Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Von Schweinen, Säuen und Preisen

Nun ist die Schweinegrippe für die Ölpreise und einen weiteren Wirtschaftsabschwung verantwortlich. An den Märkten wird der Stoff, aus dem Kurse gemacht werden, dünn. Da greift man gerne mal daneben. Bevor die notleidende Wirtschaft endgültig zum Abschuss freigegeben wird, wäre ein Blick auf die Fakten und in den Rückspiegel der jüngeren Geschichte angebracht. Erstes zeigt, dass der Schweinegrippe bisher zwei millionstel Prozent der Weltbevölkerung zum Opfer gefallen sind. Als Folge von Hunger oder Autounfällen waren in den letzten Tagen um ein Vielfaches mehr Todesfälle zu beklagen. Zweites führt uns unser Interesse an Superlativen in den Nachrichten vor Augen. Eine Seuche reicht nicht aus. Es muss eine Pandemie sein. Die letzte „Pandemie“ war die Vogelgrippe. Die haben wir überlebt, vom Rinderwahn ganz zu schweigen. Die Sau, die nun durchs mediale Dorf gejagt wird, heißt Schweinegrippe. Da passen schon mal Vorgang und Name zueinander.

Sachlich betrachtet ist die Entwicklung der Ölpreise in der Tat eher langweilig. Sie befinden sich in einem sehr müden kurzfristigen Abwärtstrend. Von einem größeren Wurf, der in der letzten Woche noch zu vermuten war, kann nicht berichtet werden. Mittelfristig wird die Sache wohl eher auf einen Seitwärtstrend hinauslaufen. Der Dollar gibt wieder das Gegenstück dazu. Er steigt. Der Zusammenhang mit der Realwirtschaft ist beim Öl immerhin etwas besser hergestellt als bei den Aktien. Die flogen der Realität in den letzten Wochen deutlich davon.

Angesichts des Neuigkeitsmangels am Markt bietet es sich an, sich mit einer populären Meinung zum Marktgeschehen selbst auseinanderzusetzen. Diese kommt in folgendem Zitat eines Lesers unserer Kommentare beispielhaft zum Ausdruck: „... seit einigen Monaten lese ich Ihre Kommentare über den Ölpreis im Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung. Es ist interessant, immer wieder zwischen ihren Zeilen herauszulesen, wie enttäuscht Sie über die Heizölpreisentwicklung sind. Kein Wort verlieren Sie dagegen über die Diskrepanz zwischen den aktuellen Rohöl-Fasspreisen und den derzeitigen unverschämt hohen Benzin und Diesel-Preisen. Das wird nicht hinterleuchtet und auch nicht ansatzweise von Ihnen erwähnt. Es wird Zeit, dass man dieser Öl-Maffia das Handwerk legt.“

Wir, die Macher und Mitarbeiter von esyoil, schreiben unsere Meinung nicht zwischen den Zeilen. Wir äußern sie unverschlüsselt. Sie deckt sich mit unseren jeweiligen Persönlichkeiten und unseren Handlungsweisen. Diese Übereinstimmung zu schaffen, ist uns ein wesentliches Anliegen in der Gestaltung unserer Firma. Bei uns gibt es keine einseitige Ausrichtung auf Gewinnziele. Wir bemühen uns darum, ein ganzheitlicheres Verständnis von persönlichen, auch im Sinne von sozialen, und gesellschaftlichen Belangen zu praktizieren.

