Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Unverhofft kommt oft

Das war eine echte Überraschung. Seit geraumer Zeit wird davon geredet, dass zuviel Öl im Markt ist. Seit geraumer Zeit bleiben die US-Vorräte auf historischen Tiefstständen. Gestern nun löste sich der Widerspruch vollkommen unerwartet auf. Pünktlich zum OPEC-Meeting, das über Produktionskürzungen entscheiden soll, meldeten beide amerikanischen Institute außerordentlich hohe Zuwächse der Rohölvorräte. Die trafen den Handel wie eine Bombe. Der reagierte darauf mit einem kräftigen Preissturz.

Zwischen 9 und 13 Mio. Barrel beträgt die Zunahme des Rohölvorrats gegenüber der letzten Woche. Es gibt es also, das in großen Mengen geförderte Öl. Die OPEC-Führung wird sich über die Daten freuen. Bestätigen sie doch in eindrucksvoller Weise ihre Sorge, dass der Markt in Kürze mit Rohöl überschwemmt werden könnte. Denn zu den derzeit ausgenutzten Kapazitäten kommen in nächster Zeit weitere Mengen aus dem Irak, aus Nigeria und eventuell aus Venezuela. Über die tatsächliche Produktion der Südamerikaner herrscht Unklarheit. Die Regierung meldet Vollauslastung. Die IEA schätzt sie auf allenfalls 2/3 der per Quote zugelassenen Menge ein.

In konkreten Zahlen lautet die Sorge der OPEC-Führung, die Förderung liegt 1,5 bis 1,8 Mio. Barrel pro Tag über der Quotierung und 1,5 bis 2 Mio. Barrel pro Tag über der Nachfrage des Marktes. Das ist auch die Vorgabe für die Kürzung. Die Ölminister werden darüber streiten, denn einige Länder wollen ihre Einnahmemöglichkeiten nicht drosseln.

Sollte sich die OPEC heute zu einer gemeinsamen Kürzungslinie durchringen, ist die Möglichkeit eines Preisverfalls eher gering. Das Barrel sollte sich auf dem aktuellen Niveau, also um die 25$ für OPEC-Öl, einpendeln. Sollten es allerdings nicht gelingen, die Mitglieder auf Linie zu bringen, wäre ein kurzfristiger Preisverfall wahrscheinlich.

Die Vorratsdaten für Heizöl, Diesel und Benzin sind eher unspektakulär. Sie weisen leichte Rückgänge auf. Mittelfristig kann die Produktenproduktion als das bottle neck angesehen werden. Selbst bei einer Überschwemmung des Marktes mit Rohöl kann es im weiteren Verlauf zu angespannten Preisen kommen, weil die Raffinerien nicht genug Durchsatz bringen. Auf der down stream Seite (dem Verbraucher zugewandter Teil der Ölstrecke) wird die Konjunktur für die Preisentwicklung maßgeblich sein. Sollte sie weiter schwach bleiben, wird es schon irgendwie reichen. Sollte sie aber plötzlich anspringen, kann es zu Knappheit und zu hohen Preisen kommen.

Heute Morgen verhält sich der Preis für Gasöl abwartend. Nachdem er gestern um rund 10$ in die Knie ging, bleibt er zum Tagesstart mit 227$ pro Tonne fast unverändert.

Unsere Heizölpreise fielen gestern Abend. Heute könnten sie weiter nachgeben, da das gesamte Potential des Weltmarktes noch nicht ausgeschöpft ist. Dem steht allerdings das zu erwartende OPEC-Ergebnis entgegen. Ob die Preise in der nächsten Zeit neue Tiefststände erreichen oder ob sie sich auf dem aktuellen Niveau einpendeln, ist eine Spekulation wert. Nach unserer Einschätzung geht es trotz der Tatsache, dass genug Öl im Markt ist, nicht wesentlich weiter abwärts, da die OPEC Gegenmaßnahmen trifft. Auch charttechnisch sieht es noch nicht nach einem Preiseinbruch aus. Aber diese Aussage ist höchst spekulativ. Es kann selbstverständlich vollkommen anders kommen.

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