Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Viel Wirbel am Ende des Sturms

Die US-Bestandsdaten sind widersprüchlich und dennoch gut. Der Zyklon am Persischen Golf hinterlässt keine Schäden an Ölanlagen. Der Markt ist ordentlich versorgt. Trotz dieser positiven Umstände bleibt das hohe Preisniveau erhalten. Tendenziell steigt es sogar. Spekulanten suchen krampfhaft nach dem bullischen Argument, das einen Aufwärtstrend in Gang setzt. Gestern versuchten sie es mit einer Meldung über einen Einmarsch türkischer Truppen in den Irak. Die Nachricht war wahrscheinlich eine Ente. Und selbst wenn sie es nicht wäre, taugte sie nicht ernsthaft, um damit Probleme des Ölmarkts anzuzeigen. Der Dollar dreht wieder in den moderaten Aufwärtstrend. Die Bewegung ist gering. Der Einfluss auf die Ölpreise in Europa ist zu vernachlässigen.

Interessierte Kreise geben sich viel Mühe, dem Ölmarkt schwierige Zeiten anzudichten. Die Liste der argumentativen Dauerbrenner ist lang und nicht ohne Brisanz. Sie liest sich wie folgt: Atomstreit mit dem Iran, US-Kriegsschiffe am Persischen Golf, Unruhen in Nigeria und im Irak, Raffinerieprobleme in den USA, weltweites Nachfragewachstum, negative Hurrikanprognosen für den Golf von Mexiko. Kurzfristig kommen die oben genannten Themen hinzu. Grund zur Sorge, dass eines der Themen heiß werden könnte, gibt es durchaus. Ein spürbar negativer Einfluss auf die Versorgung ist bisher aber nicht eingetreten und derzeit gibt es keinen Hinweis, dass ein solcher eintreten wird. Am Beispiel des US-Benzinmarkts zeigt sich, dass die Phantasie der Spekulanten dazu neigt, von der Realität abzuheben. Dem Markt wurden über Monate drohende Versorgungsengpässe unterstellt. Eingetreten sind sie nicht. Die Benzinpreise flogen davon. Inzwischen sinken sie wieder.

Die US-Bestandsdaten sind zwar kein Pool verlässlicher Information. Ihr von den Institutionen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) ermittelter Gehalt ist widersprüchlich. Als Skizze der Marktlage sind sie aber durchaus verwendbar. Aus diesen Daten lässt sich momentan kein drohendes Problem ableiten. Sie lassen einzig den Schluss zu, dass es um die Versorgung des Markts entspannt steht. Die Veränderung zur letzten Woche ist positiv. Die Raffinerien haben den hohen Rohölbestand trotz schlechter Verfügbarkeit befriedigend in Produkte umsetzen können. Folgende Zahlen wurden gemeldet:

Rohöl: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +7,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,3 (DOE) bzw. 5,0 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit fällt auf 90 Prozent. Der Wert ist nicht gut. Er war vor Kurzem aber noch schlechter. Nach wie vor darf man hoffen aber auch zweifeln, dass die US-Raffinerieschwäche überwunden ist.

Insgesamt liegen die Bestände knapp unter denen des Vorjahres, über denen vor drei Jahren und punktgenau auf dem Niveau vor fünf Jahren. Aus versorgungstechnischer Sicht ist das in Ordnung. Die Preise am Weltmarkt befinden sich wenige Prozent unter denen des Vorjahres und fast 200 Prozent über dem Niveau vor fünf Jahren. Dennoch muss man damit rechnen, dass die Versuche, die Preise in die Höhe zu treiben, fortgesetzt werden. Die Preischarts signalisieren gegenüber gestern immerhin eine reduzierte Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis auf dem hohen Niveau von gestern Abend. Die Tonne kostet 610,25 $.

Unsere Heizölpreise kämpfen weiterhin am Limit zum Aufwärtstrend. Die US-Bestandsdaten konnten die bullische Attacke nicht abwehren. Sie konnten sie allenfalls im Zaum halten. Dennoch halten wir mit gebotener Skepsis an der Prognose eines Seitwärtstrends fest. Der Binnenmarkt ist nach wie vor leblos. Daher sind die Preise immer noch um einen auskömmlichen Margenanteil reduziert. Das wird sich ändern, sobald Leben in den Markt zurückgekehrt ist.

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