Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Vernunft noch nicht geschlagen

Einer musste es ihnen sagen. Der an den Börsen gefeierte Aufstieg der Wirtschaft ist nicht die Realität. Niemand soll behaupten, dass darüber nicht bereits gesprochen wurde. Warnungen gab es zuhauf. Hören wollte sie bis dato niemand. Nun plötzlich hören die, die vor wenigen Tagen noch ihr letztes Hemd auf weiter steigende Kurse verwettet hätten. Sie hören auf die Weltbank. Warum sie auf diese und nicht eine andere Adresse hören, wird wohl im Dunkeln bleiben. Es spielt auch keine Rolle. Eine Rolle spielt hingegen eine Zahl. Minus 2,9 Prozent! Es ist das globale Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr. Genauer gesagt ist es das Wirtschaftsschrumpfen. Ein Schock! Ausgelöst wird er weniger durch die Zahl selbst als durch die Tendenz, die in der Zahl steckt. Die letzte Prognose der Weltbank lautete minus 1,7 Prozent. Die aktuelle Zahl macht deutlich, dass es keine Aufhellung der Konjunktur gibt. Die wurde aber an den Börsen gehandelt. So ist es logisch, soweit Logik an der Börse überhaupt anwendbar ist, dass nach der realitätsfernen Euphorie eine Bewegung der Ernüchterung einsetzt. Die schickt alle Börsen auf Talfahrt. Dem kann sich der Ölpreis nicht entziehen. Der gestrige Abgang war derartig stark, dass der Aufwärtstrend mit einem Schlag geschlagen scheint.

Ein Sieg der Einsicht über die Gier? Wird der ideenlosen Doktrin „Weiter wie bisher“ nun die gestalterische Phase „Wenn es nicht mehr geht, mach neu“ folgen? Wahrscheinlich ist diese Hoffnung genauso realitätsfern wie die Hoffnung der Spekulanten, die Kurse auf alte Höhen zurückzutreiben. Die Geister der wundersamen Geldvermehrung sind nicht tot. Sie haben lediglich einen weiteren Schuss vor den Bug bekommen. Aber sie kommen wieder. Darauf ist verlass. Bis es soweit ist, können die Kurse purzeln und mit ihnen der Ölpreis. Bis die Gestaltung über die Bewahrung siegt, werden wohl noch einige Börsenschlachten geschlagen werden.

Ein Blick in die jüngere Geschichte des DAX zeigt einen Abschwung mit mindestens zwei Hauptphasen. Zwischen 2000 und 2003 fiel der Index von gut 8000 Punkten auf fast 2000 Punkte. Bei knapp 4000 Punkten legte er eine so genannte Bärenrallye ein. Die trug ihn auf 5500 Punkte. Danach ging es erneut bergab. Das könnte die Blaupause für die Gegenwart sein. Die Bärenrallye hatten wir. Die Stärke der Rezession sollte nun allemal für einen ähnlichen Abgang wie vor sechs Jahren ausreichen. Man kann fragen, was der DAX mit der Ölpreisbewegung zu tun haben sollte. In der Tat (fast) nichts. Wenn überhaupt wird sich diese nach dem Dow Jones richten. Und der liefert mit dem Kursverlauf der Jahre 2000 bis 2003 keine Blaupause für die Gegenwart. Denn damals wurde der Dow durch eben die Vorgänge künstlich hochgehalten, die die Finanzkrise schließlich auslösten. Er hatte ein historisches Tief in diesem Frühjahr, genau wie der Ölpreis. Das heißt aber nicht, dass der Dow Jones kein neues Tief markieren wird.

Der Ölpreis wird durch die Wirtschaft und durch ihre verschrobenen Repräsentanten Dow Jones, DAX und Co. ohne Zweifel beeinflusst. Deshalb ist ein tieferes Preisniveau wieder denkbar. In Zukunft wird sich der Ölpreis allerdings immer weniger an den alten Indikatoren und an den Wirtschaften der alten Industrienationen orientieren. Seit dem letzten Jahr ist die Ölnachfrage der Schwellen- und Entwicklungsländer größer als die der OECD-Staaten. Diese Tatsache wird keine einmalige Erscheinung bleiben. Sie folgt einem klaren Trend. Die Ölnachfrage in den OECD-Ländern geht in der Krise besonders stark zurück. In den anderen Ländern steigt sie trotz Krise. Die Produktion in den OECD-Ländern sinkt erheblich. Die OPEC-Produktion steigt so stark, dass sogar im Krisenjahr 2008 eine leichte Zunahme der Weltproduktion registriert werden konnte. Starke Eindrücke aus der Wirtschaft werden spürbare Impulse auf die Ölpreisbildung ausüben. Die können auch aus den alten Ökonomien kommen. Ein Abbild des Dow Jones wird der Ölpreis aber immer weniger sein. Während der Dow durchaus in ein noch tieferes Loch fallen kann, ist das für den Ölpreis derzeit kaum vorstellbar.

Vorstellbar ist aber eine ordentliche Gegenbewegung zum letzten Aufwärtstrend. Heute Morgen sieht es nach einer Fortsetzung des gestrigen Abgangs aus. Die Tonne Gasöl kostet 535 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 66,37 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,98 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise folgen dem Weltmarkt eng. Dieses Mal ist es eine erfreuliche Tatsache, denn es geht abwärts. Der Auftakt zum Abgang der Preise war viel versprechend. Die Heftigkeit der Bewegung lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Die Chance für tiefere Heizölpreise hat sich deutlich erhöht. Dass dabei der gesamte Anstieg der Monate Mai und Juni annulliert wird, sehen wir allerdings nicht. Langfristig gilt die bekannte Devise, Schutz vor hohen Heizkosten muss im Verbrauch gesucht werden. Er ist gestaltbar. Die Preise sind es nicht. Die müssen genommen werden, wie sie kommen. Dabei kann man sich natürlich gute und schlechte Zeitpunkte aussuchen. Wer die Entwicklung verfolgen möchte, ohne täglich das Internet zu konsultieren, sei auf unseren Preisalarm verwiesen.

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