Anstieg nicht. Er zeichnete sich im Frühjahr bereits ab. Wir gehen davon aus, dass es in den kommenden drei bis vier Wochen zu einer Entspannung kommen wird. Dass diese den nachhaltigen Trendbruch herbeiführt, glauben wir allerdings nicht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass danach noch eine weitere Steigerungswelle folgt.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen