Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Vom Wesentlichen der Ölpreisentwicklung

Die Ölpreise machen keine Anstalten, von ihrem hohen Niveau zurückzukommen. Im Gegenteil, sie erobern sukzessive neue Hochs. In Europa ist Rohöl so teuer wie nie zuvor seit dem zweiten Weltkrieg. In einer mit Informationen und Daten gefluteten Welt kann man den Eindruck gewinnen, dass eine Vielzahl von Einflüssen für die unstet verlaufende Teuerung verantwortlich ist. Börsennachrichten scheinen das zu bestätigen. Sie zitieren nicht endende Mengen von Indikatoren unterschiedlicher Herkunft zu unterschiedlichen Marktbetrachtungen. Ihr Gehalt ist allerdings so dürftig wie die ökonomischen Modelle, die sie hervorbringen und die sie weiterverarbeiten. Die meisten Informationen und Daten verhindern das Verstehen. Ihre Er- und Verarbeitung folgt einer ideenlosen Beschäftigungstherapie, die im Zweifel angibt, das Herausziehen einer fundamentalen Störung nicht erkannt haben zu können, weil sie im Modell nicht vorgesehen war.

Erhebt der Betrachter seinen Blickpunkt aus den Niederungen der täglichen Informations- und Datenflut, kann er Zusammenhänge erkennen und Erklärungen finden, die unschwer zu verstehen sind. Auf die Ölpreisentwicklung bezogen lauten sie wie folgt:

Die klassische Vorstellung, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, ist nach wie vor gültig. Gültig ist aber auch das nicht minder klassische Wissen, wonach Wirtschaftsleistung und verfügbare Geldmenge ein weitgehend konstantes Verhältnis haben müssen, um Preisstabilität zu erreichen. Ein auf eine Nachfrage bezogenes zu geringes Angebot oder eine auf ein Angebot bezogene zu hohe Nachfrage führen zu Preissteigerung. Gleiches geschieht, wenn die Geldmenge stärker ausgeweitet wird, als die Wirtschaft wächst. Beides zusammen verursacht die zu beobachtende Ölpreissteigerung. Einerseits gibt es tatsächlich so etwas wie ein hoch kritisches Angebot-Nachfrage-Verhältnis. Über lange Zeiträume zeigt es eine moderate, stetig steigende Nachfrage als Folge eines steten Wirtschaftswachstums. Die Angebotsseite ist derweil unstet im Gefolge diverser Einflüsse aus Politik, Naturereignissen und betriebswirtschaftlichen Ideologien. Andererseits findet die Geldmengenausweitung real statt. Es gab sie vor dem Ausbruch der Finanzkrise bedingt durch übertriebenen Liberalismus im Umgang mit der monetären Geldtheorie. Es gibt sie seit dem Ausbruch der Finanzkrise durch die exzessive politische Praxis monetärer Staatshilfen.

Beide Systeme, das von Angebot und Nachfrage beim Öl und das der Finanzen, weisen hohes Störungspotenzial auf. Beim Öl ist es der Umstand, dass die begrenzten Ressourcen nur ungenügende Reservekapazitäten auf der Angebotsseite erlauben. Bei den Finanzen ist es die Tatsache, dass zwei sich widersprechende Theorien gleichzeitig angewendet werden, ein neoliberal ausgelegter Monetarismus im Bankenbetrieb, der erwiesenermaßen nicht funktioniert, und ein partiell angewendeter Keynesianismus auf Seite der Staaten, der die Funktionsstörung des Monetarismus auffangen soll.

Aktuell machen die ungenügenden Reservekapazitäten das Ölsystem höchst anfällig für die politische Störung durch die Iranaffäre. Im letzten Jahr galt Gleiches für den Bürgerkrieg in Libyen. Mangelhafte Reservekapazitäten waren auch eine wesentliche Ursache für den Ölpreisanstieg bis 2008. Bedingt durch den Wirtschafts- und Nachfrageeinbruch in 2008 und 2009 stiegen die Reservekapazitäten an. Der Ölpreis brach ein. Die anschließende Wirtschaftserholung und einige handhabbare Störungen in der Versorgungskette ließen die Reservekapazitäten aber bald wieder sinken. Heute sind sie höher als vor Ausbruch der Finanzkrise. Üppig sind sie definitiv nicht.

Die übermäßige Ausweitung der Geldmenge, die in 2008 mitverantwortlich für den Finanzcrash war, hielt nach Beginn der Krise kurzzeitig inne. Bedingt durch die staatlichen Hilfsmaßnahmen setzte sie sich bald wieder fort. Heute ist sie mindestens so virulent wie vor Ausbruch der Krise. Ihr inflationäres Potenzial ergießt sich unter anderem im Ölpreis.

Sowohl das Öl- als auch das Finanzsystem sind nicht auf Dauer angelegt. Beim Öl legt die Endlichkeit der Ressource die Grenze der Anwendung fest. Beim Finanzsystem ist es der inflationäre Charakter, in den das System geschickt wurde. Beide Systeme können aber noch lange fortbestehen. Da Menschen bisher nichts Besseres gefunden oder entwickelt haben, das in den Dimensionen dieser beiden Systeme funktioniert, werden sie alles daran setzen, sie in Funktion zu halten. Es ist allerdings absehbar, dass die Störungen zunehmen werden, denn beide Systeme laufen grenzwertig.

Heute Morgen verläuft die Preisentwicklung beim Öl ähnlich wie in den Tagen zuvor. Sie fällt. Am Ende des Tages stand der Ölpreis aber oft höher als am Vortag. Es ist ein typischer Verlauf für ein bullisches Marktumfeld, das permanent an der oberen Grenze laboriert. Die Tonne Gasöl kostet 1.045,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 107,51 Dollar und in London zu 124,83 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,57 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Sie folgen damit den Ölnotierungen, die moderat zurückkamen, und den Dollarnotierungen, die deutlich nachgaben. Die Bewegung verläuft im Rahmen des Aufwärtstrends, dessen Grundkomponente die Inflation ist. Kurzfristig mag der Trend in einen Seitwärtstrend übergehen. Das wäre dann aus unserer Sicht eine gute Entwicklung. Die Gefahr für deutlich steigende Preise besteht aufgrund der Iranaffäre weiterhin. Hier kommt die Zusatzkomponente eines knappen Ölangebots zum Ausdruck. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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