Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Viel Bewegung, wenig Effekt

Gestern wurden die Kurse durch die US-Bestandsdaten kräftig durchgeschüttelt. Nach Verlusten von über einem Dollar drehte der Markt wieder ins Plus. Die Daten lassen keine schlüssige Aussage über den Stand der Versorgung zu. Der Dollar verlor nach Bekanntgabe eines neuen Rekorddefizits der US-Handelsbilanz über einen Prozent.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lieferten erneut Werte, die mindestens beim Rohöl dem Motto ?Wer viel misst, misst Mist? folgen. Vertrauen lässt sich damit nicht schaffen. Tendenziell stützen chaotische Bestandsmeldungen die Preise. Die Daten lauten im Einzelnen:

Rohöl: -3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Bestandsabbau von 0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. ein Bestandsaufbau von 7,7 Mio. Barrel (API). Die Importe fielen auf die Vorjahreswerte zurück. Die Raffinerieverfügbarkeit sank. Sie ist allerdings noch besser als vor einem Jahr.

Mangels Aussagekraft der Bestandswerte müssen sich Händler von anderen Nachrichten inspirieren lassen, wenn sie fundamentale Argumente suchen. Daten über das Wetter, das zu dieser Jahreszeit eine wichtige Rolle spielt, weil es Aufschluss über die Heizölsituation geben soll, sind allerdings nicht minder unzuverlässig. Derzeit ist es warm in den US-Heizölregionen. Es wird aber seit einigen Tagen von einer heraufziehenden Kältewelle berichtet.

Sicher ist dagegen, dass es Liefereinbußen aus der Nordsee gibt, wo Stürme für einige Probleme sorgten. Auch aus Nigeria und dem Irak kommt weniger Öl. Unruhen und Terror sind dort die andauernde Begleiterscheinung. Befürchtungen, dass die OPEC am 30. Januar einen Beschluss über die Reduzierung der Liefermengen fassen wird, wirken ebenfalls preistreibend.

Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die Preisen unter 40$ für das Barrel US-Öl keine Chance mehr einräumen. Vom Ende der Ölzeit sind wir zwar weit entfernt. Es gibt ausreichend Reserven, um den Bedarf für viele Jahrzehnte zu decken. Die Förderung wird aber immer teurer. Und das spiegelt sich im Preis wider. Ein verlangsamtes Wachstum der russischen Ölindustrie, Raffinierungsengpässe in den USA, die chinesische und indische Nachfrage und die Probleme im IRAK werden nach Analystenmeinung 2005 zu einem teuren Jahr machen. Die Preisschwankungen werden groß sein. Der Jahresdurchschnittspreis dürfte zwischen 42$ und 50$ liegen.

Die aktuelle Unsicherheit über die fundamentale Situation spielt der Charttechnik die Herrschaft über die Preisbildung zu. Daher steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Aufwärtstrend. Die aktuellen Preise haben die untere Begrenzung eines langfristigen Aufwärtstrends erreicht, der seinen Ursprung im September 2003 hat.

Der US-Dollar hat in den ersten Tagen des Jahres mit einer unerwarteten Stärke überrascht. Gestern überraschten die USA mit einem neuen Rekorddefizit in ihrer Handelsbilanz. Die darauf folgende Richtungsumkehr mit starker Verbilligung der US-Währung überraschte dann nicht mehr. Man nimmt an, dass der Dollar nun zum Abwärtstrend zurückkehrt.

Die Gasölpreise reagieren erstaunlich zurückhaltend auf die gestrigen Gewinne an der New Yorker Börse. Heute Morgen kostet die Tonne 384,50$. Das ist möglicherweise ein Zeichen, dass sich Gasöl und Heizöl der Tendenz des Rohöls widersetzen und sich nicht von einem Aufwärtstrend erfassen lassen.

Unsere Heizölpreise tendieren seitwärts. Moderat steigende Gasölpreise werden durch den starken Dollarrückgang kompensiert. Die Preisentwicklung bleibt extrem undurchsichtig. Wir gehen weiterhin von einer Seitwärtsbewegung unserer Preise aus. Ein starker Preisrückgang, auf den viele Verbraucher warten, ist nicht in Sicht.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen