Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Unruhige Zeiten

Die aktuelle Versorgungslage ist gut. Aber die Preise ziehen erneut an. Der Atomstreit mit dem Iran und der Streit um Pressefreiheit versus Achtung religiöser Werte hat sich am Wochenende dramatisch verschärft. Die Börsen lassen sich durch diese politischen Themen zum Wochenauftakt spürbar verunsichern. Der Dollar ist dabei, seinen Abwärtstrend wegen neuer Zinsphantasien in den USA zu verlassen.

In der zweiten Hälfte der letzten Wochen bewerteten die Börsianer den Atomstreit mit dem Iran neu. Sie stuften die Eskalationswahrscheinlichkeit herab und setzen auf eine Verhandlungslösung. Als Folge sanken die Preise deutlich. Aber die Hoffnungen auf Konsens sind erneut geplatzt. Damit droht der Aufwärtstrend der Preise weiterzugehen. Börsianer befürchten, dass der Iran nun doch zur Ölwaffe greift, d.h., die Öllieferungen drosselt. Diese Einstellung zum Markt ist seit der letzten Woche auch in der Verteilung der Kontrakte zu erkennen. Große Spekulanten gewichten Kontrakte auf steigende Kurse deutlich höher als Kontrakte auf fallende Kurse.

Dass es bei aller Verschärfung der Gangart im Atomstreit wirklich zu einer Drosselung der Öllieferungen kommen wird, darf bezweifelt werden. Allenfalls wird eine öffentlichkeitswirksame Einstellung der Öllieferungen in westliche Länder ausgerufen. Die Vermutung liegt nahe, dass das nicht gelieferte Öl nach China fließt. Damit käme es zwar zu einer Umlagerung der Ölströme. Der Welt entginge aber kein Barrel. Dennoch gilt als sicher, dass die Einstellung der Lieferungen an westliche Länder erhebliche Preissprünge an den Börsen verursachen würde.

Die Ereignisse am Wochenende stellten eine von George W. Bush losgetretene Diskussion über die zukünftige Energieversorgung der USA in den Schatten. Diese Diskussion verdient eine weitere Kommentierung. Der Kern der Bush-Aussage lautet: Die USA wollen bis 2025 weitgehend unabhängig von Öllieferungen aus dem Nahen Osten werden. Um das Ziel zu erreichen, streben sie u.a. an, mineralisches Öl im großen Stil durch Öl aus Bioproduktion auf eigenen Äckern zu ersetzen.

Die Zielsetzung ist groß, großartig und leitbildhaft. National kann sie für Aufbruchstimmung sorgen. Dennoch muss sich Bush erhebliche Kritik gefallen lassen. Einem amerikanischen Präsidenten ist es nicht erlaubt, nur in nationalen Kategorien zu denken und zu argumentieren. Ein Land, das die Welt als Ganzes beeinflussen will, ist gezwungen international zu handeln. Durch die Übergewichtung der nationalen Interessen, sich versorgungstechnisch vom Nahen Osten abzukoppeln, verschreckt Bush beispielsweise die Partner in der OPEC, von denen gefordert wird, erheblich mehr in Ölanlagen zu investieren. Damit die Ölpreise nicht aus dem Ruder laufen, sind diese Investitionen unerlässlich. Die undiplomatisch vorgetragene ?grüne? Idee Bushs ist in keiner Weise förderlich für solche Investitionen. Die Antwort von OPEC-Vertretern ließ nicht lange auf sich warten. Eben diese Investitionen wurden umgehend in Frage gestellt, wenn der Präsent nicht willens ist, unter Wahrung aller Interessen zu handeln. Die hier geäußerte Kritik kommt aus dem liberal denkenden Lager.

Grüne Kritiker Bushs werfen ihm vor, nur Worte zu verkünden, denen keine Taten folgen werden. Er sei zu sehr Marionette einer Ölindustrie, die eine ?grüne? Wende niemals zulassen werde. In diesem Punkt steckt eine Fehleinschätzung der privaten Mineralölindustrie. Diese steht, wie die OPEC-Staaten, vor der Herausforderung, riesige Summen in neue Ölinfrastruktur zu investieren. Im Gegensatz zu den gigantischen staatlichen Gesellschaften scheuen die Privaten aber die Investitionen. Das nicht zuletzt, weil sie in den 1980er und 1990er Jahren damit sehr viel Geld verloren hatten. Die Planungssicherheit über einen ausreichend langen Zeitraum ist nicht gegeben. Wenn Bush nun ein Milliardenprogramm für ?grünes? Öl auflegt, kommen die Gesellschaften in den Genuss staatlicher Hilfe beim Aufbau einer neuen Ölinfrastruktur. Die Hilfe würden sie für Investitionen in mineralisches Öl niemals erhalten. Die Vermutung liegt nahe, dass Bush mit seinen Aussagen nicht gegen die Interessen der US-Ölindustrie redet, sondern dass er die Aussagen von ihr diktiert bekommen hat. Wie dem auch sei. Der Weg ist mit Sicherheit richtig. Je höher die Vielfalt der Ölversorgung ist, um sicherer ist sie. Strukturell wird sie immer besser dastehen als die Gasversorgung, die in den jeweiligen Netzen von wenigen Lieferanten abhängt. Die Art Bushs, diesen Weg zu verkaufen, trägt derzeit aber nicht unbedingt zu einer preislichen Beruhigung bei.

Heute Morgen herrscht Unruhe. Die Preise steigen deutlich. Die Tonne Gasöl kostet 546 $. Die preisliche Reaktion auf die Vorkommnisse des Wochenendes ist übertrieben und wird im Tagesverlauf wahrscheinlich gedämpft.

Unsere Heizölpreise steigen wieder. Ölpreis- und Dollarentwicklung laufen gegen die Verbraucherinteressen. Die Befindlichkeit des Markts schwingt zwischen Seitwärts- und Aufwärtstrend der Preise. Man kann auf Grund der politischen Unruhe alles Mögliche erwarten. Nur auf einen spürbaren und nachhaltigen Rückgang der Heizöl- und Energiepreise sollte man nicht setzen. Wer Brennstoff braucht, sollte nicht lange auf kleine Preisverbesserungen warten.

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