Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Verbrauch zu hoch

Die US-Bestände kommen nicht hoch. Im Gegenteil, seit Ende Juli sind sie wieder rückläufig. Rohöl sinkt sogar seit Mitte Juni. Vor diesem Hintergrund kann sich kein Abwärtstrend entwickeln. Gestern schnellten die Preise nach unerwartet schlechten Daten über die Vorräte in die Höhe und annullierten den Preisrückgang der letzten zwei Wochen.

Damit folgen die Preise weiterhin dem langfristigen Aufwärtstrend, der trotz deutlicher Gegenreaktion im August das stabile Element der Preisbildung darstellt. Die genannte Abwärtsbewegung bereinigte lediglich eine zwischen Juli und August aufgelaufene Übertreibung. Wie wir bereits im August konstatierten, wurde der langfristige Aufwärtstrend dadurch aus charttechnischer Sicht eher gefestigt als in Frage gestellt. Die Preise für US-Rohöl vollziehen ihre Bewegung wieder innerhalb eines Bandes mit einer durchschnittlichen Steigerung von 46% pro Jahr. Es hat seinen Ursprung im September 2003.

Die knappen Fakten zur gestrigen Rallye liegen in den Bestandsstatistiken von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute).

Rohöl: -1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)

Insgesamt betragen die Rückgange in den Lagern 2,7 bzw. 1,9 Mio. Barrel. Die Zahlen sind angesichts der Tatsache, dass die Importe den dritthöchsten Wert der Geschichte haben, bemerkenswert. Zeigen sie doch, dass die USA kein Zufluss- sondern ein Verbrauchsproblem haben.

Und in dieser Erkenntnis liegt vermutlich der eigentliche Grund für die großen Kurssteigerungen. Die Bestandszahlen selbst bieten nicht zwingend ein derartig hohes Preispotential. Sie bewegen sich auf dem gleichen Niveau wie vor drei Jahren. Damals kostete US-Rohöl rund 28$ pro Barrel. Heute liegt der Preis bei 44$ pro Barrel. Doch damals wurden Bestände aufgebaut und das Angebot musste künstlich verknappt werden, um einen Preisverfall zu vermeiden. Heute arbeiten Fördereinrichtungen und Raffinerien am Rande ihrer Möglichkeiten. Dennoch scheint der Markt gerade noch ausreichend versorgt zu werden.

So erstaunt es auch nicht, dass gestern wieder alle fundamentalen Gründe für teure Ölpreise aus der Asservatenkiste gezogen wurden, um den Preisanstieg zu rechtfertigen: Versorgungslücken wegen Hurrikan im Golf von Mexiko - OPEC reduziert Förderung gegenüber Juli - Terrorgefahr für irakische Produktionsanlagen - Yukos droht mit Produktionsstop - OPEC an der Grenze ihrer Förderkapazitäten - Ausfallgefahr weiterer unsicherer Förderstaaten - Sorge über Heizölverknappung zum Winter - Nachfragewachstum über allen Erwartungen. Die Stimmung ist wieder eindeutig bullisch.

Heute Morgen setzt sich der plötzliche Stimmungswandel in einem weiteren Anstieg der Gasölpreise fort. Die Tonne kostet 399$. Das sind 5,3% mehr als gestern Früh.

Unsere Heizölpreise sind wieder ganz oben. So schnell kann es gehen. Gestern berichteten wir noch von einer Aufhellung der Marktstimmung und leicht rückläufiger Tendenz. Heute holt uns die Realität des alles dominierenden Aufwärtstrends wieder ein. Da der Weltmarkt noch Potential für weitere Preissteigerungen bietet, ohne dabei in eine Übertreibung zu geraten, rechnen wir mit neuen Preisrekorden für Heizöl. Trotz der hohen Preise werden Verbraucher sich verstärkt eindecken müssen. Bei steigender Nachfrage kann es zu Lieferengpässen kommen.

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