Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Unser Jahresrückblick in zwei Teilen

Mittlerweile ist der Rohölpreis über die Marke von 140 Dollar geklettert. Es ist Juli. Seit Jahresbeginn gewann Öl mehr als 60 Prozent an Wert, während die Aktienmärkte, die ein Spiegelbild der erwarteten Wirtschaftsleistung sind, über 20 Prozent verloren. Das Auseinanderdriften der Wertentwicklungen kann nicht von Dauer sein. Der steigende Ölpreis wird die Wirtschaft ersticken. Und dann rauscht der Ölpreis selbst in die Tiefe. Aber noch ist dieses Ende nicht in Sicht. Noch wird über immer phantastischere Preisrekorde fabuliert. Die Politik denkt derweil laut die eine oder andere Erleichterung an, die zwar weit von einer wirkungsvollen Bekämpfung des Phänomens entfernt ist, über die sich aber trefflich in Talkshows schwadronieren lässt. Der Ölpreis ist auf dem besten Weg, zum Wahlkampfthema zu werden. Das Volk und seine Vertreter sind sich einig, dass mehr Öl her muss und dass zu viele Nutznießer ins Spiel getreten sind. Dem wollen wir nicht zustimmen. Um nicht ständig die gleiche Botschaft über nötige Veränderungen auf der Nachfrageseite herauszuposaunen, suchen wir Parallelen zum letzten großen Ölpreisschock. Im Übrigen halten wir viel von der Peak Oil Theorie, ohne uns auf ein bestimmtes Eintrittsjahr festzulegen, und nichts von der Aussage, dass der Welt irgendwann das Öl ausgeht.

Im August bricht sich die Gewissheit Bahn, dass der Ölpreis seinen Zenit überschritten hat, und zwar schon im Juli. Eingeleitet wurde der Preisabgang mit dem Umschichten von Anlagegeldern. Raus aus dem Öl, hinein in US-Dollars. Mit dieser Rochade demonstrierten Spekulanten ihre Anwesenheit. Sie drohten angesichts der ausufernden Peak Oil Hysterie schon in Vergessenheit zu geraten. Es war der legendäre Altspekulant George Soros persönlich, der die Machenschaften seiner Kollegen brandmarkte. Dabei hat er nichts gegen Spekulation an der Börse einzuwenden. Sein Vorwurf lautet „Preismanipulation durch Großgeschäfte außerhalb der Börse“. Bezüglich der Preisbildung herrscht Unsicherheit. Zwar trüben sich die Konjunkturaussichten immer weiter ein, was einen Preisrückgang rechtfertigt. Aber die Peak Oil Debatte hat hohen Ölpreisen eine zeitgemäße Erscheinung verpasst. Mit der freundeten sich Lieferländer und Ölkonzerne schneller an als Verbraucher. Das führte dazu, dass wieder angemessen in Exploration und Infrastruktur investiert wird. Der Preisverfall bereit den OPEC-Funktionären allerdings Sorge. Sie beginnen über Mengenkürzungen zu sprechen.

Die Nachfrage in den USA sinkt. Das ist spätestens im September gewiss. Die Gewissheit betrifft sogar alle OECD-Staaten. Noch klammern sich Konjunkturauguren an China. Aber das Reich der Mitte wankt. Und so heißt die Devise „freie Fahrt für freie Preise“ oder in einem Wort „abwärts“. Der Rohölpreis soll im Verlauf des Monats die 100-Dollar-Marke durchschlagen, dieses mal von oben. Unsere These, dass der Preis sich selbst schlägt, scheint aufzugehen. Die Konsequenz ist allerdings absehbar. Auf die Pest der hohen Ölpreise wird die Cholera des Konjunktureinbruchs und des Arbeitsplatzabbaus folgen. Die lange gärende Finanzkrise nimmt furchtbare Formen an. Davon lassen sich deutsche Verbraucher noch nicht verschrecken. Jetzt wird das, was als preisliche Gunst der Stunde erscheint, genutzt und Heizöl geordert. Der Handel wird von einem Auftragstsunami heimgesucht. Während am Weltmarkt von einem Überangebot die Rede ist, werden die Mengen in Deutschland knapp. Das nutzen Ölkonzerne aus, um deutlich höhere Margen zu realisieren. Motto: „Wenn das Bohrloch nicht mehr so viel Gewinn bringt, muss er an anderer Stelle gemacht werden.“ Das Motto ist zweifelsfrei marktkonform. Sympathie schafft es nicht, zumal die Gewinne der Konzerne explodieren. Im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern war Öl hierzulande nie ein großes Thema. Nun ist es in den Medien. Dort wird es nicht gerade sachkundig behandelt. Es bekommt aber die gewisse Verruchtheit, von der Medienleute meinen, dass sie Publikumsgeschmack sei. Damit werden Heizölkunden aufgescheucht.

Die Dämme sind gebrochen. Die Preise kennen kein Halten mehr. Immobilenkrise, Bankenkrise, Währungskrise, Wirtschaftskrise, es herrscht Untergangsstimmung. Der Preisverfall nimmt ein nicht für möglich gehaltenes Ausmaß an. Im Oktober nähert sich der Rohölpreis der Marke von 60 Dollar pro Barrel. Und das ist nach Lage der Dinge noch nicht das Ende. Nun wird ohne Weitsicht abgeholzt. Investments in neue Ölanlagen werden gestrichen. Infrastrukturprojekte werden gestoppt. Der laufende Preisverfall entwickelt sich zur Basis der nächsten Preissteigerungswelle. Die wird angesichts der Wirtschaftslage allerdings lange auf sich warten lassen. Der deutsche Heizölkunde greift erneut zu und beschert der Branche einen sensationellen Auftragseingang. Die Politik, die Sparsamkeit für ein Programm hält, wirft alle Überzeugungen über Bord und stellt dem Markt unglaubliche Geldsummen zur Verfügung. Es herrscht Putativnotstand. Der Konsum muss gerettet werden. Die Ex-Klimakanzlerin und Noch-Bildungskanzlerin will keine Konsumhürde mehr sehen. Der Bürger soll kaufen. Was spielt keine Rolle. Dass die Chance zur Durchsetzung von Bildungs-, Energieeffizienz-, Klima- und Umweltschutzprogrammen in der Krise liegt, geht an der politischen Klasse fast ausnahmslos vorbei. Dennoch wird ihr vom Volk mehr Führungskompetenz als früher zugestanden. Der Staat als Gesellschaftsmodell hat Konjunktur.

