Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Vorratsdaten ohne Impuls

Es gibt eine bärische Disposition der Preisbewegung. Durchsetzen kann sie sich derzeit aber nicht. Die gestern veröffentlichten US-Bestandsdaten waren für einen Preisrückgang erneut unbrauchbar. Die bärische Chance verkommt langsam. Der Dollar verbuchte unbedeutende Kursgewinne. Gestern fehlten bewegende Meldungen.

Die grundsätzliche Lage am Ölmarkt ist stabil. Die Einflussfaktoren zeigen kaum Fluktuation. Bestimmend sind weiterhin die zuletzt zitierten Umstände: Kürzungsabsichten der OPEC, Rebellenaktivitäten in Nigeria, überversorgte Märkte, abkühlende US-Konjunktur, gut gefüllte Lager, moderate Nachfragesteigerungen.

Wesentlich wird die Preisbewegung durch die Glaubwürdigkeit der OPEC hinsichtlich der Lieferkürzungen bestimmt. Analysten sehen z.Z. ein realisierbares Potential von 0,8 Mio. Barrel pro Tag. Vereinbarungsgemäß will die OPEC aber 1,2 Mio. Barrel pro Tag kürzen. Um den Preisen die bärische Disposition zu nehmen, müsste diese Menge dem Markt erst mal entzogen werden. Eine Gruppe von OPEC-Staaten um Saudi Arabien drängt auf die Umsetzung des Kürzungsbeschlusses und will weitere Kürzungen in Betracht gezogen sehen. Eine andere Gruppe um Kuwait und Nigeria hält den ursprünglichen Kürzungsbeschluss bereits für nicht realisierbar. Das Thema wird den Markt noch über Wochen begleiten. Nach aktueller Lage der Dinge taugt es, die Preisbewegung zum Stillstand zu bringen.

Um die Bewegung anzufachen, womit derzeit eher fallende Notierungen gemeint sind, bedarf es eines Impulses. Die US-Bestandsdaten hätten ein solcher Impuls sein können. Sie sind es aber nicht. Das, was gestern gemeldet wurde, traf nicht die Erwartungen, vielmehr enttäuschte es diese. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) kamen mit folgenden Werten heraus:

Rohöl: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,9 (DOE) bzw. 1,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen über den Werten der Vorwoche und des Vorjahres. Die Raffinerieverfügbarkeit ist mit 88 Prozent weiterhin dürftig. Die in Analystenkreisen erwartete Verbesserung schlägt sich in den Zahlen noch nicht nieder.

Als bärischer Impuls taugen die Daten nicht. Bullisch werden sie aber auch nicht gewertet, da das Gesamtniveau und das Niveau in den Heizöllagern immer noch höher liegt als in den letzten sechs Jahren zum vergleichbaren Erhebungszeitpunkt. Daran ändert auch der starke Rückgang in den letzten vier Wochen nichts.

Ein Anstoß der Preisbewegung wäre z.Z. erwartungsgemäß bärisch. Die Möglichkeit für bullische Impulse wird kaum diskutiert. Das ist erstaunlich, denn neben den geopolitischen Unwägbarkeiten bleibt das Wetter eine grundsätzliche Bedrohung für die Versorgung. Von dieser Seite können jederzeit preistreibende Störungen kommen.

Heute Morgen hält der Gasölpreis sein gestern erreichtes Niveau. Die Tonne kostet 538 $:

Unsere Heizölpreise pendeln sich auf eine Seitwärtsbewegung ein. Das entspricht den Vorgaben des internationalen Markts. Der Binnenmarkt hat sein Eigenleben weitgehend verloren. Die Nachfrage ebbt ab. Die Lieferzeiten sind in den meisten Regionen nahe an der üblichen Zeitspanne angekommen. Für günstige Lieferungen liegen sie bei zwei bis drei Wochen. Wer die Ware schneller braucht, weil der Tank leer ist, muss mit Mehrkosten rechnen. Die Lieferzeiten müssen jetzt auch wegen der Mehrwertsteuererhöhung berücksichtigt werden. Die Erhöhung wird im Dezember eingepreist, weil Bestellungen erst im Januar zur Auslieferung kommen.

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