Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Völker hört die Signale

Der Aufwärtstrend hält Kurs. Gestern wurde er durch einen weiteren Abbau in den US-Rohöllagern beflügelt. Außerdem treibt die Nachricht eines starken Nachfrageanstiegs in China und die Peak-Oil-Meldung aus Russland die Preise vor sich her. Positive Verlautbarungen zur Versorgung wie im letzten Report der IEA (Internationale Energie Agentur) oder dem Ölfund Brasiliens, immerhin der größte seit 30 Jahren, werden in einem durch und durch bullischen Marktumfeld ignoriert. Investmentfonds, Banken und Spekulanten stürzen sich ins Öl. Nicht zuletzt wollen sie sich so gegen den fallenden Dollar absichern. Gestern zog die gestiegene Inflation in Europa die US-Währung abwärts.

Trotz des spektakulären Nachfrageanstiegs in China in den Monaten Februar und März reduziert die IEA ihre Nachfrageschätzung für das erste Quartal 2008 um 0,65 Mio. Barrel pro Tag. Um die gleiche Menge reduziert sie die erwartete Steigerung der Gesamtnachfrage für 2008. Für die USA wird ein Nachfragerückgang von 1,4 Prozent vorhergesehen. Die Vorratslage in den OECD-Ländern liegt deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2007. Die aktuelle Versorgungslage ist ausgewogen. Es gibt keinen Grund, über kurzfristige Engpässe besorgt zu sein. Diese Aussage wird an der Börse nicht gehört.

Gehör finden hingegen die Daten vom DOE (Department of Energy) zur wöchentlichen Veränderung in den US-Tanklagern. Sie unterstützen im Gegensatz zu den Daten des API (American Petroleum Institute) die „Wir haben ein Problem“-Stimmung. Dabei lässt die erneute Diskrepanz in den Datensätzen erhebliche Zweifel an ihrem Wert aufkommen. Die Zahlen im Einzelnen:

Rohöl: -2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 7,7 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe waren höher als in der Vorwoche und etwas geringer als im Vormonat. Insbesondere die Rohöleinfuhr hat sich wieder normalisiert. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 81 Prozent gefallen. Dass hier ein dauerhaftes Problem vorliegt, ist unbestritten. Viele große Ölgesellschaften hegen Zweifel daran, dass man in den USA mit Ölprodukten langfristig genug Geld verdienen kann. Daher weigern sie sich, in Anlagen zu investieren. Offensichtlich erwarten sie eine starke Veränderung im Energieverhalten der US-Gesellschaft.

Im langfristigen Vergleich sieht die Bevorratungslage auf Basis der DOE-Zahlen deutlich schlechter aus als vor einigen Wochen. Dass diese Einschätzung stimmt, ist alles andere als sicher. Sie steht im Widerspruch zur Aussage der IEA über die OECD-Vorräte. Im Widerspruch stehen auch sinkende Rohölvorräte, gestiegene Rohölimporte und sinkende Raffinerieverfügbarkeit. Sie passen nicht zusammen. Möglicherweise wird sich das Missverhältnis in der nächsten Woche aufklären.

„Wir haben ein Problem“ wird auch von Russland mit dem Eingeständnis des Vizepräsidenten von Lukoil, dass das Maximum der möglichen Förderung erreicht ist, bedient. Folgt man anerkannten Geologen, hat diese Aussage keinen Neuigkeitsgehalt. Denn die ehemalige Sowjetunion hatte ihr Peak Oil bereits 1987. Danach mussten Ressourcen auf Grund der politischen und territorialen Veränderungen verschoben werden. Größer sind sie dabei nicht geworden. Die „Wir haben ein Problem“-Karte dient Förderländer heute in erster Linie dem Erhalt oder dem Ausbau der hohen Energiepreise.

Mehr denn je liegt es an den Verbraucherländern, dem Problem zu begegnen. Wenn wir uns nicht bewegen, haben wir tatsächlich ein Problem. Bewegen bedeutet, unseren Verbrauch zu senken. Dafür gibt es enormes Potenzial. Viele Wege sind skizziert. Nun müssen sie entwickelt werden. Natürlich kostet das viel Geld. Aber weiterhin auf hohem Niveau fossile Energie zu verbrauchen wird langfristig mehr Geld kosten. Unsere Energie ist unsere Geisteskraft. Für ihren Gebrauch öffnen sich gerade neue Welten.

In der Ölwelt öffnen sich heute Morgen nur neue Preishöhen. Die Tonne Gasöl kostet 1057,75 Dollar. Rohöl in New York wird zu 114,75 Dollar pro Barrel gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen. Kaum etwas anderes erwartet man von ihnen, allenfalls erhofft man es. Die Aussichten für fallende Preise sind lausig. Rückschläge werden wohl nur spärlich ausfallen. Das sollte Grund sein, sich intensiv um die Reduzierung des Verbrauchs zu kümmern. Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so, Rettung im Web mit esytrol. (Entschuldigung für die Anleihe bei Theodor Fontane.)

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