Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Vor einem Jahr kostete Öl mehr

Heizöl wird teurer. Generell ist das nicht ungewöhnlich. Verbraucher sind Kummer gewohnt. In der speziellen Lage ist aber selbst die übliche Erklärung mit dem Zockerparadies Börse kaum zu begreifen. Was macht die Lage so speziell? Das bemerkenswert gute Ölangebot. Es kommt fast täglich in irgendeiner Statistik zum Ausdruck. Gestern war es die Veröffentlichung der US-Bestände, die nach dem weihnachtlichen Durcheinander wieder im normalen Takt erfolgt. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten tendenziell erwartete Daten vor. Gleichwohl übertreffen sie die Schätzungen. Die Vorräte stiegen in allen Kategorien. Das mag nach dem gewollten Rückgang zum Jahreswechsel als selbstverständlicher Fortgang der Entwicklung interpretiert werden. Mindestens die Anstiege der Produktenvorräte sind alles andere als selbstverständlich. Sie fallen so stark aus, dass damit Besonderes geschafft wird. Der stärkste Anstieg der Heizölvorräte in der Winterzeit der jüngeren Geschichte. Dabei produzieren die Raffinerien noch nicht einmal mit hoher Auslastung. Der Aufbau ist Ausdruck einer extrem geringen Nachfrage. Das gilt nicht nur für Heizöl, sondern auch für Benzin, wie man den Zahlen entnehmen kann.

Rohöl: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +6,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +7,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +7,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 15,5 (DOE) bzw. 16,2 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 89 Prozent. Das ist nicht gerade viel. Dennoch gelingt damit die Rückkehr der Heizölvorräte auf ein unkritisches Niveau, wie diese Grafik zeigt. Bis zur letzten Veröffentlichung wurde Woche für Woche der niedrigste Heizölbestand zum vergleichbaren Zeitpunkt gemeldet. Das ist nun vorbei. Das Verbrauchsverhalten der US-Bürger und das Wetter lassen vermuten, dass die Versorgung während des Winters vollkommen unkritisch sein wird.

Das kann man auch über die Ölversorgung insgesamt sagen. Sie macht derzeit eher durch steigende Produktionszahlen als durch irgendwelche Engpässe Schlagzeilen. Selbst die Investitionsbereitschaft der Ölkonzerne wird von Fachleuten positiv beurteilt. Ist die Ölwelt also unversehens wieder gut?

Das kann man so nicht sagen. Die Gesamtbilanz der Versorgung ist aus Sicht der Verbraucher gut. In einzelnen Regionen gibt es aufgrund von Infrastrukturdefiziten dennoch kritische Situationen. Das gilt selbst für die USA, die tendenziell vom Öl überflutet werden. Im Nordosten des Landes, das ist die Haupt-Heizöl-Region, ist der Brennstoff gerade mal auskömmlich vorhanden. Von dieser Region wird der aktuelle Auftrieb der Heizölpreise provoziert. Wenn der Winter weiterhin so verläuft wie in den letzten Wochen, wird aus dieser Region aber bald das Entspannungssignal kommen, das die Preise wieder purzeln lassen dürfte.

Große Preisbewegungen sollte man von den Gegebenheiten am Realmarkt nicht erwarten. Großes kommt nur vom Finanzsystem, sei es durch massenhaft gedrucktes Geld in Form absurder Preisanstiege oder durch Panik zum Zustand der Geldwirtschaft in Form von Abstürzen. Legendär wird das Auf und Ab in 2008 bleiben, das wenig Realmarktgeschehen in sich trug.

Heute Morgen setzt sich der unvermittelbare kurzfristige Aufwärtstrend der Ölnotierungen fort. Es ist wenig tröstlich, dass er mit Blick auf das Geld- und Finanzgeschehen erwartungsgemäß kommt. Tröstlich ist aber vielleicht die Tatsache, das Öl etwas weniger kostet als vor einem Jahr. Für die Tonne Gasöl werden 955,00 Dollar bezahlt. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 93,65 Dollar und in London zu 112,24 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,54 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen zu. Die Börsenvorgaben lassen ihnen keine andere Wahl. Die steigende Tendenz wird wohl noch andauern. Übergeordnet liegt gleichwohl ein Abwärtstrend vor. Er ist intakt. Die Hoffnung, dass das so bleibt und die Preise bald wieder auf Kurs sein werden, ist mit Blick auf den physischen Markt berechtigt. Aktuell dürfen sich Verbraucher, die gezwungen sind Heizöl zu kaufen, mit der Tatsache trösten, dass es etwas billiger ist als vor einem Jahr. Im Verlauf der nächsten Monate dürften sich noch freundlichere Preismomente ergeben, die zum Nachkaufen reizen. Nach dem Winter wird dafür in jedem Tank Platz vorhanden sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen