Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Versorgungssorgen

Die Ölmärkte bleiben bullisch wie selten. Gestern stiegen die Preise schon wieder, ohne dass sie zuvor die sich andeutende Gegenreaktion durchschritten hatten. Begründet wird der schnelle Sinneswandel zum Vortag mit erneuten Sorgen über die US-Benzinversorgung. Der Verdacht einer Verknappung wird nun sogar von der Regierung geschürt. Ein Einlenken der OPEC bezüglich einer Erhöhung der Liefermengen und die überraschend guten Daten über die US-Rohölvorräte konnte die Bullen nicht stoppen.

Die Benzinversorgung der USA wird seit geraumer Zeit skeptisch beurteilt. Schärfere Umweltschutzregeln machen die Eigenversorgung schwieriger. Es lohnt sich nicht, die teilweise maroden Raffinerien mit ausreichender Entschwefelungstechnologie aufzurüsten. Ähnlich sieht es in Venezuela, dem wichtigsten Rohöl- und Benzinlieferanten für die USA, aus. Auch dort wurde die Technik in den letzten Jahren ungenügend modernisiert. Damit geraten die USA noch stärker in die Abhängigkeit von Öl- und nun auch Benzinproduzenten in der Golfregion und in Fernost.

Zu allem Überfluss droht Venezuela nun auch noch ein Bürgerkrieg. Über Jahre wuchs der Unmut über den Präsidenten Hugo Chavez, der sein Land tiefer in das wirtschaftliche Aus führte. In regelmäßigen Abständen meldete sich das Volk lautstark mit der Forderung nach seinem Rücktritt zu Wort. Bisher konnte Chavez alle Protestwellen abwehren. Aber jede Welle nahm an Intensität zu. Und bei jeder Welle büßte die Ölindustrie einen Teil ihrer Leistungsfähigkeit ein. Genau wie der Irak verlor auch Venezuela in der letzten Dekade im nennenswerten Maß an Förderkapazität. Und genau wie der irakischen Ölindustrie droht auch in Venezuela auf Grund nicht getätigter Investitionen der Kollaps dieser Industrie. Irak und Venezuela gehören zu den ganz Großen der Ölwelt.

Momentan rollt wieder eine Unruhewelle durch das Land. Die USA verlangen von Chavez Ordnung. Sie drohen mittlerweile offen mit einem Einmarsch. Chavez kontert mit der Androhung eines Ölboykotts. Der US-Energieminister Abraham kündigt seinem Volk schon eine weitere Verteuerung des ohnehin teuren Benzins an. Angesichts der Axt-im-Walde-Politik der Bush-Regierung steht zu befürchten, dass hier Emotionen der Seele eines Autovolks hochgekocht werden sollen, um die Legitimation für ein militärisches Eingreifen in Venezuela zu bekommen. Wie zuvor mit dem Irakkomplex werden nun in der Benzin-Venezuela-Angelegenheit die Bullen an den Ölmärkten bedient. Momentan ist keine Chance auf fallende Preise in Sicht.

Der US-Dollar verhielt sich gestern neutral. Heute gibt es Arbeitsmarktzahlen. Danach wird es vermutlich wieder Bewegung der Währung zum Euro geben.

Gasöl verteuerte sich gestern wieder. Der rasante Abschwung des Vortags war schöner Schein. Die Realität hat den Preis für die Tonne wieder auf 284$ getrieben.

Unsere Heizölpreise verteuerten sich entgegen unserer Erwartung bereits gestern wieder. Dass sie steigen, schien unabwendbar. Dass sie aber bereits nach wenigen Stunden wieder steigen, überrascht doch. Es kann als Zeichen für die feste Einstellung der Preisentwicklung gewertet werden. Vermutlich werden die Heizölpreise nun die kaufenswerte Zone verlassen. Noch sind sie dank des Dollarkurses 22% billiger als vor einem Jahr. Der Vergleich wird sich in den kommenden drei Woche aber rasant zu Ungunsten aktueller Preise entwickeln.

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