Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Warten auf Umkehr

Gestern blieb der überraschende und übertriebene Preisanstieg vom Mittwoch noch unkorrigiert. Am Ende des Tages stand ein nicht nennenswerter Kursverlust bei den Öl-Futures einem ebenso wenig nennenswertem Anstieg des Dollars gegenüber.

Als Auslöser des jüngsten Preisanstiegs gelten die Daten über die US-Ölvorräte. Sie zeigten einen Abbau gegenüber der Vorwoche. Eine im fundamentalen Sinn saubere Begründung ist das allerdings nicht. Erstens liegt der gemeldete Rückgang im Rahmen der wöchentlichen Ungenauigkeit der Erhebungen. Zweitens ist die Vorratslage aktuell besser als vor 12 Monaten. Und drittens wird nicht berücksichtigt, dass die Vorräte anders zu beurteilen sind als früher. In der Ölindustrie beginnt sich das, was in anderen Industrien längst gängige Praxis ist, die sogenannte just in time Produktion, durchzusetzen. Das besagt, dass auf Grund geschickter Planung und unter Ausnutzung der Transportlogistik weitgehend auf eine Lagerung von Roh- und Fertigware verzichtet wird. Als simple Konsequenz für die Ölwelt ergibt sich aus diesem Sachverhalt, dass die Bestandszahlen auf einer niedrigeren Basis neu zu interpretieren sind. Das geschieht, wie der Ölpreis zeigt, noch nicht.

Neben der aus der Spur geratenen Bestandsinterpretation, die bei realistischer Betrachtung Potential für fallende Preise eröffnet, gibt es weitere bärische Argumente. Die Erdgasvorräte der USA steigen und steigen. Das, wie auch das warme Wetter, drücken tendenziell auf die Ölpreise. Der Irak konnte seine Ölproduktion erneut steigern. Im Oktober soll er 1,7 Mio. Barrel pro Tag produziert haben.

Mit dem für die Jahreszeit zu warmen Wetter soll es allerdings am Wochenende vorbei sein. Damit ginge ein Argument für fallende Preise verloren. Positive Meldungen aus dem Irak können heute niemanden mehr zu Jubelstürmen hinreißen. Die insgesamt unsichere Lage im Land hinterlässt eine permanente Skepsis über einen guten Fortgang der Entwicklung.

Die einzig plausible Begründung für den dramatischen Preisanstieg ist das gestiegene Spekulationsgeschehen am Ölmarkt. Große Fonds können mit ihrem massenhaft zur Verfügung stehenden Geld fundamentale Zusammenhänge beiseite drängen und für eine anders geartete Preisentwicklung sorgen. Dadurch wird vermutlich keine nachhaltige Änderung im Preisgefüge entstehen. Aber kurzfristig kommt es zu kräftigen Verwerfungen. Die Volatilität steigt.

Spekulanten bedienen sich mehr als Andere der Charttechnik als Grundlage ihrer Handlungen. Daher können Preisbewegungen allein auf Basis bestimmter Bilder oder Niveaus in den Charts entstehen. So geschah es auch am Mittwoch, als die Preise in einigen Wellen aufwärts getrieben wurden. Einzige nachvollziehbare Begründung für steigende Preise waren eben diese Wellen selbst, die mehrfach neue Kaufsignale anzeigten. Die Händler folgten diesen Signalen blind.

Inzwischen befinden sich die Ölpreise charttechnisch in einer wackeligen Zone, die eine Bewegung sowohl nach oben wie auch nach unten rechtfertigt.

Der Gasölpreis zeigt sich heute Morgen fast unverändert zu gestern Früh. Die Tonne koste 260,75$.

Unsere Heizölpreise veränderten sich nach dem kräftigen Anstieg am Mittwoch Abend kaum noch. Trotz der vehementen Bewegungsmöglichkeiten, die gerade demonstriert wurden, bleiben wir bei der Einschätzung, dass sich die Preise in den kommenden Wochen seitwärts bewegen werden. Die Schwankungsbreite kann dabei durchaus 5% betragen. Wir glauben, dass sich Veränderungen der Ölpreise und der Dollarkurse weitgehend neutralisieren werden.

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