Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Vor dem Abheben

Am Freitag verlief die Preisbildung in ruhigen Bahnen. Insgesamt hinterließ die vergangene Woche mit Blick auf die Preise aber unangenehme Spuren. Die seit November seitlich gerichtete Entwicklung durchbrach ihre obere Begrenzung und machte damit den Weg für eine neue Teuerungswelle frei. Der Dollar setzte seinen Abwärtstrend fort. Eine Ölpreisrallye wird er allerdings kaum kompensieren können.

Naheliegender Grund für den jüngsten Preisanstieg ist die Kältewelle, die auf beiden Seiten des Atlantiks herrscht. Sie trifft auf dürftig gefüllte Heizöllager und auf eine bereits vollzogene geistige Abkehr vom Winter. Insofern wohnt ihr ein gewisser Überraschungseffekt inne. Da die Bevorratung insgesamt aber ordentlich ist, sollte nach kurzer emotionaler Eruption mit entsprechender Teuerungswirkung eine Rückkehr zu ?normalen? Preisen erfolgen.

Aller Voraussicht nach wird dieses Szenario nicht eintreten. Wahrscheinlich ist dagegen, dass die Emotionen weiter aufschäumen werden. In den USA macht sich nämlich eine Art Ölendzeitstimmung breit. Unter dem Motto ?die Förderspitze ist erreicht, jetzt wird es hart? wird das Publikum auf die neue Lage eingeschworen. Und wie es für das ?Mutterland? der Börse üblich ist, hinterlässt die so produzierte Stimmung ihre Wirkung an den Märkten. Ölpapiere, seien es Futures, seien es Aktien, haben Konjunktur.

Der in der letzten Woche Preis gewordene Stimmungswandel zeichnete sich bereits seit einiger Zeit in der Haltung der großen Investmentgesellschaften ab. Sie setzten wieder auf steigende Ölpreise. Was langsam begann, nimmt nun richtig Fahrt auf. Der Überhang an Longpositionen bei den großen Spekulanten steigt rasant.

Argumentiert wird in erster Line mit dem Nachfragewachstum Indiens und Chinas. China steigerte seinen Bedarf im vergangenen Jahr um 35%. Aber auch die USA steigerten ihren Bedarf. Die Rate liegt zwar nur bei 1-2%. Bei einem Gesamtanteil von mehr als einem Viertel am Weltverbrauch kommt dennoch eine gewichtige absolute Größe heraus. Interessanterweise wird die Diskussion über Energieeinsparung und über Investitionen in die Ölinfrastruktur nicht so aufgeregt geführt, wie die um die Ölreserven. Dieses Missverhältnis bietet leider beste Vorraussetzungen für einen Börenhype mit entsprechender Wirkung auf die Preise. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Investoren beim Aufbau der nächsten Spekulationsblase daran erinnern, dass man während des Goldrauschs mit Schaufeln das meiste Geld verdienen konnte. Sie sollten ihre schnellen Gewinne in neue Raffinerien investieren.

Da das aktuelle Verbrauchswachstum so real wie ärgerlich ist, wird man sich mit dem Umstand steigender Preise arrangieren müssen. Ärgerlich ist es insbesondere, weil es auf einer eklatanten Uneffektivität der Energienutzung fußt. In China wird Strom in großem Stil mit Dieselaggregaten erzeugt. Mit diesem Strom wird Produktion angelockt, die einst in effektiv arbeitenden Regionen stattfand. Reich wird dabei kein Volk, reich werden allenfalls ein paar findige Unternehmer. Und in den USA vernichten Monsterautos, die einen kollektiven Psychoknacks versinnbildlichen, das in der Tat knappe Öl. Wirtschaftlich notwendiger und sinnvoller Transport ließe sich mit 60% weniger Verbrauch genauso gut realisieren.

Charttechnisch gibt es zwar noch etwas Hoffnung, dass der Krug der nächsten Preissteigerung an uns vorübergeht. Aber die Stimmungsindikatoren sehen anders aus. Daher ist es ratsam, der wahrscheinlichen Entwicklung ins Auge zu sehen.

Der Gasölpreis zieht heute Morgen kräftig an. Die Tonne kostet 465$.

Unsere Heizölpreise laufen mit dem Weltmarkt. Und der steigt. Dass sich Heizöl in dieser Woche nicht weiter verteuert, wird wahrscheinlich Wunsch bleiben. Die Wirklichkeit hat Winter und Spekulationsfieber zu bieten. Das sind zwei gewichtige Argumente für Preisauftrieb. Daher lautet die Empfehlung weiterhin: Setzen Sie lieber auf Terminflexibilität bei der Bestellung und streichen Sie die daraus resultierende Einsparung in den Transportkosten ein. Spekulieren Sie nicht auf deutlich fallende Preise.

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