Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Vollkommen losgelöst

Wer oder was holt die Preise dort wieder herunter? Diese Frage stellt sich angesichts der aktuellen Jagt nach Rekorden. Im Wochenverlauf wurden die Preismarken 50$, 51$, 52$ und 53$ für das Barrel Rohöl der Marke WTI der Reihe nach geknackt. Eine klassische Rallye, die mittlerweile im Wesentlichen vom Aufwärtstrend selbst getragen wird.

Fundamentale Gründe für hohe Preise existieren zuhauf. Sorge über Heizölverknappung zum Winter
Förderung im Golf von Mexiko knapp 30% unter Normal, niedrige US-Vorräte, Terrorgefahr für irakische und saudische Produktionsanlagen, Ausfallgefahr wegen Streik in Nigeria, Ausfallgefahr wegen Streik in Norwegen, Ausfallgefahr wegen Steuerstreit bei Yukos, OPEC an der Grenze ihrer Förderkapazitäten,
Nachfragewachstum über allen Erwartungen, DOE erhöht Nachfrageprognose für das vierte Quartal auf 84,4 Mio. Barrel pro Tag.

Es gibt wenig ambitionierte Versuche der OPEC, den hohen Preisen Einhalt zu gebieten. Die Vereinigten Emirate kündigen eine Ausstoßerhöhung ohne Termin aber mit Menge an. 0,3 Mio. Barrel pro Tag sollen es werden. Saudi Arabien gibt weitere Möglichkeiten der Liefererhöhung zu Protokoll. Purnomo Yusgiantoro, Präsident des Kartells, weiß allerdings nichts von geplanten Liefererhöhungen der OPEC. Immerhin fördert man mit über 30 Mio. Barrel pro Tag deutlich über Quote.

Die Argumente für steigende Preise sind erdrückend. Dennoch rechtfertigen sie kaum die aktuellen Spitzenpreise. Die viel zitierten Bestände, die seit Monaten ein schlechtes weil rückläufiges Bild abgeben, befinden sich seit zwei Jahren in diesem beklagenswerten Zustand. Eine dramatische Zuspitzung der Lage ist bisher noch nicht zu erkennen. Der Preis hingegen hat sich im gleichen Zeitraum aufgeschwungen. Zunächst verlief der Aufwärtstrend unentschlossen und langsam. Seit einem Jahr verläuft er entschlossen und beschleunigt. Er hat sich von der realen Bevorratungslage gelöst.

Allgemein werden immer wieder Spekulanten für die Preisentwicklung verantwortlich gemacht. In Übertreibungssituationen wie dieser ist das Argument nicht von der Hand zu weisen. Spekulatives Geld übt große Anziehungskräfte aus. Und so folgt ihm meist eine größere Summe, die für weitere Preissteigerungen sorgt. Es entsteht eine Spekulationsblase, die irgendwann platzt. Die Blasenbildung kann durchaus über viele Monate andauern. Aktuell ist die Anzahl derer, die auf steigende Kurse setzt, noch nicht sehr groß. Auffällig ist, dass Kleinspekulanten, die in den letzten Monaten die Überhitzung der Preise mit einem Engagement auf fallende Kurse begleiteten, vermehrt von dieser Position abrücken. Die Börsenerfahrung lehrt, wenn es keine Zweifler mehr an einem Trend gibt, rückt sein Ende näher.

Die eingangs aufgeworfene Frage kann auch lauten, wer löst dieses Ende aus? Die Hoffnung liegt auf George W. Bush. Nach wie vor besteht die Möglichkeit, dass er die strategischen Reserven der USA teilweise freigibt. Die Wahrscheinlichkeit für diesen Schritt ist allerdings gering. Seit Bush seine Politik gefunden hat, das war im Anschluss an die Ereignisse vom 11. September 2001 der Fall, hat der Ölpreis seinen Aufwärtstrend aufgenommen. Bush hat die Welt und ihre Ölversorgung unsicherer gemacht. Im Ölpreischart wird dies deutlich. Es ist kaum vorstellbar, dass George W. Bush den von ihm eingeleiteten Trend plötzlich brechen könnte. Hierzu bedürfte es eines Politikwechsels, der sowohl im Geopolitischen wie in den Grundlagen von Energieverbrauch und Energieversorgung ansetzte. Davon sind wir derzeit weit entfernt.

Es sieht so aus, als sei die Zeit der Spekulation auf teureres Öl noch lange nicht am Ende. Die Hoffnung auf schnelle Änderung sollte begraben werden. Sie sorgt derzeit nur für zusätzliche Gefahren. Denn sie treibt Verbraucher dazu, ihre Tanks nicht rechtzeitig aufzufüllen. Es ist zu erwarten, dass dies mit Einbruch der ersten Kälte zu panikartigen Bestellungen führt. Auf die kann der Handel angesichts reduzierter Ölflüsse aber nicht entsprechend reagieren. Wartezeiten und eventuell ein kaltes Haus werden die Folge sein. Und das alles zu dem Preis, dass eben dieser nicht besser ist.

Heute Morgen steigt der Gasölpreis weiter. 482,50$ pro Tonne ist bereits wieder ein neuer Rekord.

Unsere Heizölpreise haben relativ zum Weltmarkt etwas nachgegeben. Das werden Verbraucher nicht bemerken, da letzter andauernde Preisrekorde beisteuert. Daher weisen wir darauf hin. Die Nachfrage ist wieder eingebrochen, was zu einer Reduktion der Margen führt. Im Umkehrschluss heißt das, wenn die Nachfrage steigt, kann sich zusätzliches Steigerungspotential im Heizölpreis entfalten. Entgegen früherer Empfehlungen raten wir daher dazu, sich umgehend einzudecken, auch wenn der Vorrat noch bis zum Jahresende reicht.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen