Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Unerwartet schlecht

Die Reflexe funktionieren noch. Spekulanten katapultierten die Preise nach unerwartet schlechten US-Bestandsdaten in die Höhe. Angesichts der Gesamtverfassung des Marktes muss man nicht davon ausgehen, dass damit die Fortsetzung des Aufwärtstrends eingeläutet ist. Die spontane Reaktion wurde gestern Abend bereits teilweise zurückgenommen. Ähnlich sieht es am Aktienmarkt aus. Der bewegte sich hauptsächlich im Plus. Eine plausible Erklärung für die gute Stimmung gibt es nicht, denn die US-Notenbank beschreibt die Zukunft außerordentlich negativ. Man ist besorgt, dass die Wirtschaft in eine selbst verstärkende Abwärtsspirale gerät. Bei einer solchen Aussicht wird der Ölpreis nicht längerfristig steigen können. Der Dollar hielt trotz des freundlichen Aktienmarktes sein Niveau.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) kamen mit unterschiedlichen Daten zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern heraus. Wie immer in diesen Fällen wurde den DOE-Zahlen gefolgt. API kommt in die Tonne. Die Daten lauten wie folgt:

Rohöl: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,1 (DOE) bzw. ein Aufbau von 7,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt weiterhin lausige 82 Prozent. Mehr will man derzeit nicht erreichen.

Der Rückgang in den Lagern ist beileibe keine Andeutung von Versorgungsschwäche. Seit 1990 waren die Bestände lediglich in neun Wochen etwas höher als heute. Die Tanks sind prall gefüllt. Das gilt sowohl für die öffentlichen als auch für die militärischen Einrichtungen. Es ist dieser Umstand, den die OPEC mit ihren Kürzungen verändern möchte. Volle Lager stellen eine wesentliche Blockade gegen höhere Preise dar. Die möchte die OPEC nicht bei 50 Dollar sondern bei 75 Dollar pro Barrel sehen. Nach Berechnungen des Blattes Oil Market Intelligence sollen die Bestände bis Jahresmitte noch weiter wachsen. Erst danach würden sie sinken. Aktuell beträgt die Reichweite der von der Ölwirtschaft gehaltenen Vorräte in den OECD-Ländern 58 Tage. Mit ihren Verknappungen versucht die OPEC diese auf 53 Tage zu drücken. Das, so glaubt man, würde den Druck von den Preisen nehmen. Sie könnten in die gewünschte Richtung laufen. Die eigentlich bedeutsame Zahl in diesem Zusammenhang kommt allerdings von der Nachfrageseite. Nicht die Angebots- sondern die Nachfrageentwicklung ist für die Preisbildung maßgeblich. Und die wird sehr schwach gesehen.

Das ist auch der Grund, warum die Warnungen der IEA (Internationale Energie Agentur) vor explodierenden Preisen im Falle einer Wirtschaftserholung nicht von allen Marktbeobachtern geteilt wird. Die IEA argumentiert mit unzureichenden Investitionen in den Erhalt und den Ausbau der Ölförderung. Kritiker dieser These argumentieren mit einer nachhaltigen Veränderung des Verbrauchsverhaltens im Verlauf der Krise. Die Zeit für Verbrauchssenkung und Effizienzsteigerung ist gekommen. Sie wird nun spürbar realisiert und wird die Nachfrage selbst bei einer Erholung der Wirtschaft nicht mehr über die bisherigen Höchstbedarfe steigen lassen, so die Gegenthese.

Über Entspannung gibt es auch von der Ölverarbeitung zu berichten. Schon länger sorgt die schlechte Verfügbarkeit der US-Raffinerien nicht mehr für Preisauftrieb. Hierzulande war dieser Auftrieb in der Zeit hoher Heizölnachfrage noch sehr deutlich zu spüren. Raffinieure verdienten sich eine goldene Nase. Das ist vorbei. Die Margen sind im März dramatisch um fast 50 Prozent eingebrochen. Die rückläufige Nachfrage trägt dazu bei. Mit Raffinerien wird in Zukunft weniger Geld verdient werden. Da durch den weltweiten Aufbau neuer Anlagen mittlerweile ein Überangebot droht, könnte es sogar zu Verlusten kommen. Dann wird es auch wieder Stilllegungen geben wie vor 20 Jahren.

Heute Morgen zieht es die Preise tendenziell höher. Einen Trend sehen wir darin nicht. Wir erwarten keine nennenswerte Veränderung des Preisniveaus. Die Tonne Gasöl kostet 447,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 51,03 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,15 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise kommen nicht herunter. Sie halten ihre Seitwärtsbahn auf leicht erhöhtem Niveau. Die Wirtschaftsaussichten sollten sie in den nächsten Wochen etwas tiefer drücken. Eine generelle Veränderung des allgemeinen Niveaus erwarten wir nicht. Die Nachfrage ist eingebrochen. Der Handel hat allerdings immer noch ein paar Altlasten abzuarbeiten. Daher sind die Lieferzeiten noch nicht überall auf Normal gefallen. Wer Heizöl benötigt, sollte nicht mit Restbeständen im Tank experimentieren. Bei der zu erwartenden Preisentwicklung lohnt das nicht. Und hier noch unser Hinweis auf die wichtigste Aufgabe für die Zukunft. Wärmebedarf senken! Damit Sie wissen, wo Ihr Haus steht gibt es www.esytrol.com.

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