Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Unglaublicher Ansturm

Darauf haben Sie und wir zweieinhalb Jahre gewartet. Wir wussten nicht, ob dieser Moment überhaupt kommt oder ob der Ölpreis nur noch steigt. Zweieinhalb Jahre mussten wir verfolgen, wie eine vollkommen überschuldete Wirtschaft durch noch mehr Schulden gedopt wurde, damit diese im alten Stil fortfahren möge. Wir vernahmen das Hoffen auf steigenden Ölkonsum als Zeichen einer gesundenden Wirtschaft in Zeiten, da das Ende des billigen Öls längst Fakt ist. Und wir vernehmen, dass das, was an den Börsen derzeit passiert, nicht mehr Markt sondern Psychologie sei. Aus unserer Sicht wurden die Börsen während der zweieinhalbjährigen Diaspora im Wesentlichen von wahrheitsferner Psychologie beherrscht. Jetzt wird die Realität gesehen.

Bereits die erste Rettungsaktion im Jahr 2008 gab Anlass, an ihrer Wirksamkeit zu zweifeln. Bereits damals stand die Frage im Raum, wie die hoch verschuldeten Volkswirtschaften durch noch mehr Schulden zu retten seien? Die stereotypen Antworten lauteten, durch Wachstum. Die Menschen müssen mehr konsumieren, damit die Wirtschaft schneller wächst. Indem sie das tut, werden Gewinne fließen, mit denen die Schulden zurückgezahlt werden. Hand aufs Herz, wer glaubt dieser These? Nicht einmal Deutschland ist der Beweis, dass sie funktioniert. Wir haben das Glück und die Tüchtigkeit, unsere Produkte und Fähigkeiten in Regionen zu verkaufen, die wachsen. Diese Regionen werden genauso wenig ins Unermessliche wachsen, wie unsere eigene Volkswirtschaft. Jedes Wachstum hat ein Ende. Das Schuldenmachen sollte vor diesem Ende beendet sein. Sonst droht ein schlimmeres Ende. Volkswirte ignorieren diese Sicht der Dinge. Sie können sich kein Finanz- und Wirtschaftssystem vorstellen, das ohne Schuldenwachstum stabil funktioniert. Daraus folgt, dass die Schulden niemals zurückgezahlt, sondern auf Dauer fortgeschrieben werden. Hierin unterscheidet sich das Modellwissen der Volkswirte vom Anspruch kommunizierter Politik. Beide Seiten leben mit diesem Widerspruch.

Die USA sind ein besonders schwerwiegendes Beispiel für das Scheitern schuldenfinanzierten Wirtschaftswachstums. Das wird in diesen Tagen an den Börsen gehandelt. Gleichwohl ist die Erkenntnis nicht neu. Sie trat zuletzt 2008 offen zu Tage. Umso schlimmer, dass das Rezept gegen die Krankheit im Verabreichen des krankmachenden Gifts selbst bestand. Diese unsinnige Therapie wäre allenfalls damit zu rechtfertigen, dass das Problem vor drei Jahren so überraschend eintrat, dass man keine Zeit für eine sinnige Lösung hatte. Deshalb erkaufte man sich durch die wissentlich unsinnige Maßnahme Zeit, um eine funktionierende Therapie zu entwickeln. Zeit gab es in der Tat. Die funktionierende Therapie bleibt bis heute aus. Stattdessen bemüht man sich, uns auf weiteres Wachstum einzuschwören. Nun haben wir die zusätzlichen Schulden der 2008er Maßnahmen und kein bzw. ein unzureichendes Wirtschaftswachstum. Und wir haben die Panik der Finanzwelt, dass die ganze Sache nicht funktioniert.

Wie weit diese Panik den fallenden Ölpreis leiten wird, weiß niemand. Rational betrachtet sollte der Preis den Tiefpunkt von Anfang 2009 nicht erreichen, denn die Ölproduktion ist seit damals betriebswirtschaftlich teurer geworden. Das liegt nicht nur an der allgemeinen Teuerung von Rohstoffen, bei der man nie weiß, wie viel Börsenpsychologie im Preis enthalten ist. Es liegt auch an der steigenden Komplexität der Aufgabe, Öl aus der Erde zu holen. Es gibt also einen sehr nüchternen Grund, der weitgehend frei von börslicher Psychologie ist.

Heute Morgen werden die Börsen von einer unglaublichen Dynamik beherrscht. In der Nacht sanken die Aktien- und Ölnotierungen noch einmal erheblich. Dabei unterschritt Nordseeöl Brent die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Mittlerweile ist die Szenerie von einer Auftriebswelle erfasst, die nicht minder panikartig aussieht. Die Tonne Gasöl kostet 906,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York 80,41 Dollar und in London zu 103,45 Dollar gehandelt. Der Dollar kostet 70,16 Eurocent.

Unsere Heizölpreise können mittlerweile einen ordentlichen Abgang verzeichnen. Da wir davon ausgehen, dass man an den Börsen nicht ohne schwergewichtige Gründe zur alten Wachstumsdoktrin zurückkehren wird, erwarten wir weiter sinkende Ölnotierung. Die morgendliche Aufwärtsbewegung fassen wir als Teil der Panik auf. Diese kann jederzeit drehen. Sie und wir haben zweieinhalb Jahre auf eine solche Situation gewartet. Zum Warten gehörten Zweifel und Verärgerung. Wir wussten nicht, ob Sie als Kunde oder Nutzer überhaupt noch existieren. Deshalb haben wir zurückhaltend an unserer Technik gearbeitet. Gestern zeigte sich, dass unsere Zurückhaltung unberechtigt, ja falsch war. Sie haben uns überrannt. Für Stunden konnte unsere Plattform Ihren Ansturm nicht bewältigen. Er liegt weit über dem, was wir für möglich gehalten hatten. Unsere Leute arbeiten hart daran, unsere Plattform ausreichend stark zu machen, um Sie gut bedienen zu können. Es handelt sich um Operationen bei laufendem Rennen. Dafür bitten wir um Nachsicht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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