Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Versorgung so sicher wie Blüms Renten

Die Preise gaben gestern nach. Dem bullischen Treiben der letzten Tage fehlt die fundamentale Substanz. Maßvoll rückläufige Preise wären für die aktuelle Versorgungslage angemessen. Gefahren für einen Aufwärtstrend sind allerdings vorhanden. Sie treffen auf einen fruchtbaren mentalen Boden bei den Börsianern. Der Dollar festigt den beginnenden Abwärtstrend. Der wurde durch das angekündigte Ende der Zinserhöhungsphase eingeleitet. Nun werden das hohe Staatsdefizit und die negative Außenhandelsbilanz der USA wieder zum Thema.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben gestern Auskunft über die aktuelle Lage in den US-Öllagern. Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick anderes vermuten lassen, kann die Lage als gut bezeichnet werden. Die Zahlen i.E.:

Rohöl: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,6 (DOE) bzw. ein Abbau von 5,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen auf dem Niveau der Vorwoche und des Vorjahres. Die Raffinerieverfügbarkeit ist gegenüber der Vorwoche gesunken. Mit 88 Prozent ist sie deutlich zu niedrig. Die zusammengefasste Beschreibung der Veränderung zur Vorwoche befriedigt nicht. Die Lage im Vergleich zu den Vorjahren ist dennoch ausgezeichnet. Innerhalb der letzten fünf Jahre war die Gesamtbevorratung in der zweiten Dezemberwoche nie höher. Die Heizölvorräte waren nur im Jahr 2001 höher als heute.

Damals kostet Heizöl auf dem internationalen Markt knapp 30 Prozent des heutigen Preises. Es war der niedrigste Preis im neuen Jahrtausend. Die Phase der Überversorgung durch Saudi Arabien mit ihren historischen Tiefstpreisen war erst wenige Jahre vergangen. An eine Umkehr im Angebots-Nachfrage-Verhältnis zu Ungunsten der Verbraucherländer wollte kaum jemand denken.

Genau das ist aber heute das Hauptthema an den Börsen. Wie weiland Norbert Blüm über die deutschen Renten kann man sagen, die Versorgung ist sicher, solange man nicht den Zeitraum nennt, für den der Satz gelten soll. Die weltweite Nachfragesteigerung stellt die Selbstverständlichkeit eines ausreichenden Ölstroms in Frage. Das heißt nicht, dass er tatsächlich Abrisstendenzen zeigen wird. Für genügend Geld wird Öl an jeder Stelle der Erde zu haben sein. Es heißt nur, dass Öl durch einzelne preistreibende Effekte immer teurer wird. Und schließlich gleicht sich nichts weltweit schneller an als der Preis.

In Naher Zukunft sind neben den üblichen saisonalen Ungewissheiten wie Kälte oder Stürme weitere Einflüsse zu befürchten, die sich negativ auf die Ölpreisentwicklung auswirken könnten. Die größte Gefahr geht derzeit vom Iran aus. Die politische Entwicklung lässt zunehmend weniger Raum für die Hoffnung eines Miteinander im gegenseitigen Respekt und unter Wahrung der gegenseitigen Interessen. Von der Eskalation der Worte bis zum Griff an den Ölhahn scheint die Distanz rasant zu sinken. Mittlerweile rücken selbst militärische Eingriffe wieder in den Bereich des Denkbaren. Sollte das passieren, nähme die Ölpreisentwicklung mindestens einen vergleichbaren Schaden wie durch die Folgen des Irakkriegs. Er kann als Initialmoment der aufstrebenden Preisentwicklung verstanden werden, wenngleich er nicht die alleinige Ursache dafür ist.

Die Wahrscheinlichkeit für steigende Ölpreise ist aus heutiger Sicht hoch bis sehr hoch. Wirklich Bahn brechen dürfte sich die Preisentwicklung aber erst im Verlauf des Jahres 2006. Die Aktuelle Entwicklung steht durchaus im Widerspruch zur langfristigen Perspektive. Sie setzt sich heute Morgen mit sinkenden Gasölpreisen fort. Die Tonne kostet 523,50 $.

Unsere Heizölpreise behalten ihr unspektakuläres Hin und Her bei. Wir erwarten heute keine nennenswerte Veränderung. Nord- und Südpreise im Inland nähern sich einander langsam an, obwohl die Situation auf den Wasserstraßen weiterhin angespannt bleibt. Die Nachfrage ist mittlerweile aber so weit gesunken, dass Engpässe kaum noch auftreten können. Mindestens kurzfristig halten wir an der Prognose seitwärts verlaufender Preise fest.

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