Enttäuscht sind wir allenfalls, wenn unsere Prognosen nicht zutreffen. Dann haben wir keine gute Arbeit im Sinne der Nutzer und Kunden geleistet. Zur Höhe der Preise stehen wir grundsätzlich ambivalent. Einerseits wünschen wir Verbrauchern niedrige Preise, diese mehr noch in armen Zonen der Welt als bei uns. Andererseits wissen wir, dass fossile Energie zu billig ist. Der Preis spiegelt weder den wahren Wert noch die wahren Kosten, die im begrenzten System Erde erzeugt werden. Ähnlich ambivalent sehen wir die Gewinne, die aus hohen Ölpreisen erzielt werden. Unternehmen benötigen ordentliche Gewinne, um in neue Techniken zur Deckung unseres Energiebedarfs zu investieren. Die Sucht nach Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf die sozialen Folgen verurteilen wir indes. Eine Abgrenzung zwischen sozial unverträglichen Unternehmen und einer sozial bedürftigen Gesellschaft vorzunehmen, ist allerdings unangebracht. Die Menschen in der Gesellschaft sind mit ihrem Bestreben nach Wohlstand und Reichtum Teil dessen, was die globale und damit auch die unternehmerische Sozialunverträglichkeit ausmacht. Das wird besonders deutlich, wenn man die Betrachtungskreise verschiebt. Solange die Grenze um die Bundesrepublik Deutschland gelegt wird, passen gängige Arm-Reich-Klischees. Weltweit betrachtet ist der Heizölkunde in Deutschland reich, auch wenn dieser nach unserem Verständnis kein Vermögen hat. Er ist Nutznießer dessen, was die so genannte „Öl-Mafia“ unternimmt oder unterlässt. Die durchschnittlich 5,5 Liter Öl, die wir uns täglich leisten, verschaffen uns einen enormen Wohlstandsvorteil gegenüber den Menschen, die in Zonen leben, in denen das Öl zu Tage gefördert wird. Der allgemeine Reichtum in den arabischen Emiraten ist eine Ausnahme. Er ist nicht exemplarisch für die soziale Lage in den Ölförderländern.

Bezüglich der Kraftstoffpreise in Deutschland gilt Ähnliches wie für die Schweinegrippe. In erster Linie sind sie ein Medienereignis. Da wird mit Emotionen gespielt, die sich gut verkaufen lassen. Es gilt festzustellen, dass der deutsche Kraftstoffmarkt der am härtesten umkämpfte Markt in Europa ist. Nach Abzug von Steuern gehört Deutschland zu den Ländern mit den niedrigsten Kraftstoffpreisen. Die Ölgesellschaften sind an diesem Markt nicht wegen der einzelnen Margen sondern wegen der großen Absatzmenge interessiert. Dass Margen in Momenten guter Nachfrage steigen, ist nicht „mafiös“ sondern markttypisch. Tourismuskonzerne lassen sich ihre Reisen zu Ferienzeiten höher bezahlen als in der Nebensaison. Spargel ist am Saisonbeginn teurer als an dessen Ende. Das geerbte Grundstück erfährt in einer beliebten Umgebung mehr Wertsteigerung als im regionalen Durchschnitt. Niemand kritisiert diese Zusammenhänge als mafiös. Dass die Gestaltung der Kraftstoffpreise so gesehen wird, wird durch ständige Wiederholung nicht zutreffender. Anzuklagen wären eher die Bildzeitung und die ihr folgenden Medien wegen Volksverdummung. Der Beweis, dass es bei den Tankstellenpreisen regelkonform zugeht, ist durch die immer wieder stattfindende Preissenkung gegeben. Die aktuell laufende Untersuchung des Bundeskartellamts bestätigt das übrigens.

Ob die Preise an den Tankstellen heute Morgen sinken, wissen wir nicht. Wir wissen hingegen, dass die Weltmarktpreise sinken. Die Tonne Gasöl kostet 413 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 48,76 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,74 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben wieder nach. Mehr schlecht als recht setzen sie ihren kurzfristigen Abwärtstrend fort. Wir bleiben bei der Prognose, dass insgesamt eher eine Seitwärts- als eine Abwärtsbewegung zu erwarten ist. Immerhin erhöht sich die Chance auf tiefere Heizölpreise durch die negative Meinung zur Weltwirtschaft derzeit. Trotz der freundlichen Preise und ihrer Aussicht verzichten wir nicht auf den Hinweis zum Energiesparen und unsere Unterstützung dafür mit Hilfe des Analyseinstruments www.esytrol.com.

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