Und weiter sinken die Preise. Im November zieht die OPEC die Notbremse. Fördermengen werden reduziert. So lautet die Ankündigung. Ob sie realisiert wird, weiß man nicht. Die Preise interessiert es nicht. Was man ahnte, wird Gewissheit. Die OPEC ist nicht Herr der Ölpreise. Dennoch wird sie versuchen, weiterhin Herr zu spielen. Für ihre Mitgliedsstaaten wird es nun eng. Die Einnahmen, die ihnen vor Kurzem noch Macht und Erfurcht einbrachten, gibt es nicht mehr. Macht und Ehrfurcht schwinden. Und was ist mit den Verbraucherstaaten, mit den USA? Auch bei ihnen schwinden Macht und Ehrfurcht. Aber dass sie mit ihrem Nachfrageverhalten den Ölpreis weit stärker beeinflussen können, als das zuvor für möglich gehalten wurde, ist evident. Daraus ließe sich ein Zukunftsprogramm stricken. Deutsche Heizölkäufer entwickeln sich zu einer unendlichen Größe. Sie läuten die dritte Bestellwelle des Jahres ein. Unendlich sind auch politische Programmvorschläge, die das Wort Konjunktur in sich tragen.

Schließlich fällt der Ölpreis unter 40 Dollar pro Barrel. Auch 30 Dollar werden für möglich gehalten. Die OPEC senkt nun die Mengen in einem nie da gewesenen Ausmaß. Auch das hilft den Preisen nicht auf die Sprünge. „Es ist die Nachfrage, Dummkopf“ lautet einer unserer Dezemberkommentare. Solange nicht wieder mehr Öl gekauft wird, und wenn es nur auf dem Papier ist, werden die Preise nicht steigen. Es müsste nur einer dieser legendären saudischen oder russischen Staatsfonds Ölfutures kaufen und schon wäre eine Aufwärtsbewegung der Preise wahrscheinlich. Weil das nicht geschieht, darf man die Potenz dieser Fonds und damit die Macht dieser Länder bezweifeln. Die Einzigen, die sich um den Ölkauf kümmern und damit für regionalen Preisauftrieb sorgen, sind die deutschen Heizölkunden. Man fragt sich, wo sie all die leeren Gefäße versteckt hatten, in die nun Öl fließt. Am Weltmarkt wird das nicht wahrgenommen. Dort herrscht die Gewissheit, dass auch China den Nachfragerückgang nicht mehr verhindern kann. In 2008 und 2009 wird die Welt weniger Öl verbrauchen als zuvor.

Damit ist das Öljahr 2008 gelaufen. Es war selten spannend. Was sind nun die Schlussfolgerungen aus den Ereignissen? Öl bestimmt das Wirtschaftgeschehen. Bis heute ist nicht klar, ob die Geldkrise oder die Ölpreiskrise Auslöser der ultimativen Verwerfungen war. Klar ist hingegen, dass die Welt und die Wirtschaft anders gesehen werden müssen, als in den letzten 25 Jahren. Reformen ja sogar Revolutionen sind nötig. Eine solche Revolution wäre ein Programm, dass den weltweiten Pro-Kopf-Verbrauch von einem Liter Öl pro Tag zum Ziel hat, zu realisieren binnen zehn Jahren. Die Förderung könnte um 25 Prozent reduziert werden, um alle zukünftig 10 Mrd. Erdbürger mit Öl zu versorgen. Wir Europäer müssten unseren Verbrauch um 80 Prozent einschränken. Technisch ist das möglich. Verzicht auf Wohlstand ist nicht die logische Konsequenz. Wir sollten es tun, „nicht weil es einfach ist, sondern weil es schwierig ist“. Mit diesen Worten hat John F. Kennedy sein Land einst auf eine große Aufgabe einschworen. Sie haben sie gemeistert.

Zum Ölpreis gibt es aktuell keine grundlegend neue Erkenntnis. Die Tonne Gasöl kostet 414 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 37,94 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,79 Eurocent. Die Abwärtstrends sind intakt.

Unsere Heizölpreise laufen seitwärts. Wir rechnen damit, dass sie im neuen Jahr nachgeben werden, weil sich mittlerweile ein deutlicher rechnerischer Überhang zu den Weltmarktpreisen aufgebaut hat. Insbesondere in Bayern ist er reif, geschlachtet zu werden. Dazu muss die Kauflaune allerdings etwas nachlassen. Trotz der Überhöhung sind die Heizölpreise attraktiv. Das wird nicht ewig so bleiben. Daher empfehlen wir, sich um die Senkung des eigenen Bedarfs zu kümmern. Nur das schützt langfristig vor ausufernden Kosten. Wir wünschen allen esyoil-Kunden, Freunden und Kritikern einen guten Rutsch ins neue Jahr und bedanken uns für die erhaltenen Aufträge, Wünsche und Meinungen.

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